Kolumne

Trotzdem

Mit einer dicken Schicht Zinksalbe auf der Stirn sitze ich hier und tippe diese Zeilen. Ein bisschen ist es wie früher, mit 13, als ich mir Zahnpasta auf einen Pickel geschmiert und gehofft habe, dass die Cool-Mint-Zahnpasta mit ihren roten und hellblau glänzenden Granulaten ihre angebliche Wunderheilung beweisen wird. In Wahrheit hat sie das nicht. Meine Stirn hat gebrannt und meine Augen getränt. Aber inzwischen ist etwas Zeit vergangen. Jetzt bin ich Anfang 30 und ich kann sagen, ja, ich habe etwas dazugelernt: Besser Zinksalbe!

Irgendwie ist es befremdlich, darüber zu schreiben. Und eigentlich war das auch nicht geplant. Aber jetzt ist es so. Ich meine, es gibt Dinge, die sich wahrscheinlich nie ändern werden. Manchmal ist das gut und manchmal ist das schlecht. Aber die Welt wird sich weiterdrehen. Zum Glück. Das muss man sich nur mal ganz kurz vorstellen…

Alle wissen: Pickel sollen auf keinen Fall gedrückt oder gequetscht werden. Aber wir machen es trotzdem. Neugier oder Unvernunft scheinen mir lasche Ausreden zu sein. Ich sitze hier mit einer pulsierenden Beule auf der Stirn, versteckt unter einer süßlich riechenden Paste, und ich bin dankbar, dass sie sich weiterdreht, unsere Erde.

Vielleicht ist es mangelnde Selbstdisziplin, oder die bloße, unverblümte Dämlichkeit? Aber irgendwie klingt beides gemein und auch zu einfach. Während ich hier Wort für Wort schreibe, weiß ich, dass sich unzählige Menschen da draußen gleich dieselbe Frage stellen werden, wenn sie es getan haben.

Warum? Weil es jetzt erst wirklich scheiße aussieht.

An dieser Stelle würde ich am liebsten meinen guten Bekannten nach seiner Einschätzung fragen. Als Wissenschaftler setzt er sich täglich mit den menschlichen Verhaltensweisen auseinander. Ich würde ihn fragen, warum wir Dinge machen, von denen wir genau wissen, dass sie uns letztlich nichts Gutes bringen werden, aber sie trotzdem machen. Gestern hat er in großer Runde gefragt, warum er Raucher wurde. Er sucht nach Antworten. So wie wir alle.

Ich denke, ich lasse es. Und frage ihn besser nicht.
Auf meiner Suche nach dem Warum habe ich ein „egal jetzt“ gefunden.

Oder wie Charlie Chaplin einst gesagt hat: „Nichts in dieser Welt ist von Dauer. Nicht einmal unsere Sorgen.“

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