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Heilpflanzen für Männer

(und die Frauen, die sie lieben)

Das männliche Geschlecht soll natürlich nicht zu kurz kommen, nachdem ich ja schon einmal einen Bericht extra für Frauen geschrieben habe! Jeder hat ja so seine speziellen Probleme… Etwas, das ab einem gewissen Alter leider häufiger vorkommt, ist die gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostata-Hyperplasie).

Sie setzt etwa ab dem 40. Lebensjahr ein. Mit 50 Jahren sind fast 50% und mit 60-70 Jahren sogar 75% betroffen. Eigentlich tritt sie bei fast jedem Mann auf, nur mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Mit dem Wachstum der Prostata kommt es zu einer verengten Harnröhre. Als Folge wird der Urinstrahl schwächer und es bleibt Urin in der Blase zurück. Die typischen Symptome sind: Häufiger Harndrang, nächtliches Erwachen mit Harndrang, mühsamer Beginn beim Wasserlassen, abgeschwächter Harnstrahl – verlängertes Urinieren (Miktion), Restharngefühl in der Blase, Nachträufeln trotz vermeintlich entleerter Blase, Schmerzen und Brennen beim Urinieren.

Warum sich die Prostata vergrößert, ist immer noch nicht exakt nachgewiesen. Es wird vermutet, dass durch eine hormonelle Umstellung das männliche Geschlechtshormon Testosteron die Prostatazellen zu übermäßigem Wachstum anregt und so die gutartige Vergrößerung mit den verbundenen Symptomen auslöst. Neuere Erkenntnisse zeigen zudem, dass Entzündungsprozesse in der Prostata sowie Wachstumsfaktoren einen Einfluss haben. Im Endstadium kann es zu einem äußerst schmerzhaften, plötzlichen Harnverhalt kommen. Deshalb: der regelmäßige Besuch beim Urologen ist ab einem gewissen Alter sehr sinnvoll!

Sehr bewährt zur Behandlung bei milder und moderater Prostata-Hyperplasie sind Präparate aus den Früchten der Sägepalme (Serenoa repens oder Sabal serrulata). Bereits die Indianer Nordamerikas setzten sie als Heilmittel gegen verschiedene Erkrankungen ein. Beheimatet ist diese kleine niedrigstämmige Zwergpalme in den küstennahen US-amerikanischen Südstaaten mit Hauptvorkommen in Florida – dort war sie sogar so bedeutend, dass sie in ihrem Staatswappen abgebildet ist. Vor über 1000 Jahren waren die Früchte bereits als universelles stärkendes Tonikum bekannt und wurden in der Therapie von Libidoverlust und Impotenz verwendet. In Deutschland fanden sie erst in den 1980-er Jahren offiziell Beachtung als pflanzliches Arzneimittel, und die Wirkung bei Blasenentleerungsstörungen infolge einer gutartigen Prostatavergrößerung wurde bestätigt.

Die getrockneten, einsamigen, schwarzen Steinfrüchte sind reich an freien Fettsäuren, Fettalkoholen und zahlreichen Phytosterolen. Weitere Komponenten sind Flavonoide, wasserlösliche Polysaccaride, Carotinoide und ätherische Öle. Als pflanzliche Therapeutika werden vor allem hochdosierte lipophile Extrakte verwendet, die reich an Sitosterolen und freien Fettsäuren sind. Die Wirksamkeit beruht auf einer verminderten Bildung männlicher Geschlechtshormone, die eine Rolle bei der Vergrößerung der Prostata spielen. Genauer gesagt hemmen sie ein bestimmtes Enzym, die sog. 5-alpha-Reduktase, das die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) verstärkt. Erhöhte DHT-Spiegel gelten nämlich als Hauptursache für eine vergrößerte Prostata. Daneben sind aber auch krampflösende und entzündungshemmende Wirkungen dieser Extrakte bekannt. Die damit zusammenhängenden positiven Effekte liegen damit klar auf der Hand: entzündliche Reizungen werden verhindert, der Druck auf die Harnwege wird reduziert, die Schmerzen beim Wasserlassen lassen nach, die Blasenentleerung wird verbessert, der Harnstrahl wird stärker, der Restharn wird weniger und vor allem nimmt das nächtliche „Raus-Müssen“ deutlich ab.

