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Der Champignon

Vitalpilze, was ist das denn, werden Sie sich jetzt wahrscheinlich mal als allererstes fragen. Und das mit Recht! Spezielle Pilzarten, wie z.B. der Shiitake, Reishi oder Maitake, die in der traditionellen asiatischen Heilkunde schon seit Jahrtausenden erfolgreich zur Behandlung vielfältigster Beschwerden eingesetzt werden, sind bei uns in Europa noch nicht so wirklich gut bekannt.

Ich weiß es eigentlich selbst nicht mehr ganz genau, aber ein medizinischer Fachartikel hat irgendwann mein Interesse geweckt und dann kam passend dazu ein Bericht im Fernsehen, wie diese Pilze „geerntet“ werden, zum Teil sehr abenteuerlich im Hochgebirge, seitdem werde ich dieses Thema nicht mehr los… Ich habe auch schon einiges „im Eigenversuch“ durchaus mit sehr gutem Erfolg getestet, bleibe daher weiter am Ball und bin für alles offen! Deshalb habe ich mir gedacht: um Sie in dieses Gebiet einzuführen, bleiben wir doch erst mal ganz europäisch und beginnen mit unserem heimischen Champignon, von dessen positiver Wirkung Sie so bestimmt noch nichts wussten. Selbstverständlich ist das alles nicht ganz hundertprozentig wissenschaftlich hinterlegt, aber warum nicht trotzdem probieren?

Der Zucht-Champignon (Agaricus bisporus)

Er ist mit Sicherheit doch der bekannteste, den wir alle kennen. Diese spezielle Art wurde im Rahmen des Melonenanbaus in Frankreich entdeckt, deshalb nannte man ihn Champignon de Paris. Die Franzosen waren so begeistert, dass sie ihn bereits seit Mitte des 17. Jahrhunderts kultivierten. Am Hofe Ludwigs XIV. wurde er erstmals durch den Agrarwissenschaftler Olivier de Serres gezüchtet. Dass das mittlerweile der am häufigsten angebaute und beliebteste Zuchtpilz ist, brauche ich Ihnen ja nicht zu sagen! Auch, wenn er am besten auf einem Substrat aus Strohkompost und Pferdemist wächst. Aber da blühen auch die schönsten Rosen darauf! Der Champignon kommt klar auch natürlich vor, häufig ist er auf Weiden zu finden, hier unter anderem der Wiesen-, Anis- oder Stadt-Champignon, in Europa sind ca. 60 „wildlebende“ Arten bekannt. Er gehört zu der Familie der der Agariaceae, den Champiugnonverwandten, die etwas über 2500 Arten umfasst. Diese beinhaltet auch die Egerlinge wie Agaricus brasiliensis, den sog. Mandelpilz, Tintlinge (Coprinus comatus) oder diverse andere Schirmpilze.

Fangen wir doch mal einfach im Küchenreich an: Der Champignon ist ein super Eiweißlieferant und ein hervorragender Fleischersatz, man kann ihn auch roh genießen, was bekanntlich nicht bei allen Pilzen geht und es spielt keine Rolle, ob Sie nun die weiße oder braune Variante bevorzugen. Die kleinen sind ja eher mild und nussig im Geschmack, die großen mit den geöffneten Lamellen heißen Portobello-Pilze und sind geschmacklich etwas kräftiger. Diese kann man übrigens super als vegane Burger-Zutat oder zum Grillen verwenden. Und was klasse ist: bei korrekter Lagerung können sie sogar wieder erwärmt werden, wovon man ja bei anderen Pilzen eher dringend abrät!

