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Rund ums Bein

Venenerkrankungen und die Möglichkeiten der Behandlung und Vorbeugung

Venenprobleme und ihre Ursachen oder warum Briefträger früher keine Krampfadern hatten… Grundsächlich ist der aufrechte Gang des Menschen mit einem Anstieg des Gefäßinnendrucks in den Venen verbunden. Er addiert sich vom Liegen von 15 mm Hg = Quecksilbersäule, das ist eine bewährte Bestimmung des Druckes, der auf einem Körper liegt, auf ca. 135 mm Hg im Stehen in der Knöchelregion. Bei Vierbeinern ist das niemals der Fall, nicht einmal bei Giraffen!

Wie kann der Körper nun das Problem des venösen Rückflusses lösen?
Das Blut muss ja gegen die Schwerkraft zum Herzen zurück fließen. Hier gibt es ein ausgeklügeltes System nach Art eines Paternosters. Bei jedem Schritt drückt der Wadenmuskel die Venenwände zusammen und so das in den Venen enthaltene Blut nach oben. Damit es nicht wieder zurückfällt, gibt es eine Form von Ventilen, die sogenannten Venenklappen, die das Zurückströmen verhindern. Allerdings ist erst nach mehreren Schritten das Pumpsystem wirklich entstaut – deshalb hatten die Briefträger früher meist auch keine Krampfadern, denn sie waren doch sehr viel zu Fuß unterwegs.
Ein sehr guter Eigentest bei Beinbeschwerden: venöse Beschwerden bessern sich beim Gehen, arterielle verschlechtern sich, so z. B. die sog. Schaufensterkrankheit (der Patient muss alle paar Schritte stehen bleiben), Gelenkbeschwerden verursachen eine zunehmende Schonhaltung.

Welche Ursachen und Risikofaktoren für eine Venenschwäche gibt es?
Eine familiäre Veranlagung zu schwachem Bindegewebe, eine vorwiegend stehende und sitzende Tätigkeit, Bewegungsmangel, Schwangerschaft, bestimmte Medikamente z.B. Hormone, Übergewicht, einengende Kleidung oder Schuhe mit hohen Absätzen.

Zur Definition der einzelnen Stadien: „Besenreiser“ sind kleine oberflächliche Veränderungen der Venenwand an der Hautoberfläche, Krampfadern sind „ausgebeulte“ Venen, auf altdeutsch nennt man sie auch „Krummadern“ mit einem geschlängeltem Verlauf, im Fachjargon auch Varizen genannt. Die Symptome sind u.a. Spannungsgefühle, Druck, Schwere und Schwellungen. Die chronische Venenschwäche ist gekennzeichnet durch eine Stauung über längere Zeit. Spätfolgen können sein: ein offenes Bein (Ulcus cruris), außerdem die Gefahr von Thrombosen oder schlimmstenfalls einer Lungenembolie.
Was ist nun zu tun? Erst einmal wäre es sinnvoll, eine ärztliche Diagnose einzuholen, hier kann eine Abgrenzung von anderen Krankheiten erfolgen. So können die möglichen eigenen und medizinischen Maßnahmen abgeklärt werden. In diesem Umfeld spielt die Unterstützung durch naturheilkundliche und alternative Heilmethoden eine große Rolle.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?
Operative Möglichkeiten wie lasern, veröden, strippen oder ähnliches, dann die Kompressionstherapie durch wickeln oder durch speziell angemessene Strümpfe (bei leichteren Beschwerden reichen auch Stützstrümpfe), wichtig ist auch eine ausreichende Bewegung und Vermeidung der oben genannten Risikofaktoren. Vorbeugen und zusätzlich ergänzen kann man super im Rahmen der Naturheilkunde wie mit Naturwirkstoffen, der Kneipp-Therapie, Schüssler-Salzen, um nur einiges zu nennen.
Der kalte Kneipp-Knieguss bewirkt z. B. eine aktive Durchblutung der Unterschenkel und des Unterleibes und vermehrt die körpereigene Wärme. Regelmäßig angewendet verhindert er das Entstehen kalter Füße und Krampfadern. Sehr gut ist natürlich auch das Wassertreten.

Wichtige Heilpflanzen sind u.a. die:
Roßkastanie (Aesculus hippocastanum)

Der Baum, der ursprünglich aus dem westlichen Asien stammt und über Konstantinopel ca. 1576 nach Europa kam, wurde in Form der Samen in früherer Zeit an Pferde, also Rösser, verfüttert, wenn sie unter Atemnot und Husten litten. In Notzeiten wurden sie schon auch einmal gegessen, als Kaffee-Ersatz verwendet oder als stärkender Trunk bei Bronchitis oder Rheuma eingesetzt. Diese Anwendungen sind heutzutage nicht mehr aktuell, und wenn man Kastanien essen möchte, dann würde ich lieber auf die Edelkastanien, die Maroni, verweisen.

