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Vorhofflimmern: Turbulenzen im Herz

In Deutschland leiden rund 1,8 Millionen Menschen an Vorhofflimmern. Bleibt es unerkannt, drohen Schlaganfall und Herzbeschwerden. Zu den derzeit stattfindenden Herzwochen klären die Kardiologen der drei Kliniken Kaufbeuren, Füssen und Buchloe über das Thema auf.

„Die größte Herausforderung, die uns beim Vorhofflimmern begegnet“, erklärt Privatdozent Dr. Marcus Koller, „ist, dass viele Patienten die Symptome nicht rechtzeitig erkennen.“ Nur jeder zweite Betroffene spürt die Krankheitszeichen laut dem Chefarzt der Kaufbeurer Kardiologie. „Dabei ist eine Behandlung wichtig, um etwa das Schlaganfallrisiko zu senken“, macht Koller deutlich. Knapp ein Drittel aller Schlaganfälle, die in Folge eines verschleppten Blutgerinnsels auftreten, seien gar auf ein bis dahin nicht diagnostiziertes Vorhofflimmern zurückzuführen, so der Leiter des Herzzentrums Ostallgäu-Kaufbeuren. Dazu gehört auch das im vergangenen Jahr für knapp eine Million Euro komplett erneuerte Herzkatheter- und Elektrophysiologie-Labor in Kaufbeuren, das zu den modernsten in Süddeutschland zählt und auf die Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern spezialisiert ist.„Die Digitalisierung kann uns bei der Erstdiagnose von Vorhofflimmern enorme Abhilfe leisten“, betont Dr. Martin Hinterseer. „Schon heute können Smartphones mit entsprechenden Apps oder sogenannte Wearables, wie etwa spezielle vernetzte Uhren, ein EKG dokumentieren.“ Dadurch, so der Chefarzt der Füssener Kardiologie weiter, könne ein Vorhofflimmern frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden. „Sollte der Patient eine medikamentöse Blutverdünnungstherapie nicht vertragen oder ein erhöhtes Blutungsrisiko vorliegen, so kann heute ein Verschlußsystem im linken Herzvorhofohr auch vor Schlaganfällen schützen“, erklärt der Leiter des grenzüberschreitenden Herzzentrums Füssen-Außerfern, der zusammen mit Dr. Glatthor und dem gemeinsamen Team eine große Zahl dieser Eingriffe erfolgreich durchführt.

Im modernen Herzkatheterlabor bieten (v.l.) Chefarzt PD Dr. Marcus Koller, Christian Jax und Dr. Roman Biegler alle Möglichkeiten der elektrophysiologischen Diagnostik und Therapie an.

„Von Vorhofflimmern betroffen sind vor allem ältere Patientinnen und Patienten“, sagt Dr. Sascha Chmiel. Ab einem Alter von 70 Jahren steige ihre Zahl beinahe exponentiell, so der Leiter der Kardiologie in der Klinik St. Josef Buchloe, die seit vergangenem Jahr zertifizierte Chest Pain Unit ist. Vorhofflimmern zählt laut Chmiel bundesweit zu den verbreitetsten Herzrhythmusstörungen. „Tückisch ist dabei, dass ausgerechnet ältere Menschen oft keine Beschwerden haben“, fährt der Buchloer Kardiologe fort. Daher gelte gerade für diese Zielgruppe, dass eine regelmäßige Kontrolle des Ruhepulses wichtig ist zur frühzeitigen Erkennung. „Wird Vorhofflimmern rechtzeitig erkannt“, zieht Chmiel ein positives Fazit, „können die meisten Menschen mit der entsprechenden Behandlung weiter ein normales Leben führen.“

Bei Verdacht auf Herzinfarkt oder unklaren Brustschmerzen sofort in die CPU – Chefarzt Dr. Sascha Chmiel (3.v.l.) und sein Team betreuen die „Chest Pain Unit“ an der Klinik St. Josef Buchloe rund um die Uhr

Text · Foto: pm/Kreiskliniken Ostallgäu

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