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Natürliche Hilfe für starke Abwehrkräfte – Teil II

Nach wie vor ist gerade jetzt ein gut funktionierendes Immunsystem ein wesentlicher Part, um uns vor Krankheiten zu bewahren. Einen Teil der Möglichkeiten, es zu stärken, habe ich Ihnen ja schon beim letzten Mal vorgestellt, aber gerade auch die Pflanzenheilkunde bietet uns ebenfalls viele Alternativen, um die Abwehr zu unterstützen und uns besser vor Viren und Bakterien zu schützen.

Zistrose (Cistus incanus)
Die sogenannte „graubehaarte Zistrose“ ist ein uraltes Heilmittel aus der Pflanzenwelt. Die Götter der Antike sollen sich schon bereits damals darüber gestritten haben, ob ihre Schönheit oder die Heilwirkung wichtiger ist – sie einigten sich darauf, dass wohl beides gleichwertig sei. Für uns steht die heilkundliche Anwendung natürlich momentan im Fokus. Die Zistrose hat eine erstaunlich lange Tradition: im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde bereits mit ihrem Harz, genannt Labdanum behandelt, z.B. zur Zahnpflege, für desinfizierende Pflaster oder aufgelöst als Waschungen oder Sitzbäder, und, sehr interessant, sogar gegen die Pest. Außergewöhnlich war auch die Gewinnung: Ziegen wurden durch die Büsche getrieben und anschließend das im Fell hängen gebliebene Harz ausgebürstet. Aber auch der Kräutertee wurde schon sehr lange im nahen Osten, dem nörlichen Afrika und im Mittelmeerraum oft und gerne zu sich genommen. Bis in das späte Mittelalter wurde das Wissen über Cistus incanus noch überliefert, danach wurde das Kraut so gut wie ganz vergessen, bis es 1999 zur „Pflanze des Jahres“ gekürt wurde und auf einmal wieder europaweit Schlagzeilen in den Medien machte!

Die Zistrose zählt zu den Polypenol-haltigsten essbaren Pflanzen Europas. Polyphenole zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und werden manchmal auch als „Phytamine“ bezeichnet und haben ein sehr hohes antioxidatives, also zellschützendes Potential. Als Beispiel: Cistus-Tee schützt das Herz 4 Mal so gut wie Rotwein und hat eine 20-fach oxidativere Kraft als frisch gepresster Zitronensaft! Außerdem kann ein intensiver Sud den Körper hervorragend von Schwermetallen und Giften reinigen.
Was aber in unserer aktuellen Lage wirklich super interessant ist, ist die Wirkung eines speziellen Extraktes namens Cystus 052 gegen Viren aller Art. Hier läuft die Forschung schon seit 2007. Gerade in der Frühphase viraler Erkrankungen ist dieser Extrakt besonders wichtig, da er die Vermehrung der Viren im Körper blockiert: sie werden durch eine nichtpharmakologische Wechselwirkung mit den Extraktbestandteilen am Eindringen in die Zellen gehindert. Was bedeutet denn nun „nichtpharmakologisch“? Die antivirale Wirkung beruht hier auf einer mechanischen Hemmung der Bindungsfähigkeit der Erreger an ihre Wirtszellen, man könnte es in etwa so formulieren – Cistus hängt gewissermaßen ein „Betreten verboten“ – Schild an die Zellen und versperrt den Viren den Weg nach innen, indem es u.a. eben das Andocken an die Zelloberflächen vermindert. Sie können nun nicht mehr so leicht eindringen und die Vermehrung der Viren wird somit zum Großteil gestoppt. Ein geniales Prinzip, oder? Sogar Resistenzbildungen sind nicht bekannt! Bekannt ist Cystus 052 in Form von Lutschpastillen zur Vorbeugung und Bekämpfung u.a. von Erkältungsviren. Man kann sie gut mitnehmen und gerade in Situationen, bei denen Sie eventuell mit mehreren Personen in Kontakt kommen könnten, nicht nur bei Bedarf anwenden und im Mund zergehen lassen.

