GesundheitLeben

Im Alter noch besser aufgehoben

Neue Abteilung in Füssen übernimmt Seniorinnen und Senioren direkt aus der Notaufnahme in die Rehabilitation

Einen weiteren Schritt zur bestmöglichen und unkomplizierten Versorgung von Seniorinnen und Senioren geht die Klinik Füssen. Dort nimmt ab 1. Juli 2022 die neue Akutgeriatrie die Arbeit auf. „Der entscheidende Faktor ist, dass wir Patientinnen und Patienten direkt von der Notaufnahme übernehmen können“, erläutert Geriatrie-Chefarzt Dr. Christian Ott. Damit können Menschen, die mit einem Notfall wie einem Herzinfarkt oder Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden, sofort auch von einer komplexen früh-rehabilitativen Behandlung profitieren. Dazu ist es nötig, dass verschiedene Abteilungen routiniert und professionell zusammenarbeiten.

Der größte Vorteil ist, dass für alle Belange die richtigen Spezialisten bereitstehen. Zwar ist interdisziplinäre Zusammenarbeit mittlerweile weit verbreitet. Wie alt die Menschen sind, bleibt jedoch häufig zuerst außen vor. Dabei kann spezielle altersmedizinische Betreuung die Prognose deutlich verbessern. Sie stärkt die Selbstständigkeit und hilft, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Im Fall der Fälle behandelt die Füssener Notaufnahme unter Leitung von Dr. Philipp Zimmermann Jung und Alt 24 Stunden am Tag schnell und zuverlässig. Notfälle in der Inneren Medizin versorgen dann beispielsweise Dr. Martin Hinterseer und sein Team weiter. Unfallchirurg Dr. Manuel Däxle ist zudem laut Ott „bei jedem Oberschenkelhalsbruch mit dabei“. Mit ihm seien auch gemeinsame Visiten geplant.

Ist der Notfall behandelt, also beispielsweise ein Katheter gelegt oder ein Bruch operiert, kommen die Patienten unter bestimmten Voraussetzungen direkt in die Akutgeriatrie. Denn ältere und alte Menschen bedürfen aufgrund ihrer oft vielgestaltigen Erkrankungen und damit höherer Empfindlichkeit besonderer Behandlung. Diese ist komplex: „Da ist nicht nur der Doktor gefragt, sondern ein ganzes geriatrisches Team“, sagt Ott. Damit meint er unter anderem aktivierende Pflege, Physio-, Ergo- und Logotherapie sowie den Sozialdienst.

All diese Spezialisten können dank der neuen Akutgeriatrie sofort, sobald es also medizinisch Sinn macht, mit den betagteren Frauen und Männern arbeiten. Keine Voranmeldung oder Wartezeit in anderen Abteilungen steht dazwischen. Das behandelnde Team kann die Hintergründe eines Notfalls ermitteln und beispielsweise helfen, zukünftige Unfälle zu vermeiden. So operieren zum Beispiel nicht nur die Ärzte eine Schenkelhalsfraktur und die Therapeuten machen den Patienten wieder fit, was das Risiko erneuter Stürze mindert. Auch kann das Team Ursachen für Stürze im häuslichen Umfeld aufzeigen und beseitigen. Für diese sogenannte Komplexbehandlung sind jedoch mindestens zwei Wochen nötig. Der Bedarf wird also an bestimmten Parametern festgemacht: „Grundsätzlich handelt es sich bei allen über 85 um geriatrische Patienten, weil die Menschen dann sehr vulnerabel sind“, erklärt Ott. Ein kurzer Blick auf das Geburtsdatum identifiziert jedoch nicht alle geriatrischen Menschen. Unter 85 kommt es darauf an, ob alterstypische zusätzliche Erkrankungen, sogenannte Komorbiditäten, wie Diabetes, Austrocknen sowie Probleme mit dem Gedächtnis sowie der Wahrnehmung vorliegen. Noch in der Notaufnahme überprüfen die Experten mit einem Screening, ob spezieller geriatrischer Handlungsbedarf besteht. Das finden sie mithilfe des ISAR-Fragebogens (siehe Info) mit sechs einfachen Ja-Nein-Fragen schnell heraus. In Füssen lebt ein höherer Anteil älterer Menschen. Doch von der Akutgeriatrie sollen auch Patientinnen und Patienten aus anderen Teilen der Region profitieren. Beispielsweise wird einer der drei Füssener Geriatrie-Ärzte regelmäßig Patienten in Kaufbeuren ansehen, um zu prüfen, ob diese direkt im Anschluss an eine Notbehandlung nach Füssen verlegt werden können. Auch die Zusammenarbeit mit dem Standort Buchloe soll zum Wohl der Bevölkerung vertieft werden. Denn die Weiterbehandlung ist das Füssener Geriatrie-Spezialgebiet – mit der neuen Akutgeriatrie kann diese noch nahtloser einsetzen und Seniorinnen und Senioren noch besser helfen.

Info:
ISAR-Fragebogen (Identification of Seniors at risk)
Die sechs Fragen im ISAR-Fragebogen lassen sich simpel mit Ja oder Nein beantworten.
Sie lauten:

  • Waren Sie vor der Erkrankung oder Verletzung, die Sie in die
     Klinik geführt hat, auf regelmäßige Hilfe angewiesen?
  • Benötigten Sie in den letzten 24 Stunden mehr Hilfe als zuvor?
  • Waren Sie innerhalb der letzten sechs Monate für einen oder
    mehrere Tage im Krankenhaus?
  • Haben Sie unter normalen Umständen erhebliche Probleme
    mit dem Sehen, die nicht mit einer Brille korrigiert werden
    können?
  • Haben Sie ernsthafte Probleme mit dem Gedächtnis?
  • Nehmen Sie pro Tag sechs oder mehr verschiedene
    Medikamente ein?

Heißt es bei zwei oder mehr Fragen „Ja“, besteht wahrscheinlich spezieller geriatrischer Handlungsbedarf.

Text · Foto: Dominique Roth / Kreiskliniken Ostallgäu

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Das könnte Dich auch interessieren
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"