
Von der Wirtschaft in die Kommunalpolitik
Der parteilose Bürgermeisterkandidat Markus Rundt will Füssen neu denken
Er kommt direkt von einem Termin, entspannt und gut gelaunt. Markus Rundt, 51 Jahre, ist es gewohnt, von Termin zu Termin zu eilen. Als erfolgreicher Unternehmensberater pendelt er normalerweise zwischen internationalen Aufträgen. Doch jetzt hat er ein neues Ziel: Er will Füssens erster parteiloser Bürgermeister werden. „Eigentlich war Politik nie mein primäres Ziel“, erzählt Rundt.
Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Augsburg, führte sein Weg zunächst in die Medizin. Doch das Leben hatte andere Pläne: Mit 21 wurde er Vater und war mitten im Studium. Dass er das Studium beenden würde, war für ihn klar und dennoch erforderte es eine berufliche Neuorientierung. „Man muss im Leben flexibel sein und Verantwortung übernehmen“, sagt er rückblickend.
Diese Flexibilität führte ihn in die Unternehmensberatung, wo er die heute erfolgreiche Dekura Consulting Group aufbaute. „In der Medizin herrscht ein unglaublich hierarchisches System. Für mich war das immer so ein großer Sperrriegel, dass jemand eine Entscheidung trifft, die eigentlich nicht sinnvoll ist, nur weil er sie treffen kann und das nur aufgrund seiner hierarchischen Position. Ich bin ein Hierachierevoluzzer. In der Selbstständigkeit kann ich mich entfalten. Da muss ich mich im Endeffekt nur auf meine Kunden einlassen, das ist auch in Ordnung. Jeder mus sich sein eigenes Umfeld schaffen, in dem er sich wohl fühlt. Ich habe das für mich gemacht.“
Obwohl der Familienvater sehr strukturiert ist und eine unglaubliche Disziplin hat, blieb die Sorge, nicht genug zu verdienen. „Natürlich hat man Angst, als Selbstständiger nicht genug finanzielle Mittel zu generieren, in erster Linie, wenn man eine Familie hat.“ Diese Sorge blieb unbegründet. Durch seine Beratertätigkeit haben sich die Firmen sehr gut entwickelt.
Wer Markus Rundt verstehen will, muss seine Rolle als Familienmensch kennen. Als Vater von vier Töchtern lebt er heute mit seiner zweiten Frau Annette und der gemeinsamen Tochter in Schwangau. Die drei großen Mädchen sind bereits ausgezogen. Für Markus Rundt ist die Familie das Wichtigste überhaupt. Wenn er über seinen „Mädchenhaushalt“, spricht, dann strahlen seine Augen. Dass er eine besondere Beziehung zu Füssen und der Region hat, ist seinen Eltern geschuldet.
„Wir hatten hier eine Ferienwohnung und kamen sooft es möglich war.“ Die Freundschaften von damals sind heute noch geblieben. „Füssen ist für mich Heimat“, betont er. Auf die Frage, ob seine Familie hinter seiner Kandidatur steht, antwortet er lächelnd: Seine Familie steht hinter seiner Kandidatur, auch wenn sie weiß, dass das Amt fordernd sein wird. Als Unternehmensberater hat Rundt gelernt, komplexe Situationen zu analysieren und Lösungen zu entwickeln.
Diese Fähigkeit will er nun für Füssen einsetzen. „Die Stadt braucht eine klare Vision und Strategie“, erklärt er. „Das heißt, ich muss erst mal für mich klarstellen, wie entwickle ich mich als Stadt kurz-, mittel- und langfristig? Und was sind meine Visionsziele? Füssen Tourismus macht das ganz gut. Sie haben für sich eine Strategie entwickelt und bauen darauf ihre Projekte auf. Wir müssen einfach erst mal wissen, was ist denn die Identität von Füssen? Also sind wir jetzt die die touristische Stadt mit den Schlössern? Sind wir eine Sportstadt? Sind wir eine Kulturstadt? Sind wir eine Geschäftsentwicklungsstadt? Es gibt so viele Möglichkeiten, was Füssen sein kann. Aber wenn man heute den Füssener Bürger wirklich fragt, was ist denn Füssen? Dann hört man in erster Linie: Wir sind touristisch“, beschreibt Rundt.
