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Osterbräuche im Bayerischen Königshaus

Am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond endet die Fastenzeit. Vierzig Tage Verzicht liegen hinter der katholischen Glaubensgemeinschaft. Die Auferstehung Jesu Christi ist das wohl wichtigste religiöse Ereignis im Jahresverlauf der christlichen Glaubenswelt.

Der Palmsonntag ist der letzte Sonntag der Fastenzeit und erinnert an den Einzug Jesu nach Jerusalem. Sein Weg soll von den Gläubigen mit Palmzweigen ausgelegt worden sein, denn die Palme galt schon im Altertum als heiliger Baum und Symbol für Königswürde. Hier im Allgäu ist diese eher selten und so haben ersatzweise immergrüne Zweige in den sogenannten „Palmboschen“ hier Tradition.

Insgesamt neun Zutaten müssen die teilweise sehr aufwendigen Gebinde, die im Palmsonntags-Gottesdienst gesegnet werden und Haus und Hof vor allem Schlechten bewahren sollen, haben. Oftmals sind die Palmboschen auch mit „Palmbrezeln“ behangen, süßen Hefeteig-Brezeln, die oftmals von den Paten für ihre Patenkinder gebacken wurden.

Der Palmsonntag läutet die Karwoche und damit die Osterfeierlichkeiten ein. Ein besonderes Ereignis fand im bayerischen Königshaus am Gründonnerstag statt. Die Fußwaschung durch den Regierenden, im Falle Bayerns durch den König und später den Prinzregenten. Die feierliche Fußwaschung sollte daran erinnern, dass Jesus seinen Jüngern nach dem letzten Abendmahl die Füße wusch.

Am bayerischen Hofe wurden für diese Festlichkeit die zwölf ältesten Männer des Landes ausgewählt, die zuvor auf Kosten des Hofes mit einem neuen schwarzen Apostelgewand eingekleidet wurden. Im Rahmen der Zeremonie wurden ihnen vom Regenten oder einem Vertreter die Füße mit Wasser übergossen und anschließend getrocknet. Daraufhin erhielten sie ein Geldgeschenk, in einem Beutel um den Hals gehängt und wurden verköstigt.

Serviert wurden hierbei vornehmlich grüne Gerichte, wie die sogenannte „Kräutlesuppe“, eine Suppe bestehend aus Brühe, Kartoffeln und frischen saisonalen Kräutern. Darauf folgte das sonst am Karfreitag übliche Fischgericht, hier Hecht mit Spinat. Im Anschluss folgte eine Mehlspeise.

Privat besuchte die königliche Familie in der Karwoche eine ganze Reihe von Gottesdiensten und, was den späteren König Ludwig II. ganz besonders freute, die Heiligen Gräber in der Residenzstadt. Eine Tradition, die schon seit 1729 für das Haus Wittelsbach, damals noch den Kurbayerischen Hof, nachweisbar ist.

Schon früh hatte Ludwig eine große Vorliebe für diese und bastelte und baute sie in seinem Kinderzimmer auch gern, im Miniaturformat, selbst, wie seine Mutter Königin Marie beschreibt. Aus den privaten Aufzeichnungen des Prinzen Leopold, einem Sohn des späteren Prinzregenten und somit Cousin von Ludwig II., wissen wir, dass auch Osterfrühstück und Eiersuche zu den Familientraditionen gehörten.

Der Inhalt der Osternester war vergleichsweise einfach: Ein schokolierter Bisquithase, bunte Eier und ein kleines Geschenk beschreibt Leopold als Fundstücke. An der Suche beteiligten sich alle Familienmitglieder, die wollten Ludwig noch als Kronprinz mit fast 18 Jahren genauso wie sein Onkel Luitpold, der bis an sein Lebensende, also bis ins hohe Alter von 90 Jahren, auf die Nesterjagd ging.

Diese gemeinsamen Rituale stärkten den Zusammenhalt der Familie und schufen unvergessliche Erinnerungen für alle Beteiligten. Insgesamt zeigen diese Osterbräuche, wie tief verwurzelt Traditionen und Rituale sind und wie sie das Familien- und Gemeinschaftsleben bereichern können.

Wer mehr über die Traditionen und Lebensgewohnheiten des bayerischen Königshauses erfahren möchte, kann dies im Museum der bayerischen Könige und bei einem Besuch auf Schloss Hohenschwangau erleben.

Text: Louise-H. Meinicke,
Kulturvermittlung Museum
der bayerischen Könige

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