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Die königliche Familie in Hohenschwangau

„Man könnte ein Märchen von der Elfe der Alpenrose dichten, die aus ihrer Blüte heraus durch die bildergeschmückten Säle Hohenschwangaus fliegt, wo sie Dinge erblickt, die noch schöner sind als ihre Blüte.“ So schwärmt kein Geringerer als der dänische Dichter und Autor Hans Christian Andersen in einem Brief nach seinem Besuch im Sommer 1852 in der Jagd- und Sommerresidenz der bayerischen Königsfamilie.

Welche Märchen er den Kindern, Kronprinz Ludwig und Prinz Otto, genau erzählte, ist leider nicht überliefert. Es liegt jedoch nahe, dass „Die sieben Schwäne“ und „Das hässliche Entlein“ darunter gewesen sein könnten. Sieben Jahre war der spätere König Ludwig II. zu diesem Zeitpunkt alt – und hörte mit Andersens Märchen nicht die erste Schwanengeschichte seines noch jungen Lebens. Ludwigs Begeisterung für Schwäne und Schwanenritter begleitete ihn sein ganzes Leben lang – und prägte all seine Lebensträume.

Mit der Volljährigkeit durfte sich der Kronprinz seine eigene Wohnung einrichten. In seinem Tagebuch beschreibt Ludwig am 19. Januar 1864 seiner ehemaligen Erzieherin, Frau von Leonrod, die neue Einrichtung: „… in meinem Schreibzimmer, welches mein liebstes Zimmer ist, sind an den Wänden die geschnitzten Burgen (Ruinen), welche in der Nähe von Hohenschwangau sind. Sodann hängen die Bilder vom Schwanenritter (die in Hohenschwangau gemalt sind) …“

Schon sein Vater, König Maximilian II., war ein kunstsinniger Monarch mit einer Vorliebe für die deutsche Geschichte und die damit verbundenen Geschichten. Aus dem Antiquarium der Münchner Residenz kannte dieser ebenfalls eine Ansicht der Burg Schwanstein, deren Ruine er 1829 erwandert hatte.

Die Verbindung der alten Burg zu den Scheyern, Welfen und Hohenstaufen sowie die Sage vom Schwanenritter Driant, der einst am Ufer des nahegelegenen Alpsees gelandet sein soll, beflügelten schließlich seine Entscheidung: Nach langen Verhandlungen erwarb er das Gelände und ließ die Ruine zum heutigen Schloss Hohenschwangau – als Jagd- und Sommerresidenz des damaligen Kronprinzen – umbauen. Hier vereinten sich alle Passionen Maximilians.

Auch seine spätere Frau, die preußische Prinzessin Marie Frederike von Hohenzollern, genoss die Aufenthalte in Hohenschwangau und seiner Umgebung bis ins hohe Alter. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1864 übernahm Ludwig II. die Herrschaft. Auch er kehrte immer wieder nach Hohenschwangau zurück – nun gemeinsam mit seiner Mutter.

Nach dessen Tod nutzte Prinzregent Luitpold das Schloss weiterhin, vor allem als Jagdresidenz, bis er im Jahr 1912 starb. Bereits ein Jahr später, 1913, wurde es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit der Präsenz der bayerischen Könige wuchs auch die Zahl der zahlreichen adeligen, aber auch nichtadeligen Gäste des kleinen Ortes Hohenschwangau im Laufe der Jahrzehnte stetig an – und veränderte nach und nach das Ortsbild.

Wer mehr hierzu erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, am 18. Mai 2025 (11 und 14 Uhr, Eintritt: 19 Euro) zum Internationalen Museumstag die Sonderführung „Die königliche Familie in Hohenschwangau – Geschichte und Geschichten“ im Museum der bayerischen Könige zu besuchen. Hier findet man Antworten auf die Frage, wie die bayerische Königsfamilie in Hohenschwangau lebte und wie sie ihre Zeit dort verbrachte.

Von den Anfängen im frühen 19. Jahrhundert bis heute beleuchtet diese besondere Führung das Leben am königlichen Wohnsitz, die Entwicklung des Ortes und die Erlebnisse der einstigen Bewohner – ein spannender Rundgang durch die Geschichte, untermalt mit faszinierenden Erzählungen und Anekdoten.

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl bitten wir um Voranmeldung unter: E-Mail: ticket@museum-hohenschwangau.de
Telefon:  08362 887252

Text: Louise-H. Meinicke, Kulturvermittlerin Museum der bayerischen Könige
Foto: Wikipedia

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