Ein sehr ähnliches Ziel verfolgt ein Nasenspray, der aus einem Inhaltsstoff von Rotalgen, einem Polymer, namens lota-Carrageen oder Carragelose gewonnen wird. Bekannt ist ja, dass einer der häufigsten Eintrittswege von sog. respiratorischen Viren die Nase ist. Sind sie dort erst einmal angelangt, können sie sich an der Schleimhaut festsetzen und diese infizieren. Nun kommt es zur Vermehrung und Verbreitung derselben. Die typischen Symptome können sich schnell entwickeln. Wenn dann dazu kommt, dass die Nasenschleimhaut durch geringe Luftfeuchtigkeit oder Luftverschmutzung ausgetrocknet ist, so kann sie ihre Filterfunktion nur sehr schlecht erfüllen und der negative Effekt wird noch verstärkt. Hier greift jetzt die Carragelose gleich doppelt ein: Erstens wird eine schützende Barriere gegen die Viren gebildet. Sie werden unspezifisch eingehüllt und somit das Anheften an die Schleimhaut verhindert – die Vermehrung und Ausbreitung wird reduziert. Zweitens wird ein feuchtigkeitsspendender Schutzfilm gebildet, der als physikalische Kraft gegen äußere Einflüsse wirkt. Hier wird nochmals die natürliche Abwehr unterstützt. Dreimal täglich einen Sprühstoß in jedes Nasenloch wäre optimal, selbstverständlich sollte jedes Familienmitglied seinen eigenen Spray haben! Übrigens: in-vitro Studien konnten diese Ergebnisse bereits bestätigen.

Eine weitere „Angriffsfläche“ ist natürlich unser Rachenraum. Ein ganz wichtiges Utensil ist ja darum im Moment eben der Mund-Nasen-Schutz. Hier hatten sogar schon die Heiligen Drei Könige sozusagen den richtigen Riecher, denn sie brachten außer Gold und Weihrauch auch die Myrrhe (Harz von comniphora momol und anderen Comniphora-Arten) mit. Neben der Wirkung als Räucherung, die sehr gut desinfizierend wirkt, ist eine alkoholische Lösung dieses Harzes antimikrobiell und zum Teil antiviral. Viele von Ihnen kennen sicher die altbewährte Myrrhentinktur als entzündungshemmende Mundspülung, zum Bepinseln oder Gurgeln bei Zahnfleischproblemen oder Druckstellen von Prothesen etc. Texte aus dem Mittelalter beschreiben hier schon ganz früh sehr interessante Wirkungen:
„Myrrha einer Bohnen groß verschlungen / hilft wider den langwierigen Husten / schweren Athem / …“ oder „Wer heiser ist / der neme zu nachts ein stückle Myrrha unter die Zungen / daß es selber zerschmelze / … / und er bekompt darvon eine helle Stimme.“
Die Heilige Hildegard von Bingen hat notiert: „Wenn über einen Menschen große Fieber hereinbrechen, dann gebe man ihm Myrrhe in warmem Wein zu trinken, und sie weichen.“ Zur vorbeugenden Stärkung, aber genauso auch zur Behandlung einer angegriffenen Mundschleimhaut gibt es einen sehr effektiven Spray, der außer Myrrhentinktur pflanzliche Extrakte aus der Tormentill- und Ratanhiawurzel sowie ätherische Öle enthält und der sowohl reizmildernd als auch reduzierend auf verschiedene Erreger wirkt. Entweder direkt in den Rachenraum sprühen oder, wenn einem das so zu scharf ist, einige Sprühstöße in ein Glas Wasser geben und damit gurgeln und das am besten mehrmals täglich.

Auch sehr gut zur Stärkung der Abwehr mit gleichzeitigen antiviralen Eigenschaften ist der Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea)
Für die immunstimulierenden Effekte der Echinacea werden vor allen sog. Alkylamide und Polysaccharide verantwortlich gemacht. Diese aktivieren die Killerzellen oder zytotoxische Zellen unseres Abwehrsystems, die wiederum Viren attackieren und eliminieren. Alkylamide sollen auch entzündungshemmende Stärken bieten. Diese sind besonders gut einsetzbar gegen Viren, die eine Membran besitzen. Hierzu zählen u.a. respiratorische oder Influenza-Viren. Die Inhaltsstoffe können verhindern, dass das Virus in die Zellen eindringt. Auch bei wiederholter Anwendung entwickeln sich keine Resistenzen!

Wichtig ist allerdings: Bitte nicht anwenden beim Vorhandensein von Autoimmunerkrankungen!

Eine gesunde und besinnliche Vorweihnachtszeit wünscht Ihnen

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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