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Über den Glauben und den Sinn

Ramadan - der Fastenmonat der Muslime

Am 13. April beginnt der Fastenmonat Ramadan. Es ist der neunte Monat im islamischen Kalender und dauert 29 oder 30 Tage. Bis zum 12. Mai heißt es bei den Muslimen, nichts essen und trinken zwischen der Morgendämmerung und dem Sonnenuntergang. Auch Zigaretten und Kaugummis sind tabu.Die Fastenden gehen auch im Ramadan ganz normal zur Schule oder zur Arbeit. Dort warten ab und zu kleine Probleme: Zum Beispiel darf ein Koch nicht abschmeckenDas ist nicht immer leicht. Auch Schimpfen und Streiten gehören nicht in den Ramadan genauso wenig wie Lästern.

Es heißt, dass man die Fastenzeit bewusster erlebt unter anderem auch, wie sich arme Menschen fühlen, wenn sie nichts zum Essen haben und der Magen knurrt. Für viele ist das Fastenbrechen am Abend eine regelrechte Schlemmerei und das Zusammentreffen von Freunden und Familie. „Dieses Jahr wird das schwierig, weil sich alle an die Corona-Regeln halten sollten“, so Fadime Kahraman aus Füssen. Sie gehört zu jenen Menschen, die aus Krankheitsgründen nicht fasten können. „Früher, als ich noch ein junges Mädchen war, haben wir das in unserer Familie praktiziert. Es gehört irgendwie dazu“, so die zweifache Mutter. Doch Fasten und Glauben hängen für sie nicht zusammen. „Fasten ist eine Sache für sich. Es heißt ja, dass man sich besinnen und Empathie für seine Mitmenschen aufbringen soll. Etwas zur Ruhe kommen und das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. In der Hektik von heute geht das ganz schnell verloren. Nur ist das Fasten, was wir heute zelebrieren, nicht wirklich das Fasten wie es gemeint ist“, erklärt die Füssnerin. Sie weiß, dass sie vielleicht mit ihrer Meinung anecken wird. „Ich kann mich noch an frühere Erzählungen von meinen Großeltern erinnern, die aus ihrer Zeit erzählten. Da fiel das Fastenessen am Abend mager aus. Eine Suppe und ein Stück Brot wurden aufgetischt.“ Fadime Kahraman hat bestimmte Vorstellungen, was Glauben bedeutet. „Im Grunde genommen sind es unsere Wertvorstellungen, die jeder vernünftige Mensch haben sollte. Man soll nicht Böses über andere erzählen, Nächstenliebe praktizieren, seine Eltern ehren, niemandem wehtun, geschweige denn töten, … Das sind unter anderem meine Prinzipien, die ich Tag täglich lebe. Ich glaube auch fest daran, dass gesunder Glaube einen auch stark machen kann.“ Ihren Kindern hat sie das mit auf den Weg gegeben. „Sie sind tolle Menschen geworden. Dann denke ich mal, dass ich nichts Falsches gemacht habe.“ Von ihren Eltern hat sie auch vieles mitbekommen wie zum Beispiel Offenheit. „Ich finde das ganz wichtig, weil man die Möglichkeit erhält, zu hinterfragen. Angst und Ausgrenzung führen zum Ausbruch. Das muss nicht sein. Ich bin Ihnen dankbar dafür, dass sie mich so weltoffen erzogen haben“, so Fadime Kahraman.

Über Glaubensfragen redet sie mit ihren Freundinnen, die kunterbunt aus verschiedenen Ländern stammen. Sie erklärt ihnen ihren Glauben und ihre Kultur und andersrum bekommt sie mit, wie es in der Heimat ihrer Freundinnen an Ostern zugeht und welche Bräuche für sie wichtig sind. „Es gibt manche, die Tradition mit Religion und Glaube verwechseln. Manchmal geht das ineinander über, es verschwimmt. Dabei ist es vielleicht nur eine Tradition“, erzählt sie. Menschen einen Glauben aufdrängen hält sie schlichtweg für unmoralisch. „In der heutigen Zeit sollte es möglich sein, friedlich nebeneinander zu leben ohne jemanden seinen Glauben aufzudrängen. Dieses Ich-bin-das-was-ich-bin, das sollte man seinen Mitmenschen gegenüber tolerieren. Dann wäre wohl vieles einfacher.“

Text · Foto: Sabina Riegger

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