BrauchtumLeben

Der Fasching ist eine ernste Angelegenheit

Keine Faschingsfeiern mit ausgelassenen Partygästen, keine farbenprächtigen Kostümbälle, kein verrücktes Faschingstreiben in Kneipen und Rathäusern oder Umzüge mit ideenreich geschmückten Wägen und lautstarken Musikkapellen und Fußgruppen, die durch die Straßen ziehen und auch keine unterhaltsamen Gunglhosabende. Auf das alles muss in diesem Jahr, aufgrund der immer noch anhaltenden Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus, verzichtet werden. Das wäre aber nur die eine Seite. Die nicht stattfindenden Veranstaltungen und Events bedeuten für viele Vereine in der Region letztendlich auch finanzielle Einbußen, verbunden mit gehörigen Einschränkungen für das gerade erst angefangene Jahr 2021. Denn die Einnahmen, die an den Veranstaltungen durch die ehrenamtlichen Tätigkeiten erwirtschaftet werden, investieren die Vereine gewöhnlich in die Nachwuchsarbeit oder wichtige und nötige Anschaffungen. Füssen aktuell sprach mit einigen der Faschingsvereine und ihren Vertretern, was der Ausfall für sie bedeutet.

Schwangau
Stephanie Kiefer

„Zum dritten Mal fallen der Faschingsumzug und die Gunglhosabende aus. Der Golfkrieg, die Maul-und Klauenseuche und jetzt Corona. Wir planen nichts Digitales oder Sonstiges aufzuführen. Aber Corona heißt ja nicht, dass man sich nicht verkleiden darf und vielleicht kommt der ein oder andere zu Hause doch noch auf eine Faschingsidee. Die Schwangauer sind da immer sehr kreativ und spontan. Da wir bereits schon im Juli beschlossen haben, alles zu stoppen und nichts zu machen, sind wir damals auf sehr viel Unverständnis gestoßen. Da war Schwangau schon wieder voller Urlauber, jeder dachte, jetzt geht es wieder aufwärts und dann kam von uns so eine Entscheidung. Im Nachhinein sind dann alle schlauer und sagen jetzt zu uns, gut gemacht, eine weise Entscheidung.

Wir wären ja nicht freiwillig in der Familie Gunglhos, wenn es uns trotz all den Vorbereitungen, Stress, Mühen und Aufregung auch noch jede Menge Spaß machen würde. Dieser enge Kontakt über Wochen zusammen mit Personen, die man oft das ganze Jahr nicht sieht, ist schon etwas Besonderes. Vor den Gunglhosproben ziehen die Darsteller sozusagen mit ihren Zahnbürsten in das Brauhaus und dann lebt man da richtig und genießt diese intensive Zeit zusammen. Hat jeder alles, wo ist die Strumpfhose, wer hat die Wimperntasche vom Männerballett und wer hätte Zeit, mich zu schminken.

Wir vermissen alle unseren Fasching sehr, steht doch der Fasching für die Zeit, in der man mal 5e gerade sein lässt, die Alltagssorgen vergisst und einfach mal in eine andere Rolle schlüpfen kann.
Eigentlich genau das, was wir jetzt in dieser schwierigen Zeit brauchen könnten“, so Stephanie Kiefer.

Rieden am Forggensee
Harald Sorgenfrei

„Uns stinkt das natürlich gewaltig, aber die Gesundheit geht vor“, sagt Harald Sorgenfrei, Vorsitzender der Faschingsfreunde Rieden, die ihren traditionellen Umzug am Faschingssamstag bereits Anfang November abgesagt haben. „Wir haben das Event seit der Gründung unseres Vereins 2017 immer mehr ausgebaut, unter anderem mit dem Faschings-Kleidermarkt und anderen kleinen Veränderungen, um die Veranstaltung noch schöner zu gestalten. In diese Aufbruchstimmung hat sich nun ein kleiner Keil getrieben. Wir hoffen aber, dass es nach Corona wieder mit vollem Elan weiter geht, vielleicht mit noch mehr Freude.“ Rund 50 Mitglieder gehören dem Verein an, zudem beteiligen sich alle ortsansässigen Vereine vor allem mit der Bewirtung rund um den Umzug.

