Kolumne

Die Kreisliga

Es nützt nichts, sich verrückt zu machen. Überall das, was auf der Welt schief läuft. Über die Bedrohungen, die Missstände, die Ungerechtigkeiten, den Weltschmerz. Es ist wichtig, sie nicht zu ignorieren, oder sie einfach geschehen zu lassen. Aber ich glaube auch, dass es wichtig ist, sich all das Schöne und Gute auf der Welt bewusst zu machen und mit Haut und Haaren aufzusaugen. Das bedeutet auch, neue Erfahrungen zu machen. Und tatsächlich kann ich von einer ganz neuen Erfahrung erzählen. Eigentlich war es nicht einfach „nur“ eine neue Erfahrung, vielmehr war es ein Ausflug in eine neue Welt.

Ein Trip mit Suchtpotenzial.

Mitten im Nirgendwo, gefühlt jedenfalls, war es dann endlich da- das Fußballfeld in all seiner Pracht, umgeben von Wald und Wiesen. Die Herrenmannschaften wärmten sich schon auf. Meine Freundin und ich auch. Wir füllten unsere leeren Mägen und zogen pünktlich zum Anpfiff in Richtung Spielfeldrand. Ich war nicht nur eine Zuschauerin des Kreisliga-Spiels. Ich war Fan.

Auf dem Spielfeld stand der Mann meiner Freundin. Ich war jetzt mittendrin- zwischen Markierungen, Werbetafeln, Duschen, Kaffee, Kuchen und vor allem Bier. Letzteres kam natürlich der Vereinskasse zugute. Das wusste der ältere Herr neben mir offensichtlich ganz genau. Ein bisschen sah er aus wie Fritz Wepper. Nur verbrauchter. Er trug kein Trikot am Körper, aber dafür eins auf der Zunge. Ein Niederbayer in ausgelatschten Crocs, Filzhut und Strickjacke. Ich hatte ein bisschen Angst vor ihm. Ja, ganz ehrlich. Er war laut, er war mürrisch, er verfluchte den Schiri im tiefbayerischen Slang und bis zur ersten Halbzeit saß er anscheinend auch im falschen Fan-Block. Ich hätte es nicht gemerkt, wenn sich eine Frau neben uns nicht lautstark bemerkbar gemacht hätte:

„Gloifl, du bläda!“ Übersetzt meinte sie wahrscheinlich sowas wie: Bitte halte dich zurück, und setz dich nächstes Mal lieber auf die Seite deiner Mannschaft. Danke und viel Spaß dir noch!

Er jedenfalls verzog keine Miene, nippte an seinem Bierchen und machte weiter wie bisher.

Ehrlicherweise habe ich keine Ahnung von Fußball. Ich kenne die Regeln nicht, ich weiß nicht genau, wann ein Foul gepfiffen wird oder wann es eine Ecke gibt. Aber was ich weiß: Es hat so viel Spaß gemacht.

Also dann: Ich habe fertig.

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