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Apitherapie

Heilmittel aus dem Bienenstock

Ein sehr ansprechender Name, er kommt aber einfach daher, dass die Honigbiene auf lateinisch Apis mellifica heißt. Davon leitet sich der Begriff Apitherapie ab, der für den therapeutischen Einsatz von Bienenprodukten steht. Meine „treuen“ Leser wissen sicher, dass ich schon einige Male über Bienen, Honig und Honigprodukte geschrieben habe, aber dieses Thema ist einfach unerschöpflich…Neben Blütenpollen, Propolis und Gelee royale gibt es auch noch weniger bekannte Produkte wie Wachs und Bienengift. Was allerdings wirklich kurios anmutet, ist die Anwendung von Luft aus dem Bienenstock, die sogenannte Api-Air-Therapie. Also, ich muss gestehen, davon habe ich tatsächlich noch nie etwas gehört! Sie hat aber trotzdem eine profunde medizinische Grundlage und ist auf ihre Wirksamkeit untersucht und geprüft worden. So sind Chemiker der TU Dresden vor 2 Jahren der Sache auf den Grund gegangen und konnten über 50 Substanzen identifizieren, die die bislang nur aus Erfahrungsberichten bekannten Effekte der Api-Air-Therapie erklären. Diese Stoffe entstammen überwiegend aus Propolis und Wachs im Bienenstock, aber noch ätherische Öle und Flavonoide sind enthalten, der Honig selbst trägt interessanterweise kaum zum hohen gesundheitlichen Wert der Stockluft bei.

Wie funktioniert denn nun dieses System? Die ca. 35 Grad Celsius warme, sehr feuchte Luft des Bienenstockes, die die Bienen mit ihren Flügelschlägen umwälzen, wird inhaliert. Das Ganze läuft über eine spezielle Maske mit angeschlossenem Schlauch, wobei die Luft über einen Ventilator aus dem Stock transportiert wird. Dank eines eingebauten Filters können weder Bienen noch ganze Blütenpollen in den Schlauch gelangen. Diese zugegeben etwas eigentümliche Maßnahme soll unter anderem positiv auf die bronchialen Schleimhäute einwirken und so bei Asthma, Allergien wie Heuschnupfen, chronischem Schnupfen, Nebenhöhlenentzündungen oder Bronchitis helfen. Auch bei Migräne, erhöhter Infektanfälligkeit und Neurodermitis wird die Stockluft empfohlen. Sogar das Herz-Kreislauf-System soll positiv beeinflusst werden. Übrigens: die Bienen werden dadurch nicht gestört! Natürlich wird vor der ersten Inhalation eine Probe-Inhalation durchgeführt, um allergische Reaktionen auszuschließen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang selbstverständlich vorab eine ärztliche Abklärung, ob generell eine Allergie gegen Bienenprodukte vorliegt. Das Inhalationsgerät selbst verfügt dann noch zusätzlich über einen Regler, so dass die Intensität des Dampfgemisches aus dem Bienenstock individuell eingestellt werden kann. Bis jetzt gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten, die Api-Air-Therapie auszuprobieren, aber gerade im fränkischen Bereich gibt es nach meinen Recherchen Orte, die diese schon anbieten. Auch gibt es noch sehr kontroverse Meinungen zu diesem Thema, aber nichtsdestotrotz ist dies eine sehr interessante Therapieoption, die man weiter verfolgen sollte!

Die Anwendung von Bienengift, speziell in Form von auf die Haut aufgetragenen Salben, war früher deutlich mehr verbreitet, ist aber irgendwie ziemlich in der Versenkung verschwunden. Eigentlich ist das Gift ja ein Schutzmechanismus, denn damit wehrt die Biene selbstlos ihre Feinde ab. Nach dem Zustechen wird die im Fachjargon auch Apitoxin oder Bee-Vaxom genannte Substanz injiziert. War der Feind ein Mensch oder ein Säugetier mit elastischer Haut, bleibt der Stachel dank seiner feinen Widerhaken mitsamt dem Stechapparat in der Haut stecken und die Biene wird in Folge dieser Verletzung leider nach 1 bis 3 Tagen sterben. Verteidigt sich die Biene aber gegen andere Insekten, kann sie ihren Stachel mehrmals verwenden, denn in diesem Fall brechen die feinen Widerhaken beim Durchdringen des harten Chitinpanzers des Gegners ab und sie wird ihren Stachel behalten.

