Kolumne

Am Ende vielleicht

Das Richtige zu sagen, ist manchmal schwierig. Oft haben wir unterschiedliche Ansichten, andere Prioritäten und auch Wertvorstellungen. Manchmal reden Menschen aneinander vorbei. Manchmal bestimmt ganz unbewusst und manchmal vielleicht nicht.

Manchmal fehlt Zwischenmenschlichkeit zwischen den Zeilen, das, was tausend Worte nicht ausdrücken oder benennen könnten.

Dazu fällt mir ein Wort ein, über das ich neulich gelesen habe. Es kommt aus dem Nordwesten Afrikas, dem Bantu-Gebiet, und heißt: „Ilunga“. Ein kleines Wort mit großer Bedeutung. Das besondere an Bantu ist die Vielfalt der Wörter und Begriffe, die für Empathie und Zwischenmenschliches stehen. So ist es auch mit Ilunga. Hier geht es um etwas Zwischenmenschliches, um Verletzlichkeit und gleichzeitig um Selbstachtung. Um Großzügigkeit und Härte. Es geht um Verzeihen und Empathie, aber auch um persönliche Grenzen.

Es gibt gutmütige und weniger versöhnliche Menschen. Ilunga ist genau die Mitte.
Die Mitte eines Menschen, der Fehltritte verzeiht. Einmal. Auch ein zweites Mal. Aber kein drittes Mal mehr.

Genau das bedeutet Ilunga.

Aber wo fängt Gutmütigkeit an und wo hört sie auf? Und wie hält man die Balance zwischen Gutmütigkeit anderen gegenüber und sich selbst? Ich denke darüber nach, wie das geht.

Vielleicht müssen wir uns manchmal zuerst selbst um Verzeihung bitten, um anderen verzeihen zu können. Und vielleicht ist genau das das Schwierige. Weil es manchmal nicht bei zwei Entschuldigungen bleibt.

Ja, vielleicht ist das der Knackpunkt, wieso Menschen manchmal aneinander vorbeireden: Die Sache mit der Selbstreflexion.

Es ist nicht einfach, sich selbst um Verzeihung zu bitten. Nicht immer. Und noch schwieriger wird es, andere um Entschuldigung zu bitten. Aber womöglich setzt genau das Gutmütigkeit voraus? Oder ist es genau umgekehrt?

Was, wenn Gutmütigkeit heißt, anderen immer wieder zu verzeihen, um dadurch still seine Selbstachtung positiv zu bestärken, weil man mit sich selbst noch nicht im Reinen ist? Oder ist Gutmütigkeit Empathie? Ist Ilunga die Notbremse? Bei meinem Versuch Ilunga zu verstehen, hat das eine womöglich gar nichts mit dem anderen zu tun…

Oder doch? So oder so: Ilunga klingt einfach. Ist es aber nicht. Und für jemanden, der mit knapp 350 Wörtern versucht Ilunga zu verstehen, kennt die Bantusprachfamilie bestimmt auch einen Begriff.

Also, vielleicht. Aber bestimmt schon.

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