
Entgiften, aber richtig !
Die Weihnachtsfeiertage und Silvester liegen hinter uns, vielleicht hat die/der eine oder andere schon mal etwas „gesündigt“ oder es kneift gar die Hose? Na, dann wird es aber Zeit, uns wieder etwas Gutes zu tun!
Der berühmte Pfarrer Sebastian Kneipp soll wohl einmal gesagt haben, es gäbe eigentlich nur drei ernstzunehmende Heilmethoden: 1. Entgiften, 2. Entgiften, 3. Entgiften. Da hatte er mit Sicherheit Recht, denn nur in einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist (Mens sana in corpore sano), ein verkürztes Zitat des römischen Dichters Juvenal – sehr passend.
Wir können garantiert in unserer heutigen Zeit durchaus beides gut gebrauchen, denn auch das, was durch die Umwelt manchmal so alles auf uns „einprasselt“, kann durchaus heftig sein und ist oftmals gar nicht zu vermeiden. Bewegung an der frischen Luft ist schon mal ganz gut, unter anderem, um den Geist zu reinigen, aber die Naturheilkunde hat uns so viel Hilfreiches zu bieten, da weiß ich fast nicht, wo ich beginnen soll.
Ich glaube, jeder spürt intuitiv, wo seine persönlichen Schwachstellen liegen, aber eine Abklärung beim Arzt oder Therapeuten kann sicher noch zusätzlich eine Bestätigung bringen.
Ja, wo fange ich an? Die Auswahl fällt mir schwer, deswegen werde ich mich erst mal auf meine „persönlichen“ Lieblinge beschränken. Und wenn das nicht ausreicht, gibt es wohl noch einen zweiten Teil…
Ein absolut probates Mittel ist der Wermut-Trank der Heiligen Hildegard von Bingen. Er wird auch „Maitrank“ genannt, da die klassische Einnahme von Mai bis Oktober erfolgen sollte. Nun haben sich aber die klimatischen Bedingungen seit dem 12. Jahrhundert deutlich verändert, ich spreche hier von Pollenflug und Allergien, so dass eine Einnahme bereits ab Februar durchaus nötig sein kann. Was schreibt Hildegard im Originaltext dazu?
„Wenn der Wermut frisch ist, dann zerstampfe ihn und presse durch ein Tuch den Saft aus. Dann koche Wein mit Honig – aber nicht zu stark – und gieße von dem Saft soviel in den Wein, dass der Saftgeschmack den Wein- und den Honiggeschmack übertrifft. Das trinke von Mai bis Oktober jeden dritten Tag nüchtern vor dem Frühstück.
Es beseitigt in dir die Nierenschwäche (Lanksucht) und die Melancholie (Schwarzgalle) und klärt deine Augen und lässt nicht zu, dass deine Lunge krank wird. Es wärmt den Magen (Darm) und reinigt die Eingeweide und bereitet eine gute Verdauung.“ Hildegard bezeichnete den Wermut auch als „Meister gegen alle Erschöpfungen“, also wäre eine Verwendung über das ganze Jahr gut möglich.
Wir als moderne Menschen möchten das Ganze natürlich etwas exakter haben, denn die Rezepte aus dem Mittelalter sind immer etwas vage. Durch gründliche Experimente haben die Hildegard-Spezialisten sowohl das Mischungsverhältnis als auch Einnahme und Dosierung herausgefunden. Also wie folgt: 40 ml Wermut-Frühlingssaft (selbst hergestellt oder fertig gekauft), ein Liter Wein, 150 g Honig. Den Wermutsaft in den siedenden Wein mit Honig gießen, sofort vom Herd nehmen, abseihen und heiß in sterile Flaschen füllen.
Für die ganze Kur braucht man allerdings insgesamt drei Liter, daher am besten die komplette Menge gleich herstellen. Wem das zu umständlich sein sollte – es gibt ihn auch fertig zubereitet. Zur morgentlichen Einnahme: jeden dritten Tag bedeutet einfach, dass man zwischendrin einen Tag Pause macht, die Dosis beträgt ein Likörglas. Wer Angst haben sollte vor dem bitteren Geschmack des Wermuts, sei beruhigt: kennen Sie das Getränk „Martini“? So ähnlich schmeckt er auch!
Was aber tatsächlich erwiesen ist: Personen, die diese Kur einmal jährlich machen, bekommen seltener grippale Infekte oder Heuschnupfen. Auch eine Verbindung mit einer bestehenden Nierenschwäche und Augenproblemen steht hier im Raum.
Mir ist einmal der Fall einer Dame mit starken rheumatischen Beschwerden, Verdacht auch auf MS, sie saß im Rollstuhl, mit Nierenschaden und Sehstörungen, sprich sie war quasi blind, zu Ohren gekommen. Sie hat den Wermuttrank mit dem ebenfalls immunstimulierenden Wasserlinsentrank, ebenfalls nach Hildegard, kombiniert und konnte nach etwa eineinhalb Wochen wohl zumindest wieder Schemen sehen. Toll, oder?
