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Königliche Weihnachten

Die schneebedeckten Alpen und die dunkle Winternacht, erhellt nur vom Glanz des Mondes und einem ungewöhnlichen Lichtstrahl, waren die perfekte Kulisse für König Ludwig II. von Bayern. Oft zog der „Märchenkönig“ in einem prachtvollen, elektrisch beleuchteten Schlitten durch die verschneite Landschaft, eine damals revolutionäre Errungenschaft, die ihm den Weg wies. Der Schlitten, gezogen von vier Schimmeln, war nicht nur ein Symbol seines romantischen Wesens, sondern auch seiner Vorliebe für Technik.

Ludwig liebte die Einsamkeit der nächtlichen Fahrten, die ihm Rückzug und Ruhe boten – eine willkommene Flucht aus dem hektischen Münchner Leben in die Abgeschiedenheit seiner Bergresidenzen, die Schlösser Hohenschwangau und Linderhof.

Das Weihnachtsfest hatte einen besonderen Stellenwert im Leben des Königs. Schon als kleiner Junge lernte er es auf eine besondere Weise zu schätzen. Zwar backten er und sein Bruder Otto selten selbst mit der Mutter Plätzchen, doch die Besuche der Münchener Feinbäckereien und das „Kommission machen“, das Einkaufen von Geschenken, waren Höhepunkte in der Vorweihnachtszeit. Häufig wurden mehrere Kutschen benötigt, um die königliche Familie und die weitläufige Verwandtschaft zu begleiten.

Beim Besuch der Geschäfte durften die Kinder bereits die ein oder andere Köstlichkeit probieren, während die Straßen Münchens in festlichem Glanz erstrahlten. Auch beim winterlichen Besuch seiner Großmutter, der ehemaligen Königin Therese, wurden die Kinder mit heißer Schokolade und Gebäck verwöhnt. Vorher malten Ludwig, Otto und ihre Cousins und Cousinen Bilder, die sie mit Wasserfarben gestalteten, ein damals noch seltenes und neues Malmittel, und die ihre Großmutter ihnen abkaufte und damit ihr Taschengeld aufbesserte. Dieses wiederum nutzte Ludwig schon als Kind, um seine Nächsten reichlich zu beschenken.

Die Festlichkeiten im Hause Wittelsbach standen auch im Zeichen der Traditionen, von denen wir nicht wenige dem bayerischen Königshaus verdanken. Der Christbaum beispielsweise gehörte nicht immer zum Brauchtum hierzulande. Er kam über Ludwigs Urgroßmutter, Königin Caroline, nach Bayern. Diese protestantische Tradition hatte die erste Königin Bayerns aus ihrer Heimat nach München gebracht und 1809 vor der Residenz aufgestellt. Von da an wurde der Baum jedes Jahr ein fester Bestandteil der weihnachtlichen Dekoration in bayerischen Adelshäusern und breitete sich nach und nach aus.

Während Ludwig und sein Bruder Otto den Christbaum schon zu ihrer Zeit als einen wichtigen Teil der Feierlichkeiten ansahen, kannten sie die Tradition des Adventskranzes noch nicht, der erst nach ihrer Zeit in Bayern Einzug hielt. Der Adventskranz, der 1839 in Hamburg von Johann Hinrich Wichern eingeführt wurde, verbreitete sich erst in den 1930er Jahren in Bayern und wurde dort nach und nach populär. Neben den Christbäumen gehörten die prunkvollen Krippen zur Weihnachtszeit.

Die Krippenkultur, die in München bereits im 16. Jahrhundert von den Jesuiten eingeführt und zunächst verboten wurde, erlebte unter König Ludwig I. eine Renaissance. Ludwig II. selbst besuchte als Kind in der Weihnachtszeit mit seinen Eltern regelmäßig die Krippenausstellungen in München. Wie und mit wem genau König Ludwig II. die Feiertage in Hohenschwangau beging, welche Köstlichkeiten serviert und welche Geschenke überreicht wurden, erfahren interessierte Besucher in den nächsten Wochen bei der weihnachtlichen Sonderführung im Schloss Hohenschwangau. Einige der sorgsam ausgewählten Geschenke König Ludwigs II. finden Sie in der Ausstellung des Museums der bayerischen Könige in Hohenschwangau.

Wir wünschen Ihnen ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest und freuen uns auf Ihren Besuch!

Text: Louise-H. Meinicke,
Kulturvermittlung Museum
der bayerischen Könige
Foto: Hubert Riegger

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