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Zukunft: Telemedizin

Digitale medizinische Versorgung im ambulanten und stationären Bereich

Der Bereich der Telemedizin , eine Kombination von Telekommunikation und Medizin, gilt als Zukunft der Gesundheitsversorgung. Telemedizin bezeichnet die Diagnostik und Behandlung unter Überbrückung einer räumlichen oder auch zeitlichen Distanz zwischen Arzt und Patienten, beziehungsweise zwischen zwei sich konsultierenden Ärzten mittels Telekommunikation.

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und der Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren setzen im Rahmen des „Herzinfarkt-Netzwerks Königswinkel – Außerfern“ auf Telemedizin bei der Versorgung von Herz-Notfallpatienten. Durch den Ausbau des Krankenhauses Füssen, in dessen Rahmen eigens ein Herzkatheter angeschafft wurde, profitiert auch die Füssener Klinik von der Kooperation zwischen BRK und dem Klinikverbund.
Das Elektrokardiogramm (EKG) ist das wichtigste Untersuchungsverfahren beim Verdacht auf einen Herzinfarkt. Hier zeigen sich die typischen Veränderungen, die auch auf die Größe und den Ort des Infarkts hinweisen. Aus dem EKG kann der behandelnde Arzt ablesen, wie sich die elektrische Erregung im Herzmuskel ausbreitet und zum Beispiel auch, ob der Herzschlag regelmäßig ist oder Unregelmäßigkeiten aufweist. So lassen sich im EKG Herzrhythmusstörungen erkennen. Diese sind mit 95 Prozent der Fälle die häufigsten Komplikationen eines frischen Infarkts. Da nicht jeder Infarkt Symptome verursacht, ist das EKG für die Diagnose besonders wichtig.

Die Rettungswagen des Füssener BRK sind mit mobilen EKG-Geräten der US-Firma „Physio-Control“ ausgestattet. Mit Hilfe dieser Geräte kann der behandelnde Notarzt bei einem unklaren EKG die Daten per Telemetrie an einen Kardiologen im Krankenhaus Füssen übermitteln. Die Daten werden an die Intensivstation übermittelt, die dann wiederum diese Daten an den diensthabenden Kardiologen weiterleitet. Sollte der Arzt Bereitschaft haben, kann er jederzeit mittels Infarkthandy über einen Notfall informiert werden. Der Kardiologe kann anhand der Daten entscheiden, ob der Patient an Rhythmusstörungen oder einem Herzinfarkt leidet. Bei Rhythmusstörungen reicht es oft, wenn der Patient in ein anliegendes Krankenhaus ohne Kardiologie gebracht wird. Ist dagegen tatsächlich ein Herzinfarkt aufgetreten, kann der betroffene Patient direkt zu einem besser ausgestatteten Herzversorgungszentrum mit Herzkatheter transportiert werden, anstatt erst über Umwege zu den Spezialisten zu gelangen. „Dieses System bietet dem Notarzt vor Ort die Sicherheit, nicht falsch zu handeln, da die Daten direkt von einem Spezialisten überprüft werden können. Das ist gut für den Patienten, da er schneller zum geeigneten Krankenhaus transportiert wird“, so Dr. Martin Hinterseer. „Das ist bei uns besonders wichtig, da wir durch die grenzüberschreitende Kooperation mit dem Außerfern auch Patienten aus Reutte aufnehmen. Hier hilft das System bei der Entscheidung des Notarztes, ob der Patient nun nach Füssen transportiert oder erst in Reutte untersucht werden soll, wirklich Leben zu retten.“

NEVAS

Neben dem mobilen EKG ist die Klinik Füssen auch Bestandteil von NEVAS – einem Neurovaskulären Versorgungsnetzwerk, das flächendeckend die telemedizinische Beratung der regionalen Versorgungskliniken durch die Neurovaskulären Zentrumskliniken München-Großhadern, Günzburg und Ingolstadt ermöglicht. Mit Hilfe internetbasierter Daten- wie Telekommunikation wird somit eine bestmögliche Akutversorgung neurovaskulärer Patienten garantiert. Damit können Schlaganfallspezialisten der neurovaskulären Zentren per Internet als Berater der in den Kooperationskliniken vor Ort behandelnden Ärzte auftreten. Eine dieser Kooperationskliniken ist der Klinikstandort Füssen. „Eigentlich wäre unsere Klinik für ein derartiges Vorhaben viel zu klein gewesen“, erklärt Dr. med. Martin Hinterseer, Ärztlicher Direktor der Klinik Füssen und Chefarzt der Inneren Abteilung. „Bei uns war ausschlaggebend, dass wir auf Grund der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit dem Außerfern das führende Herzzentrum in der Region stellen.“ Die Projektleitung von NEVAS ist an der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität am Campus Großhadern angesiedelt. Von dort aus wird das gesamte Netzwerk koordiniert“.

Neben Füssen sind auch das Klinikum Kempten, Klinikum Memmingen und das Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren in NEVAS aufgenommen worden. Alle drei genannten Kliniken erhalten telemedizinische Beratung durch die Zentrumsklinik Günzburg. NEVAS gliedert sich in drei Stufen, wobei die Neurovaskulären Zentren wie Günzburg auf der ersten Stufe stehen. Dann folgen auf Stufe 2 die so genannten Stroke Units, das sind Kliniken mit einer zertifizierten Schlaganfall-Spezialabteilung. Das Klinikum Füssen steht auf der dritten Stufe ohne neurologische Fachabteilung oder eigene Stroke Unit und ist damit eine der Einrichtungen, die NEVAS überhaupt erst erforderlich machte und die am meisten von diesem Projekt profitieren. Zum Projekt gehört, dass Krankenwägen und Krankenhausräumlichkeiten mit dem notwendigen Equipment ausgestattet werden, über das die behandelnden Füssener Ärzte Kontakt zu den Spezialisten in Günzburg aufnehmen können, um sich über die weiteren Maßnahmen am Patienten zu beraten.

Welche Symptome treten bei Schlaganfall auf?

Ein Schlaganfall äußert sich durch akut auftretende neurologische Ausfälle. Zu nennen sind insbesondere folgende Ausfallerscheinungen:

· Schwäche/Taubheitsgefühl/Parästhesie einer gesamten Körperhälfte oder auch „nur“ des Armes oder Beines. Die Ausprägung kann hierbei von einer leichten Störung der Feinmotorik bis zu einer kompletten Lähmung reichen
· einseitig hängender Mundwinkel
· verwaschene Sprache
· Wortfindungsstörung oder nicht erhaltenes Verständnis oder inhaltlich nicht sinnvolle Äußerungen (Wortsalat)
· Plötzlich auftretender starker Drehschwindel
· Plötzliches, vielleicht auch nur kurzzeitiges Erblinden eines Auges, sog. Amaurosis fugax
· Plötzlicher Gesichtsfeldausfall (Jemand läuft gegen die Wand, weil er diese in seinem Gesichtfeld nicht gesehen hat)
· Doppelbilder
· Bewusstlosigkeit
· Plötzliche, starke Kopfschmerzen

All diese Symptome können auf einen Schlaganfall hinweisen und müssen OHNE ZEITVERLUST von einem Arzt untersucht werden. Zögern Sie nicht, umgehend den Rettungsdienst zu verständigen (Tel.:112)

Oft tritt eines oder eine Kombination der o.g. Symptome auch nur für eine kurze Zeit auf (sog. TIA) Trotzdem muss unbedingt eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Man kann möglicherweise einem schweren Schlaganfall zuvorkommen!

Text: Sven Ademi

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