Brauchtum

König Ludwig II.: Der Geburtstag

Am 24. August 1845 erwartete das Kronprinzenpaar Maximilian von Bayern – der älteste Sohn König Ludwigs I. und seiner Frau Therese – gemeinsam mit seiner Gattin Marie Frederike von Hohenzollern, einer gebürtigen Preußin, die Geburt ihres ersten Kindes. 

Einzig der amtierende König, Ludwig I., der ebenso wie viele andere Familienmitglieder anwesend war, erwartete besonders sehnsüchtig den Glockenschlag, der den Beginn eines neuen Tages ankündigen würde. Nicht ganz uneigennützig – fiel doch der 25. August auf seinen eigenen Geburts- und Namenstag. Und welches schönere Geschenk hätte ihm das Kronprinzenpaar machen können als die Geburt eines Enkelkindes? Tatsächlich erfüllte sich der Wunsch des Königs um 0.20 Uhr nach der Nymphenburger Uhr – um 0.30 Uhr nach der königlichen Uhr.

Otto Ludwig Friedrich Wilhelm erblickte das Licht der Welt. „Otto“ sollte der kleine Prinz nach dem Wunsch der Eltern heißen – benannt nach Otto I., dem ersten Wittelsbacher auf dem bayerischen Herzogsthron, der einst von Friedrich Barbarossa mit dem Herzogtum Bayern belehnt worden war. Mit 101 Kanonenschüssen, Freudenfeuern und einer Festbeleuchtung in Nymphenburg, dem Geburtsort, wurde der Thronfolger gefeiert.

Letztlich konnte sich jedoch der begeisterte Großvater durchsetzen und seinen Wunsch verwirklichen: Das Kind nach ihm zu benennen – teilten sie sich doch nicht nur den Geburtstag, sondern im katholischen Raum noch bedeutender – den Namenstag. Auch König Ludwig I. selbst hatte seinen Namen nicht nach dem Wunsch seiner Eltern erhalten, sondern auf Befehl des französischen Königs Ludwig XVI., der im Gegenzug auch die Patenschaft übernahm.

Die Geburtstage Ludwigs II. verliefen später meist schlicht: kein Hofball, kein großes Fest. Stattdessen ein Angelausflug, ein Gottesdienst, das Entgegennehmen von Glückwünschen und ein Ausflug ins Schweizerhaus, die Bleckenau, zum Kaffee – gekrönt von einem besonders feinen Abendessen. In späteren Jahren wurden die Feiern noch bescheidener und auf das abgelegene Jagdhaus am Schachen in 1866 m Höhe verlegt.

Insgesamt neun Mal feierte der König hier – allein. Ludwig II. spendete im Jahr 1878 Pfarrer Karl Berchthold ein reich verziertes Messkleid, ein weiteres am 17. August 1885 an Pfarrer Walter. Letzteres wird in bearbeiteter Form bis heute bei den Gedenkmessen zu Ludwigs Geburts- und Todestag in der Wallfahrtskirche St. Coloman getragen.

Schon im Jahr 1888, zwei Jahre nach seinem Tod, leuchteten in den Ammergauer Bergen sogenannte Bergfeuer in der Nacht vom 24. auf den 25. August – in Gedenken an den einstigen König. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten. Auch Ludwig II. selbst beschreibt in zahlreichen Briefen und Erinnerungen, insbesondere aus Berchtesgaden und Hohenschwangau, wo sich die königlichen Sommerresidenzen befanden, festliche Beleuchtungen anlässlich seines Geburts- und Namenstages. 

Wie in jedem Jahr wird es auch heuer am 25. August zahlreiche Gedenkgottesdienste in bayerischen Gemeinden geben – zu Ehren von König Ludwig II., dessen Geburts- und Namenstag auf dieses Datum fällt. Bis heute steht seine Persönlichkeit im Zentrum zahlreicher Erinnerungsrituale – nicht zuletzt wegen der bis heute ungeklärten Umstände seines Todes, die maßgeblich zum Mythos um seine Person beitragen. 

Sein Großvater Ludwig I., mit dem er den 25. August als Geburts- und Namenstag teilte, feiert in diesem Jahr im Oktober das 200-jährige Jubiläum seiner Thronbesteigung.

INFO

Mehr über die beiden Ludwigs und ihre Familie erfahren Sie immer montags um 11 Uhr bei der öffentlichen Führung oder jeden Tag von 9 bis 17 Uhr bei einem individuellen Besuch im Museum der bayerischen Könige.

Text: Louise-H. Meinicke, Kulturvermittlerin im Museum der bayerischen Könige<
Foto: Wikipedia

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