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Warum wir glauben

Bald ist Ostern, ein großes Fest für die Familie und das höchste Fest der Christen. Am Ostersonntag feiern Christen die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Den Erzählungen der Bibel zufolge entdeckten Frauen, die den Leichnam des gekreuzigten Sohn Gottes salben wollten, das leere Grab und bald darauf begegneten die Jünger dem Auferstandenen.

So steht Ostern für den Sieg des Lebens über den Tod. Am Ostersonntag endet auch die Fastenzeit. Vielen Menschen gibt dieser Glaube eine Hoffnung. Doch was bedeutet Glaube? Ist er noch zeitgemäß? Laut Wikipedia stammt das Wort Glaube aus dem Indogermanischen. Übersetzt heisst es „begehren“, „lieb haben“ oder auch auf etwas zu vertrauen. Jedes Jahr treten vermehrt Menschen aus der Kirche aus. Für sie ist Glaube nicht gleich Kirche. Andere wiederum kehren der Kirche den Rücken zu, weil das Vertrauen durch die Missbrauchsskandale gebrochen ist. „Da gibt es null Toleranz“, sagen sie. Ihren Glauben geben sie aber nicht auf. Weil für sie auch Glauben gleichzeitig Hoffnung ist. Atheisten stützen sich auf Epikur, den antiken Philosophen. Dieser sagte: „Der Tod geht mich eigentlich nichts an. Denn wenn er ist, bin ich nicht mehr und solange ich bin, ist er nicht.“ Epikur meinte, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist und es keine Hinweise darauf gibt, dass es ein Weiterleben nach dem Tod gibt. Im Angesicht dieser Tatsache, steht im Mittelpunkt das eigene Glück und die optimale Gestaltung des eigenen Lebens. Füssen aktuell hat sich auf die Suche gemacht und Menschen befragt, was für sie der Glaube bedeutet. Alexander Berndt und Leonie Ziegeltrum haben ihre eigene Meinung darüber.


Alexander Berndt, 61 Jahre, Journalist

Was bedeutet für Dich Glaube?
Religiöser Glaube bedeutet für mich so eine Art Hoffnung. Und zwar Hoffnung darauf, dass es jemanden, irgendetwas, Gott eben, gibt, die, das, der ganz egoistisch ausgedrückt, darauf schaut, dass es mir gutgeht. Dazu muss ich allerdings erklären, dass es mir grundsätzlich am besten geht, wenn es auch anderen Menschen und auch Tieren nach deren persönlichen Wünschen und Sehnsüchten gut geht. Sowohl für mich als auch auf andere bezogen, beinhaltet mein Credo deshalb grundsätzlich auch den Gedanken, dass es mir möglichst nicht auf Kosten anderer gut geht.

Das ist nicht immer zu verhindern, wenn man zum Beispiel Spiele betrachtet, bei denen es ja oft darum geht, dass einer gewinnt und ein anderer verliert. Ähnlich ist es sicherlich manchmal im Geschäftsleben, wo jemand einen Vorteil aus dem Nachteil für einen anderen zieht. Sehr simpel ausgedrückt, bedeutet Glaube für mich die Hoffnung auf eine heile Welt gemäß dem Sprichwort: Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg´ auch keinem anderen zu! Ich habe aber auch schon manchmal an meinem Glauben gezweifelt, ob es dieses Gott wirklich geben kann angesichts der unzähligen Katastrophen, Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten, die vielen Menschen und Tieren seit Menschengedenken widerfahren. Glaube bedeutet allerdings nicht nur die Hoffnung auf ein mir gefälliges irdisches Dasein, sondern auch auf eine möglichst schöne Zukunft danach. Insofern glaube und hoffe ich, dass es auf jeden Fall Kreaturen, die kein so gutes irdisches Leben gehabt haben, wie sie es gerne gehabt hätten, danach möglichst gut geht.

Ich glaube auch, dass es Menschen, die sich während ihrer irdischen Existenz schwerer Verfehlungen, Verbrechen etc. gegenüber anderen Kreaturen schuldig gemacht haben, spätestens nach ihrem Leben nicht gut geht. Ich bin denn auch gottesfürchtig, ich habe also Furcht davor, dass mich Gott spätestens nach meinem Leben für meine Verfehlungen sanktioniert. Glaube bedeutet für mich deshalb auch, dass ich mich an diese Leitsätze zu halten versuche und beispielsweise anderen Kreaturen weder materiell noch ideell schaden möchte. Die Beurteilung dessen, wann jemand einem anderen schadet, umfasst jedoch immer eine bestimmte Toleranzmarge für mich. Glaube bedeutet für mich damit auch, bestimmte Wertvorstellungen und Regeln im gegenseitigen Umgang mit anderen Kreaturen zu beachten.