Der große Vorteil zu chemisch- synthetischen „Finasteriden“, die ebenfalls als 5-alpha-Reduktase-Hemmer wirken, ist der, dass kein Libidoverlust oder Erektionsstörungen auftreten. Aber natürlich ist hier auch immer eine ärztliche Abklärung nötig, um den Beschwerdegrad festzustellen.

Gerne werden Extrakte aus den Sägepalmenfrüchten kombiniert mit Zubereitungen aus der Brennnesselwurzel und den Kürbiskernen.

Brennnessel (Urtica dioica)
Der Extrakt aus der Wurzel wird in Europa umfangreich zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass die Symptome der Stadien I und II gut vermindert werden. Die Auszüge aus den Wurzeln können das Wasserlassen erleichtern, den Harnfluss steigern, helfen, die Blase vollständig zu entleeren und so den Restharn zu verringern,wirken entzündungshemmend und die Abwehrkräfte beeinflussend. Für diesen Effekt sind vermutlich die enthaltenen Phytohormone wie beta-Sitosterol verantwortlich. Leider hat die Brennnessel keinen Einfluss auf die Größe der Prostata. Eine Kombi mit der Sägepalme ist natürlich auf jeden Fall sehr sinnvoll, aber auch ein Tee aus der Wurzel ist möglich: 1-2 EL voll mit einer Tasse kaltem Wasser übergießen und aufkochen lassen. Nach 1 Minute kochen noch 10 Minuten stehen lassen und nach dem Absieben trinken. Den Tee sollte man bis zu 10-mal täglich zu sich nehmen. Diese Option kann auch Prostataerkrankungen vorbeugen.

Ebenfalls einsetzbar sind Konzentrate aus den Kürbiskernen (Curcubita pepo)
Der Kürbis stammt ursprünglich aus Amerika, doch schon wenige Jahrzehnte nach Kolumbus war er in ganz Süd- und Mitteleuropa verbreitet. Seine Samen wurden bereits im Kräuterbuch des Hieronymus Bock von 1577 als Mittel gegen Nieren- und Blasenleiden, schmerzendes Wasserlassen und Harnträufeln besprochen. Kürbissamen sind zur Stärkung der Blasenfunktion sowie zur Behandlung der Reizblase – hier können wir Frauen ebenfalls profitieren – und Störungen bei der Blasenentleerung empfohlen. Für das Kürbissamenöl und die daraus isolierten Phytosterole wurden auch entzündungshemmende und auf das Prostatagewebe einwirkende Effekte nachgewiesen. Neben den spezifischen Phytosterolen können auch unspezifische Inhaltsstoffe wie ungesättigte Fettsäuren, bestimmte Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente an der therapeutischen Wirkung der Kürbiskerne beteiligt sein. Sehr gut ist auch besonders die Wirkung auf die Verminderung der Restharnbildung. Studien zufolge gehen aber auch das häufige und schmerzhafte Wasserlassen deutlich zurück. Auch bei Langzeittests über 1 Jahr mit 2 x täglich 500 mg Extrakt wurde eine signifikante Besserung festgestellt, das heißt also, einer länger andauernden Einnahme steht nichts entgegen. Sehr gut ist auch hier wieder ein Kombinationspräparat mit der Sägepalme.

Nochmal zurück zur Sägepalme: Extrakte hieraus auf die Kopfhaut aufgetragen, können androgenetisch bedingten Haarausfall stoppen oder ihn zumindest verlangsamen!!! Das funktioniert genauso wie schon oben beschrieben über die Verminderung von DHT.

Was sonst noch gut gut tut: Wärme freut die Prostata, also zu leichte Kleidung oder eine nasse Badehose sind nicht gerade ideal. Das gilt auch für zu kalte Getränke – früher gab es doch immer die schönen „Bierwärmer“. Eine gesunde Ernährung mit wenig Fleisch und viel Gemüse sowie ausreichende Bewegung unterstützen zusätzlich das Wohlbefinden. Auch das Schild „Bitte hinsetzen“ auf der Toilette ist keine Schikane von uns Frauen! Es ist nämlich sehr hilfreich, beim Wasserlassen zu sitzen statt zu stehen, denn diese Haltung fördert die Entspannung und die möglichst vollständige Blasenentleerung!

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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