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Fibromyalgie

Wenn Muskeln und Glieder dauerhaft schmerzen

Fibromyalgie bedeutet wörtlich übersetzt „Faser-Muskel-Schmerz“. Die Patienten leiden aber nicht nur an Schmerzen in einem bestimmten Muskel, sondern auch an Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, an starker Erschöpfung, Schlafstörungen und Überempfindlichkeit gegen Reize wie helles Licht oder laute Geräusche.

Woher kommt das?
Nach aktuellem Stand der Forschung kommen bei der Fibromyalgie mehrere auslösende Faktoren zusammen. Die Anlage dazu wird vermutlich vererbt, denn die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf. Angenommen wird, dass die Schmerzverarbeitung Erkrankter gestört ist – sie reagieren empfindlicher auf Schmerzreize als gesunde Menschen.

Als äußere Auslöser kommen auch entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie die Bechterew’sche Krankheit, Vitamin-D-Mangel oder eine gestörte Hormonbalance infrage. Ein ungesunder Lebensstil (Bewegungsmangel und Übergewicht, Rauchen), aber auch Stress am Arbeitsplatz oder in der Familie können den Krankheitsausbruch ebenfalls begünstigen.

Was sind die Symptome?
Hauptbeschwerden sind chronische, länger als drei Monate anhaltende Schmerzen in mehreren Körperregionen sowie Gelenk- und Muskelschmerzen, die nicht selten links und rechts zugleich auftreten und von Region zu Region wandern. Hinzu kommen Rückenschmerzen, Morgensteifigkeit und ein Nachtschlaf, aus dem man „zerschlagen“ – ohne Erholung – aufwacht. Auf die belastenden Symptome folgen häufig Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Lustlosigkeit und bei gut drei Viertel der Erkrankten aufgrund der belastenden Symptome Anzeichen einer Depression.

Wie häufig ist die Krankheit?
Etwa 2 % der Erwachsenen in Deutschland sind von der Krankheit betroffen. Meist tritt sie im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf; Frauen erkranken häufiger als Männer.

Wie kann man Fibromyalgie behandeln?
Bislang ist die Krankheit nicht heilbar, daher besteht hier aktuell noch ein hoher Forschungsbedarf für die Pharmaunternehmen. Immerhin kann die Lebensqualität der Erkrankten mit einer Vielzahl von Maßnahmen verbessert werden. Die Fibromyalgie erfordert immer eine Behandlung, die an mehreren Stellen ansetzt und Körper wie Psyche gleichermaßen betrachtet. Vor Beginn der Therapie muss der Arzt den Patienten ausführlich über die Erkrankung und ihre Therapiemöglichkeiten aufklären. Das beinhaltet auch den Umgang mit der Krankheit, den Schmerz und den Blick auf mögliche Zukunftsperspektiven. Grundsätzlich werden ein leichtes Ausdauertraining (z.B. Schwimmen, Walking) und Entspannungstechniken (Meditation, Yoga, Qi-Gong etc.) empfohlen. Bei schweren Formen der Fibromyalgie kann der Arzt auch Medikamente verschreiben, insbesondere Arzneimittel gegen Depressionen und krampflösende Mittel. Begleitend kommen Psychotherapien und sogenannte kognitiv-verhaltenstherapeutische Schmerztherapien zum Einsatz: Sie stärken die Psyche der Betroffenen und helfen, dass Patienten den Krankheitssymptomen aktiv und eigenverantwortlich begegnen können.

Diagnose
Es dauert oft mehrere Jahre, bis eine Fibromyalgie festgestellt wird. Zum einen beginnen die Schmerzen schleichend oder auch nur an einer Körperstelle, sodass häufig zunächst an eine andere Erkrankung gedacht wird. Zum anderen zögern viele Ärztinnen und Ärzte mit der Diagnose, weil sie nicht durch Laborwerte oder Röntgenbilder bestätigt werden kann. Dies kann zu Fehldiagnosen und mangelndem Verständnis führen. Häufig fühlen sich Betroffene nicht ernst genommen oder haben das Gefühl, die Ärztin oder der Arzt glaubt, ihre Beschwerden seien nur eingebildet. Oft wird Fibromyalgie erst in einer rheumatologischen oder schmerzmedizinischen Praxis festgestellt.

Um festzustellen, ob jemand an Fibromyalgie erkrankt ist, sind ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch und eine körperliche Untersuchung erforderlich. Der sogenannte Fibromyalgie-Symptom-Fragebogen kann dabei helfen, die Beschwerden zu erfassen. Es könnte sich um Fibromyalgie handeln, wenn in den drei Monaten vor der Untersuchung mindestens 7 von 19 festgelegten Körperbereichen geschmerzt haben. Dazu gehören die Brust und der Bauch, der Rücken sowie Kiefer, Schultern, Ober- und Unterarme, Hüften, Ober- und Unterschenkel – jeweils auf beiden Körperseiten.

Text: pm · Foto: envato

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