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Füssener Tourismusbilanz 2021

Frühjahrs-Lockdown sorgt für weitere Rückgänge

Der lange Corona-Lockdown von Januar bis weit in den Mai schlägt sich auch in der Füssener Tourismusbilanz 2021 nieder. Trotzdem konnte die Lechstadt im vergangenen Jahr dank der starken Inlandsnachfrage mehr als eine Million Übernachtungen verzeichnen. Mit 1.068.268 Gästeübernachtungen insgesamt war 2021 ein Minus von rund 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und von rund 26 Prozent im Vergleich zum Vor-Coronajahr 2019 zu verzeichnen. Damit fielen die Übernachtungszahlen auf ein Niveau zurück, wie es letztmals Mitte der 1990er Jahre zu verzeichnen war. Die Gästezahl von 274.646 in 2021 bedeutet einen Rückgang von rund 9,5 Prozent gegenüber 2020 und rund 50 Prozent gegenüber 2019. Wie schon im ersten Pandemiejahr 2020 entfielen auch 2021 mehr als 90 Prozent der Übernachtungen auf Inlandsgäste. Den größten Anteil daran hatten Füssen-Urlauber aus Baden-Württemberg, gefolgt von Gästen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen. Der Übernachtungsanteil der Auslandsgäste lag 2021 bei 6,2 Prozent und damit noch einmal mehr als 30 Prozent unter dem Vergleichsergebnis 2020. Dieses Übernachtungsaufkommen wurde vor allem mit Gästen aus den Nahmärkten erzielt: Die direkten Nachbarländer Niederlande, Schweiz und Österreich führen das Auslandsranking an. „Der weitere Übernachtungsrückgang bei den Auslandsgästen ist hauptsächlich auf die weltweiten Reisebeschränkungen und die zusammengebrochenen Reiseketten zurückzuführen“, kommentiert Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier die Zahlen. „Aber auch die Infektionsschutzvorgaben, aus denen zum Beispiel eine starke Reduzierung der verfügbaren Neuschwansteintickets resultierte, haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Vor allem die asiatischen Märkte sind marginalisiert worden.“ Die im Vergleich zu Hopfen am See und Weißensee höheren Übernachtungsrückgänge in den Ortsteilen Füssen-Stadt (minus 7,8 Prozent) und Bad Faulenbach (minus 11,9 Prozent), in denen einige der Asienspezialisten unter den großen Hotelbetrieben angesiedelt seien, würden diese Einschätzung bestätigen, so Fredlmeier weiter.

Neue Problemstellungen jenseits der reinen Zahlen

Da die innerdeutschen Gäste in der Regel länger bleiben, weist die Tourismusbilanz eine weitere leichte Steigerung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 3,6 Nächten 2020 auf 3,89 Nächte 2021 aus. Die Verteilung des Übernachtungsaufkommens auf die einzelnen Betriebsgruppen bestätigt die Trends, die sich schon 2020 abgezeichnet hatten: So konnten Camping- und Wohnmobilplätze 2021 noch einmal um jeweils mehr als 11 Prozent zulegen, während der Übernachtungsrückgang um 16,5 Prozent im Hotelsegment dem Zusammenbruch des internationalen Reisemarktes geschuldet sein dürfte. Die statistische Saisonkurve 2021 spiegelt sowohl die Übernachtungsausfälle während der Lockdown-Monate als auch den gut gebuchten Sommer und Herbst wider, die die Ausfälle im ersten Jahresdrittel allerdings nicht komplett ausgleichen konnten. Der quantitative Rückgang in der Jahresbilanz sei deshalb zu erwarten gewesen, zieht Füssens Tourismuschef ein Resümee und möchte gleichzeitig den touristischen Blick weiten: „Die Übernachtungsstatistik gibt keinen Aufschluss über die tatsächlichen Problemstellungen im Tourismus wie etwa den durch die Pandemie noch verstärkten Fachkräftemangel in Hotellerie und Gastronomie oder die Frage der Akzeptanz für den Tourismus bei den Einheimischen. Diese Herausforderungen werden uns Touristiker wahrscheinlich in Zukunft stärker beschäftigen als das reine Tourismusmarketing.“

Text : pm

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