Als richtige Heilpflanze wurde die Roßkastanie erst zu Beginn der 20. Jahrhunderts entdeckt. Die wirksamen Inhaltsstoffe sitzen tatsächlich in den Samen. Sie enthalten 3 – 10% eines komplex zusammengesetzten Saponingemisches. Ein Anteil davon heißt Aescin. Dieser Wirkstoffkomplex besteht aus mehr als 30 verschiedenen Einzelsubstanzen. Was bewirken denn nun diese Inhaltsstoffe? In vielen Laborversuchen weist Aescin verschiedene Effekte auf: es dichtet die Gefäßwände ab und verhindert so, dass sich Wasser im Gewebe, gerade der Beine, ansammelt. Außerdem wirkt es zusätzlich noch entzündungshemmend. Darum kommen Extrakte aus der Roßkastanie in vielen pflanzlichen Mitteln gegen Beschwerden bei Venenschwäche und Krampfadern vor. In Form von Salben, Gels, Tropfen, Kapseln oder Tabletten können diese Präparate sowohl vorbeugend wirken, als auch Probleme wie geschwollene Knöchel oder schwere Beine positiv beeinflussen. Wer darunter leidet, sollte, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, eine Langzeittherapie, gerade in Tabletten – oder Kapselform anstreben, um einem Fortschreiten vorzubeugen. Vorsicht nur bei der gleichzeitigen Einnahme von Blutverdünnern, da am besten den Arzt fragen.

Rotes Weinlaub (Vitis vinifera)
Weinblätter waren schon seit langer Zeit als Heilpflanze bekannt, zum Beispiel gegen Entzündungen. Bereits seit dem 6. Jahrtausend v. Chr., also seit dem Beginn des Neolithikums (Jungsteinzeit) wurde in Vorderasien Weinbau betrieben, vielleicht sogar schon noch länger, aber das lässt sich natürlich nicht mehr heraus finden. Sicher ist aber, dass die meisten Hochkulturen die Pflanze pflegten, um das Getränk als Lebens- und Genussmittel zu konsumieren, v.a. bei religiösen Festen. Im Mittelalter wuchs die Anbaufläche in Europa stetig an, ja sogar in Schlesien und Südengland gab es Weinberge. Ein Grund dafür war der Bedarf der katholischen Kirche an Messweinen und die Tatsache, dass Wein im Gegensatz zum damals insbesondere in den Städten verfügbaren Trinkwasser relativ keimfrei war und sich gut lagern ließ. Ich werde immer gerne gefragt, warum fast alle Tränke der heiligen Hildegard von Bingen mit Wein zubereitet werden und nenne außer diesem Argument noch die Tatsache, dass viele Pflanzenwirkstoffe durch den Alkohol ganz anders extrahiert werden als durch Wasser. Man spricht hier auch vom Begriff des sog. „Medizinpferds“, dem Wein als Trägersubstanz.
Wie schon erwähnt, ist auch die Anwendung des Weinlaubes zu medizinischen Zwecken schon aus der Antike bekannt. Galen, ein griechischer Arzt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. beschrieb dessen Anwendung in seinen Rezepten. Nach seinen Empfehlungen halfen geriebene Blätter, in Honigwein gekocht, äußerlich gegen Kopfschmerz. Als kühlendes Vorbeugemittel in heißen Gegenden empfahl er Weinblätter mit Ranken. Das kommt doch unserer heutigen Anwendung doch schon sehr nahe! Französische Winzer stellten fest, dass die Personen, die den Wein mitsamt den Blättern mit ihren Füssen stampften, deutlich weniger Venenprobleme hatten. Verantwortlich hierfür sind wohl die Flavonoide, die zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen und anti-entzündlich wirken, Gefäßwände abdichten und verhindern, dass Wasser ins Gewebe eindringt. Auch hier sind Cremes, Gele, Tropfen oder Tabletten sehr hilfreich, um die Venenbeschwerden zu lindern. Allerdings kann es schon mal ein paar Wochen dauern, bis die volle Wirkung erreicht wird.

Einen schönen Sommer mit ganz leichten Beinen wünscht Ihnen Ihre
Apothekerin Simone Wagner

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