Menschen

Blickwinkel

Wie ich die “Corona-Zeit“ erlebe

Ich bin grundsätzlich ein positiver, ruhiger und zufriedener Mensch – aber ein Jahr Corona war für mich ein Wechselbad der Gefühle: die ständigen negativen Berichterstattungen in allen Medien machten mir Angst vor dem Unbekannten, nicht Greifbaren. Dann, im ersten Lockdown, ergriff mich eine gewisse Lethargie, die mich durch die Tage treiben ließ. Ich stellte fest, dass ein Lockdown wegen einer Pandemie sich keineswegs wie freie Urlaubstage anfühlte: es war eine Zeit ohne zeitliche Begrenzung, die Existenzsorgen und Hilflosigkeit mit sich brachte.

Erst als ich meinen Tagen etwas mehr Struktur durch Projekte im Haus, Naturbeobachtungen oder Schreiben geben konnte, ging es mir besser. Zuversicht machte sich in mir bemerkbar, dass auf der ganzen Welt daran gearbeitet wurde, um dieses Virus in den Griff zu bekommen. Freudig überrascht hat mich die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Menschen und die Wertschätzung von vielen Berufen, die vor der Pandemie kaum oder zu wenig Beachtung fanden. Wütend haben mich die vielen Masken am Straßenrand gemacht. Wahrscheinlich sind sie einfach aus der Tasche gefallen ?! (Man sollte die Bekleidungsindustrie verklagen 🙂 ) Überhaupt sprach plötzlich kaum noch jemand über Umweltschutz. Glücklich waren wir und die Kunden, im Mai wieder arbeiten zu dürfen. Nach dem Lockdown hatten wir viel Arbeit, zum Glück. Allerdings ließen Einmalumhänge, Einmalhandschuhe, etc. die Mülleimer überquellen. Noch nie zuvor hatten wir den Satz „Ich bin froh, Sie zu sehen!“ so oft gehört. Verständnisvoll war ich im Sommer, als Scharen von Urlaubern und Tagesgästen das Allgäu überfluteten. Viele haben nicht das Glück, ein Heim mit Garten zu besitzen und sind sehr froh, rauszukommen, um eine schöne Natur genießen zu können. Als im Herbst die Zahlen wieder stiegen, machte es mich sehr traurig. Auch die Berichte im Bekannten- und Familienkreis von schweren Krankheitsverläufen durch Corona machten mich sehr betroffen.

Kurz vor dem zweiten Lockdown, der dann schon absehbar war, erfasste mich eine energiegeladene Unruhe, um so viele Kunden wie möglich noch zu bedienen. Es sollten für über zehn Wochen die letzten Haarschnitte sein. Kaum wurde bekannt, wann wir wieder öffnen durften, stand das Telefon nicht mehr still – Euphorie erfasste uns! Im Betrieb taten wir unser Bestes, jeder Kundin / jedem Kunden einen Termin anzubieten. Auf Grund der Hygieneverordnung und des großen Bedarfs konnten wir trotz längerer Öffnungszeiten nicht jede Anfrage nach einem Termin kurzfristig erfüllen. Es erfüllte mich mit großem Stolz, in einem Team zu arbeiten, welches immer eine Einheit bildete und sein Bestes gegeben hat für Kunden und Betrieb. Dankbar bin ich meinem Mann und meiner Familie, die immer eine Stütze waren in diesen bewegten Zeiten. Hoffnungsvoll und optimistisch bin ich, dass wir gewiss bald wieder ein großes Stück Normalität zurückgewinnen werden.

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Ein Jahr Corona – die Krise als Chance

Der 14. März 2020 wird mir immer in Erinnerung bleiben, denn an diesem Tag ist mir bewußt geworden, dass Corona angekommen ist.
Es war ein Samstag und es sollte mein Abflug mit meinen Freundinnen zum alljährlichen Kurzurlaub stattfinden.
Aber anstatt an den Flughafen zu fahren, habe ich morgens meinen Koffer wieder ausgepackt und habe entschieden, zu Hause zu bleiben. Die Situation war mir einfach zu unsicher, ich wollte meine Familie und auch mein Team nicht alleine lassen. Das Leben und unser Alltag war von heute auf morgen ein völlig anderes !

#wirbleibenzuhause #lockdown – auch unsere Branche war davon betroffen und wir mussten unser Büro schließen. Am Anfang war es aber auch irgendwie ein euphorisches Gefühl, denn plötzlich spürte man wieder ein gemeinsames Ziel und einen starken Zusammenhalt, diese Krise zu meistern. Natürlich war da aber auch die Angst vor der Ungewissheit, wie es weitergeht und die Angst vor Ansteckung.

Der größte Feind der Angst ist die Bewegung und so haben wir in der Agentur uns entschieden, nicht zu resignieren, sondern zu überlegen, die Abläufe so zu gestalten, dass wir weiterarbeiten können. Die Versicherungsvermittlung ist ein Face-to-Face-Geschäft, aber muss das denn unbedingt am Schreibtisch oder beim Kunden stattfinden? Wir sind in Bewegung gekommen und haben unsere Beratung auf Online-Beratung umgestellt. Das war schon eine Herausforderung, aber wir wollten unbedingt weitermachen. Die Möglichkeit, den Kunden einfach über eine Kamera zu sehen und zu beraten, war eine echte Chance, die Gespräche fast persönlich zu führen. Viele Abläufe waren auch über Mail oder Messenger-Dienste gut zu handeln und das machte uns Mut, diese Situation zu überstehen.
Auch stellten wir fest, dass die Menschen die Zeit nutzten, ihre Unterlagen und Absicherungen zu überprüfen und Beratungstermine vereinbarten. Wir sind sehr dankbar für unsere treuen und tollen Kunden !Mittlerweile ist über ein Jahr vergangen. Ein Jahr, das geprägt war von Abstand, Masken, Lockdown, Homeschooling, Zahlen, Rückzug und Ungewissheit. Ende noch offen – und es macht mich einfach traurig zu sehen, wie viele Existenzen bedroht sind. Findet sich in all dem Negativen noch etwas Positives ?

