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König Ludwig II. und Richard Wagner

Das Jahr 1864 war in vielerlei Hinsicht lebensverändernd, für König Ludwig II. Sein Vater, König Maximilian II. verstarb am 10. März 1864 plötzlich und unerwartet und Ludwig, der sich gerade in seinem ersten Jahr seiner universitären Ausbildung und im 19. Lebensjahr befand, übernahm die Regierung des Königreiches Bayern und die damit verbundenen Aufgaben.

Schon wenige Wochen nach der Übernahme der Regierungsgeschäfte begann der junge König, sich einen seiner größten Wünsche zu erfüllen. Bereits im Jahr 1861 durfte Ludwig in München der Lohengrin-Oper das erste Mal offiziell folgen. Bekanntlich war der junge Mann zu dieser Zeit bereits ausführlich mit der Handlung dieser Geschichte vertraut.

Nicht nur, dass Ludwig alle bereits publizierten Stücke Richard Wagners gelesen hatte, er verbrachte auch die Sommertage seiner Kindheit in Schloss Hohenschwangau, umgeben unter anderem von alten deutschen Heldensagen, zu der auch die Lohengrin Sage gehörte. Dargestellt ist diese im Speisesaal der ehemaligen königlich-bayerischen Jagd- und Sommerresidenz Hohenschwangau. Sehnlich wünschte sich der König einen Austausch mit dem Meister, der die Helden seiner Kindheit auf der Bühne zum Leben erweckte.

Kurz nachdem Ludwig als König die Landesregierung übernommen hatte, ließ er nach Richard Wagner suchen. Mehrmals verpasste der königliche Gesandte, Hofrat von Pfistermeister, den Musiker, bis er ihn, schlussendlich, in Stuttgart fand und ihm am 03. Mai 1864 den königlichen Wunsch nach einem Treffen übermittelte. Nur einen Tag später, am 04. Mai 1864, ging dieser Wunsch in Erfüllung. Mit dem persönlichen Kontakt zu König Ludwig II. wurde nicht nur für diesen ein Traum wahr. Der Meister selbst war zu dieser Zeit, aufgrund seiner revolutionären Gedanken, seines lockeren Umgangs mit verheirateten Frauen und seines, bestenfalls als schlecht zu bezeichnenden, finanziellen Status, vielfach gesucht.

Im April des Jahres 1864 schrieb Richard Wagner, dass ihm ein „fürstlicher Gönner“ fehlte, um seine geplanten Bühnenstücke zu verwirklichen. „Ein Licht muss sich zeigen: Ein Mensch muss mir erstehen, der jetzt energisch hilft … Mir könnte doch nur einer helfen … ein gutes, wahrhaft hilfreiches Wunder muss mir jetzt begegnen; sonst ist’s aus!“ Schrieb der mittlerweile, im wahrsten Sinne des Wortes „lebensmüde“ Komponist. Dieser fürstliche Gönner wurde Ludwig II.

Das Zusammentreffen in der Residenz in München war der Beginn einer fast zwanzigjährigen Freundschaft, die ihr Ende mit dem Tod Richard Wagners, am 13. Februar 1883, fand. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es unzählige gemeinsame Treffen und einen regen schriftlichen Austausch zwischen den beiden.

Mehr als 600 Briefe und Telegramme gingen zwischen ihnen hin und her. Wagner war einer der ersten, der von den Plänen des Königs erfuhr und damit einer seiner wenigen, engen Vertrauten. Gleich ob es um seine Verlobung mit Prinzessin Sophie in Bayern, oder die Baupläne für seine Schlösser ging, der Meister war informiert. Wenngleich auch diese Beziehung, wie aufgrund der unterschiedlichen Positionen und Charaktere der beiden Herren, nicht verwunderlich, im Laufe dieser langen Freundschaft, zweifelsohne auch ihre Höhen und Tiefen, zu überwinden hatte.

Wer mehr über die Beziehung Ludwigs II. und Richard Wagner erfahren möchte, kann dies bei der gleichnamigen Sonderführung in Schloss Hohenschwangau am Mi. 07.06., Fr. 09.06., Mi. 14.06. und Fr. 16.06. im Anschluss an die Öffnungszeiten um 17.30 Uhr erleben. Eintrittskarten für die Sonderführung bekommen Sie über themenfuehrung@ticket-center-hohenschwangau.de

Text: Kulturvermittlerin Louise-H. Meinicke · Fotos: Wikipedia

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