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Natron – das Mittel für „fast alles“!

Kennen Sie Natron? Unsere Groß- und Urgroßeltern, vor allem die weibliche Fraktion, setzte es wirklich für fast alles ein: für die Gesundheit, im Haushalt, im Garten…, um nur einiges zu nennen, aber dazu gleich noch mehr.

Was ist denn das nun eigentlich? Erst mal ein ganz unscheinbares weißes Pulver, der Trivialname Natron steht für Natriumhydrogencarbonat, ein geruchloses Natriumsalz, das tatsächlich schon seit Jahrtausenden in ganz verschiedenen Kulturen bekannt ist und dort geschätzt wird. Die chemische Summenformel lautet NaHCO3 und ist sehr eng verwandt mit dem Soda Natriumcarbonat NaCO3. Diese beiden Stoffe kommen sogar gemeinsam ganz natürlich an mehreren Orten der Welt vor, insbesondere an den Ufern der sogenannten Natron-Seen in Afrika. Darum waren es auch die Ägypter, die schon vor über 4000 Jahren diese Substanzen ntrj (das bedeutet so viel, wie zu den heiligen Stoffen gehörend) nannten und sie und ihre austrocknende Wirkung für die Mumifizierung ihrer Toten nutzten.

Die Phönizier hatten für die Salze eine etwas schönere Anwendung, nämlich mit ziemlicher Sicherheit, um Glas herzustellen, die Römer gingen sogar noch einen Schritt weiter, hier ging es bereits um die reinigende Wirkung für Haut, Haar, Wäsche und im Haushalt. Sogar in unserem Körper spielt Natron eine überlebenswichtige Rolle: von den Zellen unserer Magenwand wird unentwegt Natron, genauer gesagt, die HCO3-Ionen gebildet, um die überschüssige Magensäure zu neutralisieren und um so zu verhindern, dass der Magen sich sozusagen „selbst verdaut“. Ebenso sind diese Ionen im Darmsekret enthalten, denn sie sorgen dafür, dass dort ein basisches Milieu entsteht, sonst könnte sich die Nahrung nicht weiter zersetzen und aufgeschlossen werden. Aber Achtung: diese Substanzen sollte man auf gar keinen Fall mit Natriumhydroxid, auch genannt Ätznatron (NaOH), verwechseln, denn das bildet zusammen mit Wasser eine starke Lauge und kann zu schweren Verätzungen und Augenschäden führen!

So, bevor es jetzt wieder zu wissenschaftlich wird, kommen wir doch einfach mal zu den Anwendungsgebieten.

