KulturLeben

Schönheitsideale

Kaum haben wir die besinnlichen Weihnachtstage hinter uns gebracht, überstürzen sich Magazine und Sendungen bereits vor Beginn der Fastenzeit mit Hinweisen, wie wir die mühevoll erarbeiteten Weihnachtspfunde wieder loswerden können.

Dabei ist das Nachahmen eines Schönheitsideals keine Erfindung unserer Zeit und machte auch vor den höchsten Herrschaften nicht Halt. Dass Kaiserin Elisabeth von Österreich, auch als Sisi bekannt, einen beinahe als übertrieben zu bezeichnenden Schönheitskult betrieb und Zeit ihres Lebens eine Taillenweite von gerade einmal 51 cm hielt, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist der lange Weg, den Sisi bis zu ihrem Status als Stilikone gehen musste.

Als Kind galt die später von aller Welt für ihre Schönheit und Anmut bewunderte Kaiserin eher als plump und jungenhaft. Diese Beschreibungen ihres Aussehens finden sich bis kurz vor ihrem 15. Lebensjahr. Umso erstaunlicher erschien die Entscheidung des österreichischen Kaisers Franz Josef, zugunsten von Elisabeth und zum Nachteil ihrer älteren Schwester Helene in Bayern zu handeln.

Denn während Helene als gebildete und ernsthafte junge Frau galt und als Schönheit herausragte, blieb für Elisabeth zumindest während der Verlobungszeit der Titel des „verbauerten, hässlichen Entleins“, wie Zeitzeugen berichten.

Auch nach der Hochzeit entwickelte sich die bayerische Prinzessin, die nun zur österreichischen Kaiserin aufgestiegen war, nur langsam zur heutigen Ikone. Erst nach der Geburt der ersten drei Kinder – Prinzessin Sophie, die bereits im Alter von zwei Jahren starb, Prinzessin Gisela, der späteren Ehefrau von Prinz Leopold von Bayern und des Kronprinzen Rupprecht – entwickelte sich die junge Frau zur Sisi, die wir heute kennen.

Mit einer Körpergröße von 1,72 Meter war sie ungewöhnlich groß für Frauen ihrer Zeit. Durch ihr langsam wachsendes Selbstbewusstsein entwickelte sich die einst schüchterne, fast schon ängstliche Prinzessin zur überall in Europa bewunderten Schönheit.

Trotz ihres strengen Sport- und Ernährungsprogramms, das ihr ein Gewicht von 50 kg während ihres gesamten Lebens bescherte, und der aufwendigen Pflege ihrer Haarpracht verachtete sie die Nutzung von dekorativer Kosmetik und zu intensiven Düften. Wegen ihrer schlanken Figur und ihrer langen Haare wurde Sisi auch die „Feenkaiserin“ genannt.

Als Cousine zweiten Grades hatte diese Feenkaiserin Kontakt zum bayerischen „Märchenkönig“. Als Seelenverwandte sahen sich die beiden Wittelsbacher, die eine enge, aber rein platonische Freundschaft verband und die sich in vielen Punkten ähnelten. Neben vielen gemeinsamen Interessen verband sie, dass sie, zumindest eine Zeit lang, auch sportlich miteinander konkurrieren konnten.

Sowohl Kaiserin Elisabeth als auch König Ludwig II. waren hervorragende Reiter und fanden im jeweils anderen einen seltenen und sportlich ebenbürtigen Reitpartner. Doch trotz der engen freundschaftlichen Verbindung konnte Sisi auch bei ihm bestimmte „Makel“ nicht übersehen. So spottete sie wenig freundlich über seine Vorliebe für Düfte und dass er wieder „ganz mit Chupre parfümiert sei“.

Ludwigs drei Jahre jüngerer Bruder Otto hingegen betrachtete die damaligen Schönheitsideale eher mit Humor. Neben dem später über 1,90 Meter großen Bruder Ludwig wirkte der auch später im wahrsten Sinne des Wortes kleine Bruder des Kronprinzen stets etwas untersetzt.

Otto, der in der Wachstumsphase zunächst etwas zugelegt hatte, was bei offiziellen Bildern sogar retuschiert wurde, unterzeichnete so den ein oder anderen Brief mit „Otto der Dicke“. Diese lockere und humorvolle Art passt dann auch besser in unsere heutige Zeit, und bis zum Aschermittwoch dauert es ja glücklicherweise noch ein bisschen.

Text: Louise-H. Meinicke,
Kulturvermittlung Museum
der bayerischen Könige
Foto: Wikipedia

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