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Das Haus Leuchtenberg

Sonderausstellung „Ein freier Geist im Wandel – Eugène de Beauharnais (1781–1824)“

München, Odeonsplatz Nummer 4. Wer heute an dieser Adresse vorbeikommt, verbindet mit dem repräsentativen Gebäude des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen vermutlich nicht die Gründung des einstigen Königreichs Bayern – und erst recht keine Liebesgeschichte. Dabei könnten die alten Mauern so vieles erzählen.

Dass München, die „nördlichste Stadt Italiens“, wie man es oft nennt, einmal sein Zuhause sein würde, ahnte der junge Eugène de Beauharnais nicht, als sein Stiefvater Napoleon ihn am 7. Juni 1805 zum Vizekönig von Italien und 1807 zum Fürsten von Venedig ernannte. Diese Position sollte offiziell unabhängig von Napoleon, dem Kaiser der Franzosen und König von Italien, sein – blieb es jedoch nicht und diente vielmehr dazu, ihre Verbundenheit zu zeigen und Napoleon zu stärken.

Eugène, der mit nur 13 Jahren in den Militärdienst eingetreten war und Napoleon bis zuletzt die Treue hielt, wurde allerdings genauso Opfer der napoleonischen Heiratspolitik wie viele andere Verwandte des Kaisers. Die Hochzeit zwischen der ältesten Tochter des bayerischen Kurfürsten Max IV. Joseph, Auguste Amalie, und Eugène de Beauharnais machte Napoleon zur Bedingung, als es darum ging, Bayern zum Königreich zu erheben.

Eugène, den Napoleon am 12. Januar 1806 adoptierte, wurde nicht gefragt, ob er die bayerische Prinzessin heiraten wollte. Max Joseph hingegen bat seine Tochter um ihre Zustimmung, ohne sie zwingen zu wollen. Die kirchliche Trauung fand am 14. Januar 1806 in der Hofkapelle der Münchner Residenz statt. Zwei Wochen zuvor, am 1. Januar 1806, war Kurfürst Max IV. Joseph zu König Max I. Joseph erhoben worden, und Bayern wurde offiziell zum Königreich.

Trotz dieser wenig romantischen Vorgeschichte, die einige Komplikationen mit sich brachte, gilt die Ehe zwischen Auguste Amalie und Eugène, die später als Ehepaar von Leuchtenberg bekannt wurden, als die einzige von Napoleon gestiftete Verbindung, die als glücklich bezeichnet werden kann. Nicht nur Eugènes Beziehung zu Napoleon, sondern auch zu seinen Schwiegereltern soll sehr gut gewesen sein.

Als Napoleon 1815 abdanken und auf seine Titel verzichten musste, verlor Eugène auch seine eigenen Titel und damit auch seinen sozialen Rang. König Max I. Joseph ernannte ihn daraufhin am 15. November 1817 zum Herzog von Leuchtenberg, nach den 1646 ausgestorbenen Landgrafen von Leuchtenberg, und wies ihm das säkularisierte Bistum Eichstätt als Fürstentum zu. Damit wurden die Herzöge von Leuchtenberg die ranghöchsten Adligen Bayerns nach der königlichen Familie, direkt hinter den königlichen Prinzen.

Der mittlerweile schicksalserprobte Herzog beauftragte noch im selben Jahr den Architekten Leo von Klenze, ihm einen Palast zu entwerfen – jedoch mit dem pragmatischen Hinweis, dieser solle so gestaltet sein, dass er jederzeit in ein Wirtshaus umgebaut werden könne. Klenze nannte das Gebäude fortan das „Hotel Leuchtenberg“.

Vom ursprünglichen Palais, wie es Klenze erbaute, ist heute allerdings wenig erhalten, da das Leuchtenberg-Palais im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Beim Wiederaufbau zwischen 1963 und 1967 wurde lediglich die Außenfassade im ursprünglichen Stil rekonstruiert. Auch die Sommerresidenz in Eichstätt gab die Familie bereits 1855 auf und zog in das ehemalige Kloster Seeon um.


INFO: 

Mehr über das Haus Leuchtenberg, seine Herkunft und Bedeutung erfahren Sie in der Sonderausstellung „Ein freier Geist im Wandel – Eugène de Beauharnais (1781–1824)“. Diese Ausstellung wird anlässlich seines 200. Todestages von Dr. Bernhard Graf im Auftrag des Freundeskreises Leuchtenberg e.V. präsentiert. Schirmherrschaft: S.K.H. Herzog Franz von Bayern und S.D. Herzog Nicolaus von Leuchtenberg.

Ort: Museum der bayerischen Könige
Zeitraum: 17. Januar bis 21. März 2025 (Änderungen vorbehalten).

Text: Louise-H. Meinicke, Kulturvermittlerin Museum der bayerischen Könige
Foto: Wikipedia

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