  • Sodbrennen kann ja viele Ursachen haben, wie zu hastiges Essen, Bewegungsmangel, zu fettige oder süße Speisen, Alkohol, Rauchen, Übergewicht oder Stress. Gegen die Ursachen kann Natron leider nicht helfen, aber zumindest im Akutfall wird es die Beschwerden deutlich mindern. 1Teelöffel in ½ Glas Wasser lösen und trinken und das Brennen lässt schnell nach.
  • Blasenentzündung lindern: Dahinter steckt der Gedanke, dass die Bakterien, die diese Entzündung hervorrufen, ein saures Milieu lieben. Dem lässt sich zumindest teilweise durch Natron entgegenwirken, gerade im Anfangsstadium. Zwei- bis dreimal täglich ein Glas Wasser mit einem gestrichenen Teelöffel Natron zu sich genommen erhöht den pH-Wert im gesamten Verdauungstrakt und entsäuert so auch den Urin.
  • Ebenfalls kann es bei Niereninsuffizienz eingesetzt werden, da Natron ein natürliches Elektrolyt ist und den pH-Wert ins Lot bringt. Abends 1 TL in einem Glas Wasser auflösen und nach dem Essen trinken. Die Werte im Blut stabilisieren sich und die Stoffwechselfunktionen werden angeregt.
  • Selbst Halsschmerzen kann man bessern, indem man den üblichen Teelöffel, diesmal aber bitte in lauwarmem Wasser auflöst und dreimal täglich gurgelt. Für noch mehr Wirksamkeit wäre es gut, dieser Mischung noch den Saft einer halben Zitrone zuzugeben und sie in kleinen Schlucken zu trinken. Bei Bedarf am nächsten Tag wiederholen.
  • Auch sehr gut: Bei einer Erkältung kommt es ja sehr gerne und schnell zu Schleimabsonderungen in Hals und Rachen. Mit unserer bewährten Mischung wie oben lässt sich der Schleim viel besser lösen. Wieder schön gurgeln und das mehrmals am Tag.
  • Im Bereich des Mundes, sprich der Zähne und des Zahnfleisches kann Natron ebenfalls viel Gutes tun. Sind die Zähne z.B. stark verfärbt, kann eine Intensivkur prima wirken. Streuen Sie feines Natronpulver auf eine angefeuchtete Zahnbürste und putzen Sie die Zähne vorsichtig damit. Bitte nicht zu fest aufdrücken, da sonst die scharfkantigen Kristalle das Zahnfleisch reizen könnten. Schon nach wenigen Wochen sehen die Zähne sichtbar heller aus.
  • Bei Zahnschmerzen und Zahnfleischentzündung hemmt es auch hier wieder die Bakterien und Entzündungen. Die bereits bekannte Mundspülung ist nun wieder angebracht. Das gilt auch für Aphthen, diese oberflächlichen Schädigungen der Mundschleimhaut, es kann allerdings bei sehr schmerzempfindlichen Personen kurzzeitig etwas brennen. Für eine punktuelle Anwendung empfiehlt es sich, etwas Natron auf die Zungenspitze zu geben und die geplagte Stelle damit zu massieren.
  • Selbst bei Lippenherpes, auch Fieberblasen genannt, können Sie etwas tun: Sie mischen sich eine Paste aus Natron und wenig Wasser, so dass ein zäher Brei entsteht. Dieser wird dann auf die betroffenen Stellen aufgetragen, am besten über Nacht.
  • Diese gerade beschriebene Paste bietet ebenfalls eine gute Hilfe bei Insektenstichen. Der Brei, auf den Stich gegeben, lindert nicht nur den Juckreiz und die Rötung, sondern verhindert auch eine größere Schwellung.
  • Selbst kleine, leichtere Brandwunden können, wie jeder weiß, ganz schön wehtun und man sollte sie gut kühlen: 2 TL Natron in einem Glas kalten Wasser aufgelöst wirken wahre Wunder. Am besten einen Waschlappen damit tränken und auf die schmerzende Stelle legen, mehrmals neu befeuchten und das Brennen lässt schnell nach.
  • Haben Sie eine empfindliche, trockene Kopfhaut, die vielleicht sogar zu Schuppen neigt? Dann geben Sie doch einfach zu Ihrem medizinischen Shampoo noch einen TL Natron hinzu, das beruhigt noch viel besser!
  • Für unsere geplagten Füße, und wer hat sie nicht ab einem gewissen Alter, ist ein Bad mit Natron eine echte Wohltat! Schwellungen und Brennen verschwinden im Nu und eine angenehme Wärme breitet sich aus. Etwa 3 TL auf ein Fußbad machen außerdem die Haut besonders geschmeidig, verhärtete, rissige Hornhaut wird wieder weich und kann anschließend leicht entfernt werden. Auch wer unter Schweißfüßen leidet (die Ursache ist übrigens selten eine Unsauberkeit!), kann hiervon profitieren: Gerüche werden gebunden und gleichzeitig hervorragend desodoriert.
  • Auch für Hund und Katz (nein, diesmal musste Bibi nicht als „Versuchskatze“ herhalten!) kann Natron sehr hilfreich sein. Wenn sich ihr Liebling häufig übergibt oder sich viel um das Mäulchen herum schleckt, kann eine Magenschleimhautentzündung dahinter stecken. Alle 12 Stunden 50 mg pro Kg Körpergewicht ins Futter oder in Wasser wären gut, aber bitte erst nach Absprache mit dem Tierarzt.

Jetzt kommen wir zu den Haushaltstipps:
Mein Abfluss im Badezimmer war verstopft, da doch trotz aller Mühe immer mal eines meiner langen Haare ins Waschbecken gerät. Also habe ich sofort getestet, was in diesem Fall empfohlen wird. Chemische Reiniger mag ich sowieso nicht besonders: 3-4 EL Natron direkt in den Ausguss geben und eine halbe Tasse Tafelessig (ich habe Essigessenz genommen) hinterher schütten. Unter Schaumbildung und später leichtem Blubbern, das kann bis zu 15 Minuten dauern, werden im Rohr anhaftende Verschmutzungen gelöst. Wenn sich die Reaktion gelegt hat, gut mit Wasser nachspülen. Hat super funktioniert!

Auch für Böden, Teppiche, Fenster, Fleckentfernung aller Art etc., etc. ist Natron so vielseitig einsetzbar, da gibt es echt fast „unendliche“ Möglichkeiten, und das ganze ohne Chemie!

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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