Markus Rundt betont, dass die Kommune auch wirtschaftlich agieren müsse. Dafür sei eine klare Zielrichtung notwendig, auf deren Basis dann über Jahre hinweg verschiedene Bausteine entwickelt werden könnten. Er kritisiert, dass Füssen derzeit sehr reaktiv handle und Themen oft nur dann aufgegriffen würden, wenn sie gerade aktuell seien.
Seiner Meinung nach müsse ein städtisches Konzept auch von nachfolgenden Perioden mitgetragen werden, da sich eine Kommune sonst nicht entwickeln könne. Er unterstreicht die Wichtigkeit, zwischen Vision und Missionen zu unterscheiden. Zwar gebe es viele mögliche Umsetzungsbausteine, diese könnten jedoch erst dann sinnvoll angegangen werden, wenn das übergeordnete Ziel klar definiert sei. Sein Konzept sieht vor, Füssen als Standort für Forschung und Entwicklung zu etablieren. „Wir haben wenige Gewerbeflächen, also müssen wir clever sein und uns auf wissensbasierte Unternehmen konzentrieren.“
Was ihn von anderen unterscheidet? „Ich bin ein Brückenbauer, Moderator und Mediator“, sagt Rundt. Seine Erfahrung als Mediator in der Wirtschaft will er in die Kommunalpolitik einbringen. Für ihn sollte der Bürgermeister Impulsgeber und Moderator sein, Meinungen zusammenbringen, authentisch sein und die Entscheidungen transparent vermitteln. „Der Stadtrat braucht eine neue Diskussionskultur. Weg von Parteipolitik, hin zu sachorientierten Entscheidungen.“
Vertrauen und Bürgerbeteiligung sind Rundt wichtig: „Die Menschen müssen wieder das Gefühl haben, dass ihre Stimme zählt.“ Markus Rundt hat sich bewusst entschlossen, für keine Partei zu kandidieren.
„Ich kann die Neutralität nur darstellen, wenn ich mich bewusst aus allen Gruppierungen heraushalte, was nicht heißt, dass ich nicht Thesen und Themen von einzelnen Gruppierungen mittrage. Kommunalpolitik sollte niemals Parteipolitik sein, sondern immer die Entscheidungen wirklich für die Bürgerschaft treffen, was ist am besten für uns? Und nicht, was ist das Ziel einer Partei oder was ist das Programm einer Partei?“
Damit Markus Rundt sich als Bürgermeister-Kandidat aufstellen lassen kann, braucht er ca. 180 Unterschriften. Dass er das schaffen wird, daran hat er keinen Zweifel. Die Unterschriftenmappe soll Anfang Juni im Rathaus ausliegen. Wie er sich auf die Verwaltungsaufgaben im Rathaus vorbereiten will, darauf hat der begeisterte Volleyballer eine konkrete Antwort: „Ich möchte ein betriebliches Praktikum in der Verwaltungsgemeinschaft Seeg bei Peter Hartl absolvieren. Er ist ein erfahrener, sehr guter Verwaltungsfachmann, der zudem Hauptamtsleiter in Füssen war. Parallel werde ich auch nach Fürstenfeldbruck gehen und natürlich die Informationslehrgänge mitnehmen, die auch extrem wertvoll sind“, so Rundt.
Die hohe Verschuldung der Stadt sieht er als große Herausforderung an. „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass einem das nicht Kopfzerbrechen bereitet. Natürlich ist es einfacher, eine Stadt zu übernehmen, die megaprosperierend ist“. Für den Unternehmer ist eines klar: „Ich werde als Erstes die Kommunen in Bayern zusammentrommeln, die eine ähnliche Situation haben wie Füssen“, erklärt Markus Rundt entschlossen.
„Wir müssen ganz klar mit unserer Staatsregierung über die Finanzierung von Kommunen sprechen. Das kann so nicht sein, das ist ungerecht. Wenn ich am Flughafen in München ankomme, sehe ich als Erstes ein großes BMW-Logo und als Zweites Schloss Neuschwanstein“, beschreibt er die Situation. „Bayern wird mit Füssen, Bayern wird mit der Region in Verbindung gebracht – dann muss Bayern auch etwas für die Region tun.“ Seinen Wahlkampf will er anders gestalten: „Ich führe keinen Kampf, sondern einen Dialog.“ Er lädt die Bürger ein, sich einzubringen: „Jetzt ist die Zeit für Veränderung. Füssen braucht neue Impulse und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.“
Text · Foto: Sabina Riegger



