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Christoph Sollors

Ein Füssener bei der Fußball-Europameisterschaft

Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die besten deutschen Fußballschiedsrichter vor, während und nach großen Spielen physiotherapeutisch perfekt betreut werden. Der Füssener Christoph Sollors ist als Physiotherapeut für den Deutschen Olympischen Sportbund tätig und als einer von insgesamt fünf Physiotherapeuten bundesweit für die DFB-Schiedsrichter-Elite zuständig, ob im Stadion oder im Trainingslager. Im Einsatz ist er zumeist bei den Heimspielen des FC Bayern München, genauso aber auch bei DFB-Pokalspielen und der Champions League. Die anstehende Europameisterschaft, bei der einzelne Partien nun auch in der Münchner Allianz Arena ausgetragen werden, ist für ihn jetzt nochmal eine Premiere.

Wird die Spielerbank des FC Bayern im Fernsehen während einer Übertragung eingeblendet, findet man Christoph Sollors meistens direkt neben den Spielern sitzen. Der 39-Jährige ist in Füssen aufgewachsen, ging dort zur Schule und war Mitglied in mehreren örtlichen Sportvereinen. Beim FC Füssen spielte er Fußball, bevor er zusammen mit Jahrgangskollege Michael Wolf beim EV Füssen Eishockey spielte. Zusammen mit seiner Frau Isabel betreibt er nun mit Medicsports seit vielen Jahren eine eigene Praxis in München Neuhausen. „Zum Profisport kam ich 2009“, erzählt Sollors. „Da haben wir damals angefangen, die Spieler der Spielvereinigung Unterhaching zu betreuen. Zwei Jahre später habe ich dann die Betreuung der Schiedsrichter übernommen, bevor ich 2015 leitender Therapeut des DFB in München wurde.“ Heute sind es Profi-Sportler aller Art, die sich von Sollors und seinem Team behandeln lassen. Vom Fußballer über Mitglieder der Golf-Nationalmannschaft bis hin zur Damen-Nationalmannschaft des Deutschen Fallschirmsportverbandes. Darunter finden sich dann auch einige durchaus bekanntere Namen wie der brasilianische Fußballstar Douglas Costa de Souza oder der deutsche Junioren-Nationalspieler Leon Dajaku, der derzeit für den 1. FC Union Berlin spielt. Aber auch Ringerin Anna Carmen Schell oder Spieler der Judo- und Baseballnationalmannschaft kommen in seine Praxis. Seine Arbeit beschreibt der Füssener insgesamt als unglaublich interessant und vielseitig. Immerhin ist er für manche Patienten nicht nur ein Sportphysiotherapeut, sondern in gewisser Weise – und gerade in Zeiten von Corona – manchmal auch eine Art Psychologe. „Manche Spieler haben wenig Kontakte und sind froh, wenn sie mit jemandem vertrauensvoll reden können. Natürlich sprechen wir dann auch über Dinge, die für sie belastend sind.“

Die Arbeit mit den jeweils 4-köpfigen Schiedsrichterteams beginnt in der Regel schon einen Tag vor einem angesetzten Spiel. In einem ersten Check wird festgestellt, ob oder wo eventuell Überbelastungen oder Blockaden zu finden sind, Rücken-, Knie- oder Gelenkprobleme vorliegen und Muskeln behandelt werden müssen. „Diese gilt es dann natürlich bis zum Spiel zu lösen oder zu beheben“, sagt Sollors. „Zu meiner Arbeit zählt aber auch die Rundum-Betreuung der Schiedsrichter am Spieltag selbst sowie am Tag danach.“ So kann der Therapeut auch jedes Spiel des FC Bayern hautnah und direkt vom Spielfeldrand aus live mitverfolgen. Ein Kontakt mit Top-Stars und bekannten Namen, ob Müller oder Rummenigge, bleibt dabei nicht aus. Man kennt sich. Auch dass man dann selbst mitfiebert, lässt sich kaum vermeiden. „Obwohl das für mich manchmal ein bisschen schmerzhaft sein kann“, lacht er, „zumal ich bekennender Haching-Fan bin“. Für die Europameisterschaft wurde Christoph Sollors nun direkt von der UEFA nominiert. Mit drei Vorrundenspielen der deutschen Mannschaft und einem Viertelfinale stehen für ihn vorerst insgesamt vier Termine an.

Text: Lars Peter Schwarz · Foto: privat

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