Der Körper vieler Menschen versucht eine Selbstentgiftung über die Haut, was ja prinzipiell super ist, aber leider für die Betroffenen doch sehr unangenehm werden kann. Ich denke da an Milchschorf, Neurodermitis oder an diverse andere Hautausschläge, auch durch Medikamente. Wie kann man dies lindern, ohne die Entgiftung an sich zu blockieren? Hier wäre eine schöne Teemischung sehr empfehlenswert:
- Erdrauchkraut (Herba fumariae) und Stiefmütterchenkraut (Herba violae tricoloris)
- Walnusblätter (Folia Juglandis) zu gleichen Teilen mischen, davon 2 Teelöffel mit je 200ml Wasser heiß überbrühen, etwa 5-8 Minuten ziehen lassen, abseihen und mindestens drei Monate lang 2-3 Tassen täglich ungesüßt trinken und eine Tasse zur Waschung der betroffenen Hautstellen oder auch als Sitzbad verwenden.
Wie wirkt diese Mischung? Der Erdrauch reguliert den Gallenfluss, dichtet die Darmwand ab und der wirkungsbestimmende Inhaltsstoff Fumarsäure gilt als besonders gut bei Schuppenflechte. Das Stiefmütterchen aktiviert den Hautstoffwechsel und die Walnussblätter reinigen Blut, Darm und Lymphe.
Nicht jeder trinkt gerne Tee, sondern möchte vielleicht lieber von außen her behandeln. Auch hier gibt es schöne naturheilkundliche Alternativen, gerade, wenn man gerne auf Cortison verzichten möchte. Aus der Homöopathie finden sich etliche gute Möglichkeiten, die Heilige Hildegard hat ebenfalls einen klassischen Tipp – den Quendel – : „Wenn ein Mensch krankes Fleisch (Gewebe) hat, so dass sein Fleisch (Haut) wie räudig ausblüht, der nehme Quendel und esse es mit Fleisch oder Gemüse gekocht oft, und das Gewebe seines Körpers wird von innen heraus geheilt und gereinigt werden.“
Hier wird zwar vom Quendel oder Feldthymian (Thymus serpyllum) gesprochen, der als Gewürz gegen Hautkrankheiten innerlich verwendet wird, er ist klar sehr gut und schmeckt auch wunderbar, aber ich persönlich finde die Anwendung als Salbe oder Creme sogar noch besser, da die entsprechenden Zubereitungen gleichzeitig noch pflegend sind und durch die ätherischen Öle zusätzlich antibakteriell wirken. 1-2 mal täglich einreiben, allerdings nicht auf offene Stellen, da könnte es eventuell zu sehr brennen!
Eine weitere bekannte Pflanze ist die Blutwurz/Tormentillwuzel (Potentilla tormentilla). Eine alte Weisheit sagt: „Da mag mir fehlen, was es will, da hilft mir gleich mein Tormentill.“ Die Blutwurz gehört bis heute zum beliebtesten Schatz der Volksmedizin. Mit einem Gehalt von mehr als 20 Prozent an Gerbstoffen hat sie wirklich ganz weitreichende Heilkräfte.
Um nur einiges zu nennen: die Schleimhäute werden abgedichtet, so dass krank machende Bakterien, Pilze, Viren oder Giftstoffe nicht in tiefere Schichten eindringen können. Hier kommen gerne Gurgelwässer oder Sprays zu Einsatz. Da kann man besonders an Amalgamfüllungen, gerade nach der Entfernung, denken, denn das Quecksilber ist direkt eine „tickende Zeitbombe“ und kann noch Jahre nach der Zahnsanierung zu Entzündungen im Mundraum führen.
Aber selbst, wenn die Füllungen noch drin sind, wäre es sinnvoll, zweimal täglich den Mundraum zu behandeln. Dadurch lässt sich das freigesetzte Quecksilber im Speichel binden. Entgiftung pur!
Aber zurück zur Haut-Therapie: eine Creme aus Blutwurz kann ebenfalls sehr angenehm wirken. Sie wird z.B. aus 25 g Blutwurz-Tinktur, 65 g Wollwachs, 15 g Jojobaöl und 15 g Wildrosenöl hergestellt. Das Wollwachs in einem sauberen Schraubglas im Wasserbad schmelzen, Jojoba- und Wildrosenöl zugeben, alles gut vermischen, das Glas herausnehmen und sobald die Mischung leicht abgekühlt ist, dieses gut verschließen. Mehrmals täglich anwenden, aber nur auf die betroffenen Stellen.
Tja, wie schon vermutet, es wird definitiv noch mehr folgen!
Ihre Apothekerin Simone Wagner