Was bringt Dir der Glaube?
Der Glaube gibt mir, mal mehr und mal weniger starke Hoffnung in Bezug auf vorher Erwähntes. Mir bringt der Glaube manchmal etwas Kraft und Trost.

Ist Glauben heutzutage noch für Dich zeitgemäß?
Ja. Ich denke, dass ganz viele Menschen an irgendetwas oder irgendjemand glauben, vielleicht ja an sich selbst. Wobei meiner Meinung nach jeder einzelne Mensch ein Teil von einem großen Ganzen ist, das kein Mensch erschaffen hat, sondern etwas, das ich als Gott bezeichne.

Kannst Du es verstehen, wenn manche aus der Kirche austreten?
Ja, kann ich. Glaube hat denn auch nicht unbedingt etwas mit Kirche für mich zu tun. So bedeutet Kirche meines Wissens nach so etwas wie religiöse Gemeinschaft. Ich finde es schön, wenn ich in einer Gemeinschaft lebe, die überwiegend nach den vorher von mir erwähnten grundsätzlichen Wertvorstellungen lebt. Wenn jemand sich mit dieser Gemeinschaft und/oder diesen Wertvorstellungen nicht mehr identifizieren kann, weil zum Beispiel jemand aus dieser Gemeinschaft etwas gemacht hat oder macht, was demjenigen, der sich nicht mehr mit dieser Gemeinschaft identifizieren kann, sehr missfällt, ist es verständlich, dass er, sie, es weniger mit dieser Gemeinschaft zu tun haben möchte.

Bedeutet Kirche auch gleichzeitig Glaube oder hat der Glaube mit der Kirche nichts zu tun?
Glaube hat zwar, wie oben gesagt, nicht grundsätzlich etwas mit Kirche für mich zu tun, doch fühle ich mich persönlich einfach wohler in einer Gemeinschaft, als wenn ich ganz allein leben müsste.

Kannst Du es verstehen, wenn jemand keinen Glauben hat?
Ja. Man muss zumindest nicht an diesen Gott glauben.


Leonie Ziegltrum, 15 Jahre, Schülerin, Traumberuf Schauspielerin.

Was bedeutet für dich Glaube?
Er lässt Menschen hoffen und sie an ein „besseres Leben“ glauben, wodurch er das Denken der Menschen im positiven, aber auch negativen Sinne verändert.
Er ist die Quelle der Freude und des Friedens mit Gott und bereichert das Leben der Menschen.

Was bringt dir der Glaube?
Mir bringt der Glaube, dass wir in egal welcher Situation nicht auf uns allein gestellt sind. Wenn jegliche Hoffnung verloren ist, können wir an etwas festhalten. Außerdem ist die Identität ein wichtiger Bestandteil, da viele Leute durch ihn ihr wahres „Ich“ finden.

Ist Glaube heutzutage noch für junge Menschen zeitgemäß?
Glaube ist immer zeitgemäß, er muss sich nur wandeln dürfen. Viele Jugendliche können heutzutage mit riesigen Kirchengebäuden und Regeln, die für sie keine konkreten Anhaltspunkte haben, nicht mehr viel anfangen. Außerdem verliert man schnell den Bezug zu Dingen wie zum Beispiel der Bibel, weil sie teilweise nicht mehr auf das moderne Leben angepasst ist.

Kannst du es verstehen, wenn manche aus der Kirche austreten?
Ja, das kann ich. Zum einen steht die katholische Kirche zurzeit in Bezug auf Kindermissbrauch, Homophobie, Sexualitätsunterschiede oder, wenn man weiter zurück geht, den Kreuzzügen nicht gut da. Zum anderen gibt es die Kirchensteuer, für die manche Menschen nicht bereit sind, sie zu zahlen. Ein weiterer Punkt ist, dass viele Menschen nicht mehr an die Prinzipien einer Kirche glauben.

Bedeutet Kirche auch gleichzeitig Glaube oder hat der Glaube mit der Kirche nichts zu tun?
Prinzipiell hat der Glaube schon etwas mit der Kirche zu tun, da die Kirche ein Ort ist, an dem Gleichgesinnte sich Gott sehr nahe fühlen und bei dem Gläubige ihren Glauben mit anderen Leuten teilen können, jedoch muss man nicht in die Kirche gehen, um zu beten oder seinen Glauben auszuüben.

Kannst du es verstehen, wenn jemand keinen Glauben hat?
Die Vergangenheit ist bei jedem Menschen anders und genau deshalb kann ich nachvollziehen, wenn jemand mit einer schweren Vergangenheit und schlechten Familienverhältnissen jeglichen Glauben verloren hat. Hinzu kommt, dass der Glaube etwas sehr persönliches ist und jeder frei entscheiden sollte, ob er an etwas glaubt oder nicht.

Die Interviews führte Sabina Riegger
Fotos: rie, privat

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