
Tele Alpine Project
Optimierte Versorgung von Herzinfarktpatienten
Das Herzzentrum Füssen-Außerfern startet gemeinsam mit der Medizinischen Universität Innsbruck und dem Universitätsklinikum (UK) Augsburg ein grenzüberschreitendes Forschungsprojekt, das die Nachsorge von Herzinfarktpatienten durch digitale und telemedizinische Lösungen verbessern soll.
„Durch unser seit 2012 bestehendes Herzinfarktnetzwerk Königswinkel-Außerfern konnten wir die Akutversorgung bei einem Herzinfarkt in unserer Region bereits enorm verbessern“, betont Dr. Martin Hinterseer. Im nächsten Schritt geht es laut dem Ärztlichem Direktor der Klinik Füssen nun darum, das Risiko eines zweiten Herzinfarktes für die betroffenen Patienten nachhaltig zu senken. „Dieser so genannte Sekundärprävention fällt eine entscheidende Rolle zu“, erklärt Hinterseer.
Daher sei das Ziel des über drei Jahre durch die EU-Interreg geförderten Tele Alpine Projects, eine digitale, telemedizinische und grenzüberschreitende Strategie zu implementieren – um diesen vermeidbaren Herzinfarkten vorzubeugen, wie der Chefarzt der Füssener Kardiologie. Dr. Thomas Pusl ergänzt: „Dafür müssen wir die Risikofaktoren nach einem Herzinfarkt, etwa den Cholesterinwert, den Blutdruck und den Blutzucker optimal einstellen.“
Die Therapieziele werden laut des Privatdozenten (PD) am Universitätsklinikum (UK) Augsburg in mehr als der Hälfte der Fälle jedoch leider nicht erreicht. „Hier setzen wir mit dem Tele Alpine Project an“, so der Funktionsbereichsleiter Endokrinologie und Stoffwechsel des UK Augsburg weiter.
Prof. Philipp Raake stimmt zu. „Durch eine telemedizinische Betreuung haben wir im Netzwerk aktuelle Vitaldaten unserer Patienten zur Verfügung und können so frühzeitig eingreifen bei etwaigen Veränderungen, etwa des Blutdrucks“, erklärt der Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Universitätsklinikum Augsburg. „Dadurch ist es möglich, Herzinfarkten sehr effizient vorzubeugen.“
„An der Medizinischen Universität Innsbruck liegt ein besonderer Schwerpunkt im Bereich der digitalen Kardiologie und der Herzinfarktversorgung. “, erklärt Prof. Axel Bauer, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie. „Ziel ist es, Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt langfristig bei der Kontrolle wichtiger Risikofaktoren wie Blutfettwerte, Blutdruck oder Blutzucker zu unterstützen – und zwar ortsunabhängig und über Landesgrenzen hinweg.“
Sein Innsbrucker Kollege Prof. Sebastian Reinstadler ergänzt: „Gerade durch die Kombination aus App, Smart Devices und telemedizinischem Coaching wollen wir die Sekundärprävention nach einem Herzinfarkt deutlich verbessern und so einem erneuten Ereignis effektiv vorbeugen.“
Das Tele Alpine Project wird durch das EU-Interreg-Programm gefördert und könnte zukünftig als Blaupause für grenzüberschreitende telemedizinische Versorgungskonzepte dienen. Slawomir Tokarski, Direktor bei der Europäischen Kommission, sagte: „Die Europäische Kommission steht voll hinter den Zielen des Tele Alpine Project. Der Erfolg des Tele Alpine Project zeigt, wie wichtig die europäische Zusammenarbeit ist und welchen Mehrwert die Interreg-Programme bringen.“
Das Herzzentrum Füssen-Außerfern wurde 2012 unter der Schirmherrschaft des ehemaligen deutschen Finanzministers Dr. Theo Waigel und des ehemaligen österreichischen EU-Kommissars Dr. Franz Fischler verwirklicht. Im Jahr 2024 wurde die Qualität der Füssener Kardiologie als Schwerpunktklinik für Herzinsuffizienz sowie als Telemedizin-Zentrum durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie belegt.
Text: FA/pm · Foto: Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren



