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Wie die Kunst einen jungen Füssener durch die Welt führt

Füssen – Seoul – Salzburg – Mailand – New York

„Es ist schön zu sehen, dass ein Mensch seine Passion gefunden hat. Das ist fortissimo!“. Dieses Zitat seines Vaters bedeutet eine sehr hohe Wertschätzung und Anerkennung gegenüber der eigenen Arbeit. Es ist aber auch ein Ansporn, seinem künstlerischen Wirken weiterhin freien Lauf zu lassen und darauf zu vertrauen, dass der Weg, den man eingeschlagen hat, der richtige ist.

Vielleicht hat auch das Schicksal seinen kleinen Teil dazu beigetragen, dass der gebürtige Füssener Julius Berger Junior heute in New York lebt und sich voll und ganz der Modefotografie verschrieben hat.

Der Gedanke, ins Ausland zu gehen, um dort zu studieren, fernab von der Heimat, war für Julius nichts ungewöhnliches. Immerhin ist er nicht nur zweisprachig aufgewachsen. Aufgrund der beruflichen Tätigkeiten seiner Eltern, beide sind weltweit bekannte und gefeierte Cellisten, hatte die Familie Berger auch eine Zeit lang im südkoreanischen Seoul gelebt, der Heimat von Julius‘ Mutter Hyun-Jung.

Sein Abitur hat er an der internationalen Schule in Augsburg abgelegt. Danach hat es ihn dann zuerst nach Salzburg gezogen, wo er ein Studium der Rechtswissenschaften begann, das ihm aber nicht wirklich gelegen war. Er entschied sich schließlich für ein Studium in Fashion Business, für das er für drei Jahre nach Mailand zog.

Im Herbst letzten Jahres ging es direkt nach New York, wo Julius sein Studium weiterführen und ergänzen wollte. „Hier hat es dann aber auch mit der Fotografie begonnen, obwohl ich vorher noch nie etwas damit anfangen konnte“, erzählt der 24-Jährige. „Ein Freund hat mich irgendwann mal gefragt, ob ich nicht ein Test-Shooting machen möchte, weil ich ganz gute Bilder mache. Heute mache ich Art Direction im Bereich Advertisement“.

Learning by Doing funktioniert immer

Von seinem Vater hatte er vor ein paar Jahren eine Kamera bekommen, wusste allerdings nicht, wie er damit richtig umgehen sollte. Blende oder Belichtung waren Fremdwörter. Durch Learning by Doing und mit Hilfe von zahlreichen Youtube Tutorials, den so genannten Erklär-Videos im Internet, entstand für ihn im Lauf der Zeit schließlich eine ganz neue Passion.

„Das was ich jetzt mache, nennt sich Fashion Fotografie. Das bedeutet, dass man immer den Menschen und das Gewand als Hauptobjekt in Szene setzt. Ich fotografiere aber auch gerne einfach mal das Leben in den Straßen, interessante Menschen, Formen oder Situationen, die mir auffallen“, erzählt Julius, der auch selbst auf seinen ganz eigenen modischen Stil achtet und die Branche aufmerksam verfolgt. Er entwickelt zwar selbst keine Mode, betrachtet sie aber intensiv.

Auf die Shootings hat Julius sehr viel Einfluss, er fotografiert oder assistiert, je nach Auftrag. Allerdings benötigt er dafür ein Team, bestehend aus einem Fotografen, einem Assistenten, dazu Hair & Make Up, ein Stylist, der die Kleider bringt und zurechtzupft, die Models und ein Produzent, der den Überblick über alles hat, insgesamt bis zu sieben oder acht Beteiligte. Das Licht muss richtig stehen, die Einstellungen immer wieder überprüft werden, alles muss im Bild perfekt zusammenpassen.

Bis zu acht Stunden können da bei einem Editorial, wie man so ein Shooting nennt, schon mal vergehen. Immer wieder neues Make Up, verschiedene Looks und wechselnde Locations. „Das längste Shooting, das ich jemals hatte, hat 16 Stunden gedauert.“ Erschienen und veröffentlicht sind seine Fotos und Bilder bisher vor allem in einigen namhaften digitalen Magazinen und den zum Teil bekannten US-Marken, für die Julius Berger Junior bisher geshootet hat.

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, die er in Mailand kennen und lieben gelernt hat, lebt er heute im New Yorker Stadtteil Queens. Seine wenige Freizeit im nahezu minütlich durchgetakteten Leben in der Metropole verbringt er meist unterwegs mit der Kamera. „Dazu kommt, dass sich hier in dieser Stadt so viele Möglichkeiten bieten“, sagt Julius. „Die will man natürlich auch versuchen wahrzunehmen.“

Dennoch ist der Big Apple kein Ort, an dem der gebürtige Füssener sein ganzes Leben verbringen möchte. Er ist froh, wenn er nachts vier oder fünf Stunden Schlaf findet. „Es ist die unglaubliche Energie hier in New York. Jeder arbeitet hart, jeder will etwas erreichen. Es gibt viele in meinem Alter, die noch besser sind. Das greift einen so sehr, dass man selber auch was tun will. Man kann einfach nicht in New York sein und nichts machen.“

Wie es nach der Zeit an der amerikanischen Ostküste weitergeht, da ist sich Julius zum jetzigen Punkt noch nicht ganz sicher. Offiziell läuft sein Studium noch ein Jahr. Und wer weiß, was die Zeit bis dahin alles bringt, hier im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Sein Ziel ist es, mit seiner Arbeit irgendwann einmal in großen Magazinen veröffentlicht zu werden. Cover-Shoots oder eine Major Campaign würde er gerne mal schießen. Oder einmal auf die Titelseite von Vogue.

Mittlerweile ist es nun der Junior, der dem Senior mit Tipps und Tricks beim Fotografieren zur Seite steht. Und das, obwohl sich der Cellist Professor Julius Berger auch durch seine fotografischen Werke längst einen Namen machen konnte. Nicht zuletzt mit seiner Buchveröffentlichung „Tautropfen“, in der er fotografisch eingefangene Momente in Schwarz-Weiß mit persönlichen Erinnerungen und Versen zusammenführt.

So treffen im Familienleben der Bergers zwei völlig verschiedene Berufswelten aufeinander, die aber doch so vieles gemeinsam haben. Ein hohes Maß an Kreativität, dazu Emotionen, Leidenschaft und ein innerlich brennendes Feuer für eine oder sogar mehrere Arten der Kunst, ob in der Musik, der Philosophie, der Fotografie oder eben der Mode. Kunst vereint die Generationen. Man darf gespannt sein. Eine Ausstellung mit Werken von den beiden Fotografen der Bergers wäre sicher interessant.

Text: Lars Peter Schwarz · Fotos: Julius Berger Junior

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