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Wenn Traurigkeit krank macht

Depressionen - eine Volkskrankeit

Depressive Störungen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Schätzungen zufolge leiden weltweit inzwischen circa 350 Millionen Menschen unter einer Depression. Depressionen oder affektive Störungen sind laut Weltgesundheitsorganisation weltweit die zweithäufigste Volkskrankheit.

Früherkennung erhöht Heilungschancen

Stimmungsschwankungen gehören zu den allgemeinen Erscheinungen menschlichen Erlebens. Auch Trauer als schmerzliche Reaktion auf einen Schicksalsschlag ist eine natürliche Reaktionsweise. Depressionen lassen sich jedoch in der Regel zuverlässig von normalen Stimmungsschwankungen abgrenzen. Wird eine depressive Erkrankung frühzeitig erkannt, ist sie in den meisten Fällen gut behandelbar. Zur Therapie der depressiven Störungen gibt es psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungsformen sowie andere unterstützende Maßnahmen. Die Krankheit kann praktisch jeden treffen – niemand ist davor immun. Sogar Kleinkinder und Babys können betroffen sein. Auch weiß man, dass bei Männern eine Depression oft anders aussieht als bei Frauen und Jugendlichen. Depressionen sind einem zeit- und gesellschaftsbedingten Wandel unterworfen, was Häufigkeit, Beschwerdebild, Ursache und Verlauf angeht. Glücklicherweise haben sich auch die therapeutischen Möglichkeiten verbessert, von Psychotherapie, über soziotherapeutische Hilfen und Korrekturen bis hin zu nicht-medikamentösen Behandlungsmaßnahmen. Zur Mitte des letzten Jahrhunderts setzte man bei der Behandlung von Depressionen vor allem auf Psychopharmaka, insbesondere die stimmungsaufhellenden Antidepressiva.

Diagnose und erste Ansprechpartner

Die erste ärztliche Anlaufstelle für Betroffene ist in der Regel der behandelnde Haus- oder Allgemeinarzt. Man vermutet, dass jeder vierte bis zehnte Patient, der seinen Hausarzt aufsucht, an einer Schwermut unterschiedlichen Schweregrades leidet. Das besondere Problem der meisten Depressionen aber ist der Umstand, dass sie sich gar nicht wie eine Depression äußern müssen, zumindest nicht so, wie man sich das in der Allgemeinheit vorstellt. Und der Arzt kann natürlich bei einem Leiden ohne organische Krankheitszeichen nur dann eine seelische Störung diagnostizieren, wenn ihm der Patient in seinem Verhalten die entsprechenden Symptome bietet oder direkt und offen über seine Probleme spricht. Dies geschieht leider so selten, dass die Hälfte der depressiv Erkrankten nicht als solche erkannt werden. Wenn man dann noch bedenkt, dass Viele erst gar nicht ihren Arzt aufsuchen, obwohl sie sich elend und leistungsschwach fühlen oder andere Leiden aufweisen, dann kann man sich vorstellen, dass die überwiegende Zahl depressiv Erkrankter nicht einmal weiß, was sie hat. Dabei gehört die Depression zu den seelischen Krankheitsbildern, die heute am erfolgreichsten behandelt werden kann.

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

An dieser Stelle ist auch das Umfeld der Betroffenen gefragt. Bei Erwachsenen ist die Chance vergleichsweise hoch, dass diese selbst mit ihrem Leiden den Arzt aufsuchen. Bei Kindern und Jugendlichen sind vor allem Familie und Freundeskreis gefragt, um ein vorliegendes Leiden zu erkennen und entsprechend zu handeln. Depressionen bei Minderjährigen gelten als besonders besorgniserregend. Es wird unterschieden zwischen Depressionen im Kleinkind-Alter, beim Vorschul-Kind, im Schulkind-Alter sowie bei Jugendlichen und Heranwachsenden. Jede Altersstufe hat einen besonderen Schwerpunkt in Hinblick auf die Beschwerden. Und dieser hat in der Mehrzahl mit den klassischen Depressions-Symptomen, wie man sie von Erwachsenen kennt, nicht viel zu tun. Je jünger die Betroffenen sind, desto mehr unterscheiden sich ihre Krankheitszeichen einer Depression von der klassischen Symptomatik im Erwachsenenalter. Die Häufigkeit depressiver Störungen schwankt bei den Grundschul-Kindern zwischen 1,9 und 3,4 Prozent, bei Jugendlichen zwischen 3,2 und 8,9 Prozent. Ab dem 13. Lebensjahr treten Depressionen eindeutig häufiger auf.

Bei Kindern im Schulkind-Alter wird das Krankheitsbild dem von Erwachsenen immer ähnlicher. Das Kind kann nun aber auch endlich über seine belastende Befindlichkeit berichten, wozu es vorher noch nicht in der Lage war. Auch hier ist grundloses Weinen auffällig, dazu eine schwer beschreibbare Traurigkeit, insbesondere aber Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit. Das Desinteresse an allem und jedem wächst. Merk- und Konzentrationsstörungen führen schließlich zu schulischen Leistungseinbrüchen. Schlaf- und Ess-Störungen ohne körperlichen Befund zählen zu den körperlichen Auffälligkeiten.

Die Depressionen Jugendlicher ähneln schließlich denen von Erwachsenen am meisten. Man redet hier von Verlangsamung von Denken und Handeln und damit einhergehend geistige Einschränkungen und Leistungsprobleme. Dazu Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit, Desinteresse, Teilnahmslosigkeit, Rückzug, mangelndes Selbstbewusstsein bis hin zu Lebensmüdigkeit. Auch nach innen gerichtete Wut mit Suizidgedanken kann auftreten. Körperlich auffällig sind Schlaf- und Ess-Störungen, aber auch das sogenannte Morgentief, also „Morgengrauen“ mit Angst vor dem kommenden Tag, Berg auf der Brust und Hoffnungslosigkeit. Auch wird meist eine durchgehende Unfähigkeit zur Entspannung und damit Erholung beobachtet. Reizbarkeit, sozialer Rückzug, Alkohol- und Drogenmissbrauch können ebenso auftreten.

Arten der Depression

Bei Erwachsenen wird zwischen akuten, chronisch rezidivierenden und chronischen Depressionen unterschieden. Aktuell wird über das Krankheitsbild der männlichen Depression vermehrt geforscht. Bei Männern zeigt sich eine Depression oft mehr durch gereiztes und aggressives Verhalten, so dass hier eine Erkrankung leicht übersehen wird. Das kann fatale Folgen haben, da Männer oft zu harten und dann auch „erfolgreichen“ Suiziden neigen. Nach Angaben der Bundesregierung leiden über 3,1 Mio. Bundesbürger im Alter von 18 bis 65 Jahren an einer Depression. Im Schnitt leiden 10 Prozent der Erwachsenen ein- oder mehrmals in ihrem Leben an einer schweren depressiven Episode. Zu den verschiedenen Arten der Erkrankung zählt beispielsweise die sogenannte unipolare Depression mit stark lähmender Niedergeschlagenheit. Als Bipolare Erkrankung bezeichnet man die manisch-depressive Störung, bei der es auch Phasen der übermäßig guten Stimmung gibt. Unterscheiden kann man noch die depressive Einzelepisode, eine sich wiederholende depressive Störung, Dysthymie, die organische depressive Störung, das Somatische Syndrom oder die Atypische Depression.

Erste Anlaufstellen:

  • Behandelnder Hausarzt, bzw. Kinderarzt
  • BKH Kaufbeuren
  • Psychosomatische Klinik Buching
  • Fachklinik Enzensberg, Hopfen am See

Text: Sven Ademi

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