Seinen Ursprung findet das Bienengift in den Giftdrüsen des Stechapparats jeder Arbeitsbiene. Ab dem 3. Lebenstag beginnen diese Drüsen das Gift zu produzieren und bei 2-3-wöchigen Bienen ist dann die maximale Produktionsrate erreicht. Soll nun der wertvolle Wirkstoff Apitoxin gewonnen werden, funktioniert das vereinfacht folgendermaßen: die Bienen stechen hierbei auf einer speziellen Vorrichtung durch eine feine Folie/Tuch und sondern einen Teil ihres Giftes auf eine darunter befindliche Glasplatte ab. Auf diese Art und Weise wird es seitens des Menschen zu therapeutischen, medizinischen oder kosmetischen Zwecken „geerntet“, ohne dass die Bienen dabei selbst zu Schaden kommen!

Der „giftige Cocktail“ besteht aus mindestens 18 verschiedenen wirksamen Bestandteilen, von denen bis zum heutigen Tage noch nicht alle wissenschaftlich endgültig erforscht worden sind. Was man allerdings weiß, ist dass der größte Teil (80%) davon Eiweißstoffe sind. Ein wirklich aufwendiges Potpourri aus effektiven Substanzen, die nur in ihrer Gesamtheit ihre volle Wirkung zur Entfaltung bringen. Erst die perfekte Zusammensetzung aller Einzelbestandteile erhöht die therapeutische Bandbreite.

Natürlich gilt wie bei allen Giften aus der Natur niemals der Leitsatz: „Viel hilft viel!“, denn das wäre fatal. Erst eine perfekt gewählte, meist sehr geringe Dosierung, verwandelt das stärkste Gift in ein für uns Menschen nützliches Heilmittel mit allen Vorzügen für unsere Gesundheit.

Die sicherste Anwendungsmöglichkeit für Bienengift ist zweifellos das äußerliche Auftragen in Form von Salben, Cremes oder Gel, da hier die unangenehmen und ggf. gefährlichen sowie schmerzhaften Nebenwirkungen des „klassischen Bienenstichs“ bei der Injektion in die Haut, entfallen. Ein auf diese Art und Weise kutan angewandtes Bienengift kann aufgrund seiner feinstofflichen Beschaffenheit als effektiver Wirkstoff die Barriere unserer menschlichen Hautschichten gut durchdringen.

Dank seiner entzündungshemmenden Wirkung, insbesondere in der Tiefe des Gewebes einschließlich von Knochen und Gelenken kann Apitoxin nun unser Immunsystem selbst bei der Bekämpfung chronischer Prozesse unterstützen. Auch wenn die niedrige Dosierung in der Regel eine komplikationslose Anwendungsmöglichkeit darstellt, sollten Personen mit bekannter Allergie gegen Bienengift dennoch zuvor zur Sicherheit unbedingt ihren Arzt konsultieren! Übrigens sind diese reinen Salben oder Cremes weder kühlend noch wärmend auf der Haut und verursachen keine Rötungen, obwohl man das sicher annehmen würde. Erst Zusätze wie Chiliextrakt würden eine Hitzebildung mit sich bringen.

Woher kommt eigentlich der Name des Kuchens „Bienenstich“? Einer alten Geschichte von 1474 nach wollten die Bewohner der Stadt Linz die Menschen aus Andernach angreifen, nachdem diesen der Rheinzoll zugesprochen wurde, der zuvor den Linzern zufiel. Zwei Bäckerlehrlinge aus Andernach hörten das aufkommende Geschrei, als sie gerade Honig aus den Bienenstöcken nahe der Stadtmauer naschten. Als die beiden nun die Unruhestifter sahen, warfen sie die Bienenstöcke nach denselben. Die Bienen stachen heftig zu und die Linzer ergriffen schnell die Flucht. Um dieses Ereignis zu feiern, erfanden die Andernacher ein süßes Teilchen, das sie „Bienenstich“ nannten.

Bienenwachs kann man nicht nur für die Herstellung wohlriechender Kerzen verwenden, sondern auch als Wickel. Das reine Wachs wird in einen Baumwollstoff eingearbeitet und bringt als Auflage Hilfe bei Husten, Erkältungen und Halsschmerzen zur Schleimlösung und Reizlinderung, bei muskulären und spannungsbedingten Kopfschmerzen zur Lockerung der Muskulatur, bei Bauchschmerzen und Blähungen, bei Beschwerden des Ischiasnervs oder des Ileosakralgelenks als Auflage auf der betroffenen Lendenregion, als Alternative zum Leberwickel zur sanften Durchblutungssteigerung der Leber und bei Arthrose oder dem Karpaltunnelsyndrom im Handgelenk- und Fingerbereich. Die Auflage selbst gibt keine Wärme ab, sondern hilft, die körpereigene reflektierte Wärme zur Linderung der Beschwerden oder zur Entspannung zu nutzen. Diese Wärme wird bei richtiger Fixierung für die Dauer der Auflage erhalten. Die Wickel kann man übrigens 10-14 mal wiederverwenden.

Toll,was unsere Bienen so alles bieten.
Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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