Jetzt wird es aber richtig interessant! Leider laufen die Forschungen in diesem Bereich noch, aber was im asiatischen Raum schon mit den sog. Vital-oder Heilpilzen erzielt worden ist, lässt mich doch sehr hoffen… Sehr erfreulich finde ich die positive Wirkung des Champignons für das Immunsystem. Hier kommen dessen Inhaltsstoffe wie Lektine, Beta-Glucane und andere Polysaccharide zum Einsatz und ganz spannend: als Quelle für neue Antibiotika wurden bereits 45 noch nicht ganz erforschte Substanzen entdeckt. Also, das heißt im Klartext: es sind hier sehr viele antivirale und antibakterielle Wirkstoffe enthalten, dadurch werden die im Körper enthaltenen natürlichen Killerzellen aktiviert und das sog. sekretorische IgA erhöht, dieses ist die erste Abwehrbarriere gegen Infektionen an den Schleimhäuten und z.B. im Speichel oder im Darm nachweisbar. Und jetzt wird es nochmal spannender: regelmäßiger Pilzkonsum oder auch die Einnahme von Pilzpräparaten kann wohl das Risiko für Demenz und Alzheimer reduzieren! Eine wirksame Komponente scheint hier das Ergothionein (ET) zu sein, das sich im Nervensystem schützend anreichern kann, denn man hat festgestellt, dass im Blut von Betroffenen mit beginnenden Gedächtnisstörungen relativ niedrige ET-Spiegel vorhanden waren. Sogar der Zuckerstoffwechsel kann günstig beeinflusst werden: wenn man Champignons mit Fleisch vergleicht, so hat man u.a. einen deutlich geringeren Appetit durch ein besseres Sättigungsgefühl. Außerdem ist ein positiver Einfluss auf den Fettstoffwechsel und eine beginnende Fettleber nachweisbar.

Auch für die Verdauung bringt der Champignon einiges: durch die Bindung von Giften im Darm kann er helfen, Mundgeruch zu reduzieren, Magengeschwüren und -entzündungen vorzubeugen, den Darm gesund zu erhalten und dessen Flora zu stärken. Außerdem wirkt er generell entzündungshemmend, schmerzstillend, hat Harnsäure senkende und die Nieren schützende Eigenschaften und verbessert das Hautbild bei Akne. Ob ich ihn jetzt bei Tumorerkrankungen einsetzen würde, wie manche Quellen behaupten, weiß ich nicht, aber unterstützend kann es sicher nicht schaden!

Ja, nun habe ich tatsächlich noch etwas „Platz“ und somit kann ich einen der oben genannten asiatischen Vital-/Heilpilze doch noch etwas streifen.

Shiitake (Lentinula edodes)

Den „König der Pilze“ kann man durchaus auch bei uns frisch kaufen! In seinem ursprünglichen Lebensraum wird er infolge seiner Heilwirkung seit mehr als 1000 Jahren als wertvolles Lebenselixier und „Blutaktivator“ geschätzt. Der Name „Shita“ („take“: japanisches Wort für Pilz) leitet sich vom Begriff „Kastanienbaum“ ab, da dieser Vitalpilz häufig in größeren Mengen in dessen Nähe zu finden ist. Bereits in der Ming-Dynastie (1368-1644) empfahl der berühmte Arzt Wu Shui diesen Pilz u.a. als Mittel gegen Erkältungen. In der traditionellen Volksheilkunde Chinas und Japans ist dieser Vertreter der Medizinalpilze eben bei Erkältungskrankheiten, aber auch bei Entzündungen, Magenbeschwerden, Lebererkrankungen, Gicht, Hämorrhoiden, Kopfschmerzen, Gefäßkrankheiten und zahlreichen weiteren gesundheitlichen Problemen eingesetzt worden. Auch im Kampf gegen den Alterungsprozess erlangte der Shiitakepilz bereits früh einen guten Ruf. Er ist ja aber auch wirklich reich an tollen Vitalstoffen: Provitamin D2, B-Vitaminen, Kalium, Zink und bestimmten Aminosäuren. Für die Forschung waren allerdings noch ganz andere Inhaltsstoffe von Bedeutung, die im Fruchtkörper als auch im sog. Myzel, dem unterirdischen Wurzelgeflecht vorhanden sind. So mobilisiert der Pilz u.a. die „Körperpolizei“ im Kampf gegen Bakterien wie z.B. Staphylokokken und gegen Viren wie Grippe- oder Herpesviren, sogar zur Unterstützung bei HIV-Erkrankungen besteht eine Möglichkeit. Interessant sind auch Hinweise, die darauf hindeuten, dass dieser Heilpilz eine positive Wirkung auf die „guten“ Darmbakterien hat und das dort ansässige Immunsystem unterstützt. Lentinan stärkt aber auch, wie eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien in Japan gezeigt haben, die Aktivität von diversen Immunzellen, wie den natürlichen Killerzellen. Dort wird es schon seit geraumer Zeit in der Vorsorge oder der begleitenden Behandlung von Krebspatienten (meist nach chirurgischer Tumorentfernung und Bestrahlung) eingesetzt. Die Lebensqualität und sogar die Überlebenszeit kann sich dadurch verbessern!

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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