
Va tout – Herzkönig
Kriege, Beleidigungen, vertauschte Bräute, geheime Abkommen und ein Kartenspiel: Die frühen Jahre der bayerischen Monarchie – von ihren Anfängen bis zur endgültigen Etablierung ihrer Regierungsform – lesen sich wie ein Kriminalroman. Kaum jemand in seiner Zeit, am allerwenigsten wohl er selbst, rechnete damit, dass der am 27. Mai 1756 in Mannheim geborene Maximilian Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld-Bischweiler eines Tages Regent werden würde.
Nachdem seine Mutter früh wegen ihres aus Sicht des Hofes unangemessenen Verhaltens verwiesen worden war, verlor Maximilian Joseph im Alter von elf Jahren auch seinen Vater. Fortan wuchs er am Hof seines Onkels, Herzog Christian von Pfalz-Zweibrücken, auf. Trotz geringer Aussichten auf eine bedeutende politische Karriere wurde er dort im französischen Geist zum Herrscher erzogen. Bereits mit 14 Jahren ging Maximilian Joseph nach Straßburg. Nur wenige Jahre später wurde er Kommandeur des Corps d’Alsace, eines deutschen Fremdenregiments in französischem Dienst. Ohne konkrete politische Verpflichtungen lebte er dort ein vergleichsweise freies und großzügiges Leben.
Mit dem Tod seines Bruders im Jahr 1795 wurde Maximilian Erbe des Herzogtums Zweibrücken. Kurz darauf übernahm er in München die kurfürstliche Würde von Karl Theodor, der ohne Nachkommen geblieben war. Seit dem 30. September 1785 war Prinzessin Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt an seiner Seite; aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Geschwächt durch die zahlreichen Fluchten infolge der politischen Lage und schwer an einer Lungenerkrankung leidend, starb Auguste 1796 im Alter von nur 30 Jahren auf Schloss Rohrbach.
Bereits im folgenden Jahr verliebte sich Max Joseph in Prinzessin Karoline von Baden. Die Hochzeit fand am 9. März 1797 statt; aus dieser Verbindung gingen acht weitere Kinder hervor. Maximilians Tochter aus erster Ehe, Auguste Amalie, spielte im Januar 1806 eine entscheidende Rolle bei der Erhebung Bayerns zum Königreich. Durch ihre Ehe mit Eugène de Beauharnais, dem Stiefsohn Napoleons, wurde Bayern am 1. Januar 1806 von Napoleon Bonaparte zum Königreich erklärt. Möglich wurde dies jedoch nur, weil Augustes ursprünglicher Bräutigam, Karl Ludwig von Baden, zuvor Napoleons Stieftochter Stephanie, Eugènes Schwester, geheiratet hatte.
Bereits im August 1805 hatte Minister Maximilian von Montgelas den Bündnisvertrag mit Frankreich initiiert. In der Folge kämpften bayerische Soldaten an der Seite der Franzosen gegen Österreich. In den Feldlagern spielten die Soldaten ein Kartenspiel, das sich aus dem französischen „va tout“ („letzter Trumpf“) im Volksmund zu „Watten“ entwickelte. In diesem Spiel ist der Herz-König die höchste Karte – und wird nach dem ersten bayerischen König Max I. Joseph bis heute „Max“ genannt.
Wer dem ersten bayerischen König mit einer Runde Watten gedenken möchte, kann dies übrigens auch ganz unpatriotisch und ohne Wirtshausbesuch per App tun.
Mehr über die bayerischen Könige und ihre Geschichte erfahren Sie täglich von 9 bis 17 Uhr im Museum der bayerischen Könige.
Text: Louise-H. Meinicke, Kulturvermittlerin im
Museum der bayerischen Könige
Foto: Wikipedia