Halblech & Buching
Irmengard Burkart

„Es fehlt das Gemeinsame“, sagt auch Irmengard Burkart, Leiterin der Gästeinformation in der Gemeinde Halblech, die den Umzug veranstaltet und organisiert. „Das gemeinsame Ideen sammeln und umsetzen, das Wagenbauen und gemeinsame Feiern.“ In diesem Jahr trifft es den Ortsteil Buching, wo der Faschingsumzug in diesem Jahr turnusgemäß stattgefunden hätte.“ Erst vor wenigen Jahren hatte die Gemeinde den Umzug vom Faschingsdienstag auf den Rußigen Freitag verlegt, was bei Beteiligten und Zuschauern großen Anklang fand.

Marktgemeinde Reutte
Stefan Ruepp

„Finanzielle Einbußen oder Schäden haben wir nicht, wenn nichts stattfindet, haben wir auch keine großartigen Ausgaben“, sagt Stefan Ruepp, Obmann der Faschingsgilde Reutte. „Aber das ganze Gesellschafts- und Vereinsleben ist eben nahezu komplett eingeschlafen.“ Dabei stellt der Faschingsumzug, neben dem Krampusumzug, dem Reuttener Marktfest oder den Ehrenberger Ritterspielen, immerhin eine der größten Veranstaltungen der Marktgemeinde dar. So blickt man auch in Reutte auf 2022. „Allerdings können wir auch ohne Corona nicht sagen, in welcher Weise der Unsinnige Donnerstag dann stattfindet“, so Ruepp. „Der Hauptaustragungsort des Geschehens, der Untermarkt, wird derzeit saniert. Wir müssen die Zeit nutzen und vielleicht auch über neue Ideen nachdenken.“

Hopferau
Karl Hitzelberger

„Wir hatten mit den ersten Trainingseinheiten der Garde schon begonnen, mit Beginn der Verschärfungen mussten wir das dann aber auch wieder abbrechen“, so Anna Sophie Eberle, Leiterin der Prinzengarde Hopferau. „Der große Umzug, der immer am Faschingsdienstag stattfindet, wurde dann im Dezember abgesagt. Die Einnahmen der Auftritte, die in erster Linie für Kostüme und Ausstattung verwendet werden, fehlen uns natürlich jetzt.“ Genau so ergehe es auch dem Sport- oder Schützenverein, bestätigt Karl Hitzelberger, Vorsitzender des Hopferauer Brauchtumsvereins, in dem die örtlichen Vereine vereint sind. „Sicher hätte der Sport- oder auch der Schützenverein das Geld für sein neues Vereinsheim gut gebrauchen können.“ Im Hinblick auf die kommende Saison, in der wieder ein Nachtumzug in Hopferau stattfinden soll, hält man aber auch bereits jetzt die Augen nach einem potentiellen und vor allem fähigen Prinzenpaar offen, unabhängig davon, wie der Fasching dann überhaupt aussehen wird. So hofft man in allen Faschingshochburgen der Region auf eine umso dollere und ausgefallenere Faschingszeit, die am 11.11. beginnen wird.

INFO
Die Corona-Krise macht auch vor dem Fasching nicht halt, dem Millionengeschäft mit Hüten, Luftschlangen, Kostümen, jeder Menge Alkohol und Krapfen. Er ist schon längst ein Wirtschaftsfaktor geworden, ein Milliardengeschäft. Lustigsein ist eine ernste Angelegenheit, die viele Arbeitsplätze kosten kann. Allein in Köln betrug 2019 der Umsatz 600 Millionen Euro. Gastronomie und Hotellerie sowie die Textilwirtschaft und nicht zu vergessen die Brauereien profitieren an erster Stelle, dicht gefolgt von Veranstaltern. Branchen, die teilweise schon jetzt durch die Coronakrise arg gebeutelt sind. Fasching, Fastnacht, Karneval oder wie auch immer es in den verschiedenen Teilen Deutschlands heißen mag, muss pausieren. Wer möchte, kann zuhause feiern, aber bitte nach den vorgegebenen Regeln. für eingefleischte Karnevalisten gibt es jetzt zumindest ein wenig Ablenkung und Schunkelstimmung für zu Hause: „Jeckstream“ heißt die Idee, die ein wenig Sitzungs-Karneval fürs Wohnzimmer möglich macht. Hier können Sie sich eine bunte Sitzung individuell zusammenstellen, Präsident (Moderator) und Kapelle inklusive. Alle Infos unter www.jeckstream.de .

Text: lps/rie · Hubert Riegger

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