
Eiskaltes Vergnügen
Beim ersten Einsatz im neuen Jahr geht es für die Wasserwachten aus Füssen und Umgebung immer eiskalt zur Sache. Traditionell steigen am Neujahrstag bei Anbruch der Dämmerung bis zu 100 wagemutige Rettungsschwimmer*innen in den winterlich kalten Lech. Dann lassen sie sich im Fackelschein an der Füssener Altstadt vorbei flussabwärts treiben, um allen Zuschauer*innen ein gutes neues Jahr zu wünschen.
Wer das eindrucksvolle Schauspiel miterleben möchte, sollte sich am 1. Januar rechtzeitig einen guten Platz am Lechufer oder auf der Theresienbrücke unterhalb des Klosters St. Mang sichern. Ab 16 Uhr kann man sich hier mit Glühwein, Punsch und heißen Würstchen die Wartezeit verkürzen, bis gegen 17.30 Uhr die ersten Fackeln an der Lechbiegung zu sehen sind.
Wenn die Fackelschwimmer*innen die Theresienbrücke passieren, schießen die Füssener Böllerschütz*innen mit ihren schweren Handböllern und der Kanone dem neuen Jahr Salut. Sind alle wohlbehalten wieder auf dem Trockenen, gibt es zum Abschluss ein Feuerwerk über dem Lech. Organisiert wird das Fackelschwimmen von der Wasserwacht Füssen.
Seit 2016 ist Maximilian Achatz als technischer Leiter dafür zuständig, dass alles rund läuft: Mitglieder anderer Wasserwachten und Tauchclubs aus der Region einladen, Fackeln besorgen und die mit LED beleuchtete Jahreszahl umbauen, die in der Einsatzgarage der Wasserwacht ein Jahr an der Decke hängt, bis sie wieder gebraucht wird.
Die beleuchtete Jahreszahl kam übrigens erst mit dem 700-jährigen Stadtjubiläum 1995 hinzu. Zuvor bildeten die Schwimmer mit ihren Fackeln eine Formation mit der Jahreszahl. Entstanden ist das Event übrigens aus einer Gaudi heraus: Seit 1960 springen die Wasserwachtler an jedem Faschingssamstag im Kostüm von der Theresienbrücke in den Lech.
1990 kam man auf die Idee, ein offizielles Event mit Zuschauern zu machen, das auch beworben wird und man überlegte, immer an Neujahr mit einigen Schwimmern eine 400 Meter lange Strecke vom Europarkhotel bis zum Ausstieg nach der Theresienbrücke mit brennenden Fackeln durch den Lech zu schwimmen, bzw. im oberen Teil auch zu waten. 1991 war es dann erstmals soweit und 13 Wasserwachtler begrüßten das neue Jahr mit einem Bad im Lech – gespannt verfolgt von den Blicken einiger hundert Neugieriger.
Heute sind es bis zu 5000 Zuschauer und das Neujahrs-Fackelschwimmen ist eine beliebte Tradition in der Lechstadt geworden. Für die Bewirtung der Zuschauer auf der Lechbrücke und unten am Ufer sorgen die Mitglieder des Fördervereins der Wasserwacht. Insgesamt kommen so über 200 Stunden Arbeit für das Neujahrsevent zusammen.
Text:FA/pm · Foto: FTM_Michael Lukaszewski Fotografie