Ich denke ja.Die Natur hat es uns gedankt, der Himmel wurde wieder blau, die Farben kräftiger und die Luft war herrlich. Entschleunigung – es wurde uns auch Zeit geschenkt. Zeit, näher hinzusehen, manches zu hinterfragen, den Blickwinkel zu ändern und Ziele neu auszurichten und sich Zeit für wichtige Menschen zu nehmen. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit, denn wir sind gesund geblieben, mein zweites Enkelkind wurde gesund geboren und ich konnte mir Zeit für meine Familie nehmen.

Mein größter Dank gilt meinem Mann, denn er war mir in dieser Zeit eine große Unterstützung, hat mich aufgebaut, wenn ich ins Zweifeln kam und hat mich immer ermutigt, weiter positiv zu bleiben. „Mit Hoffnung und Zuversicht lassen sich die Stürme des Lebens überstehen“ – wir sollen fest daran glauben.

Die Möglichkeiten effektiv nutzen

Chancen nutzen und neue Konzepte entwickeln, das war unser Motto oder besser gesagt unsere Aufgabe, die wir uns für dieses Jahr vorgenommen haben. Wir haben aus dem letzten Jahr vieles gelernt, vor allem erst einmal ruhig zu bleiben und einen klaren Kopf zu bewahren. Uns ist allen bewusst geworden, dass wir mehr als ein gutes Team sind. Wir sind eine Familie, die gemeinsam die stressigsten Situationen ohne Wenn und Aber super gemeistert haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Trotz der angespannten Corona-Situation haben wir den Sommer über 60.000 Fahrgäste gehabt. Wenn wir vor 20 Jahren diese Zahlen gehabt hätten, dann wären wir mit dieser Zahl mehr als glücklich gewesen.

Mit 60.000 Fahrgästen haben wir zu Beginn der Saison ehrlich gesagt nicht damit gerechnet. Nichtsdestotrotz mussten wir finanziell „bluten“ wie viele andere Unternehmen auch. 2018 war ein desaströses Jahr. Null Einnahmen. 2019 hatten wir 100.000 Fahrgäste gehabt. Das war unser Spitzenjahr.
Dieses Jahr profitieren wir aus unseren Erfahrungen, aus den Gesprächen mit den Gästen und aus unserem Anspruch, immer nur das Beste geben zu wollen. Trotz der Umstellungen, die bedingt durch die Corona-Pandemie, von uns und den Gästen abverlangt wurden, haben die Gäste alles gut angenommen und uns die Arbeit mit ihrer Akzeptanz erleichtert. Irgendjemand sagte, dass 2020 das Geburtsjahr der Digitalisierung ist. Wenn das so ist, dann sind wir dieses Jahr dabei.

Letztes Jahr hatten wir keine Haltestellen in unseren Rundfahrten. Dieses Jahr haben wir bei der kleinen Runde die Haltestelle in Brunnen und bei der großen Rundfahrt das Stauwerk in Rosshaupten eingeplant. Die werden wir allerdings erst dann anfahren, wenn vorher eine Registrierung eingegangen ist, das ein Gast dort ein- oder aussteigen will. Wir mussten letztes Jahr Gäste auf den nächsten Tag vertrösten, weil wir nur drei Fahrten für die große Rundfahrt anbieten konnten. Ob sie dann wirklich am nächsten Tag gekommen sind, wissen wir nicht. Deswegen ist uns die vierte Fahrt für dieses Jahr mit der MS-Füssen besonders wichtig, weil wir, genauso wie 2020, mit einem hohen Gäste-Andrang rechnen. Es hilft uns auch, das Ganze ein wenig zu entzerren.

Vieles haben wir für dieses Jahr optimiert. Einfacher und leichter sollte es für die Gäste werden. Keine langen Wartezeiten, sie sollen unsere Schiffahrten genießen. So haben wir uns viele Gedanken gemacht, wie wir die Zahl der Sitzplätze maximieren und gleichzeitig die vorgegebenen Hygienemaßnahmen effizienter einsetzen können, wie zum Beispiel mit Trennscheiben.

Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Ideen in den nächsten Wochen noch gut umsetzen werden, wie zum Beispiel die Auslastung der Sitzplätze. Die Gäste können sich dann mit einem QR-Code registrieren und ihre Plätze buchen. Die Registrierung findet wie auch letztes Jahr in der Blockhütte statt, die auf dem Parkplatz steht. Lediglich der Standort wird näher zur Anlegestelle verlegt.

Wir haben noch so viele Ideen, die wir peu á peu umsetzen wollen und werden. Unser großes Anliegen ist die Gestaltung des Bootshafenareals. So wie es aussieht, werden wir es in naher Zukunft realisieren können. Doch das ist nur eines der vielen Projekte, die wir angehen oder bereits angegangen sind.

Ich kann nur von mir persönlich sprechen, dass Corona die Sicht auf vieles verändert hat. Was kann man wirklich realisieren und was davon ist wichtig? Welche Bedürfnisse haben meine Mitarbeiter und ich? Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Welche Prioritäten müssen gesetzt werden? Wie können wir uns gegenseitig ergänzen? Uns ist auch allen klar geworden, dass Dienstleister, der wir auch sind, nur dann gut arbeiten können, wenn wir zufrieden sind. Denn genau diese Zufriedenheit wird auf den Gast übertragen und das bekommen wir zu spüren. Ein schöneres Danke gibt es nicht.

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