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Die romantische Strasse

Urlaubsreiseweg mit ganz viel Charme von „Good old Germany“

Im nächsten Jahr feiert die von Würzburg nach Füssen führende „Romantische Straße“ ihren 70. Geburtstag.

Für Jürgen Wünschenmeyer war sein beruflicher Werdegang quasi schon vorbestimmt, nachdem er die „Romantische Straße“ mit 16 Jahren als Reiseleiter einmal ganz von Würzburg nach Füssen mit dem Bus entlang gefahren war und dabei anscheinend richtig Feuer für die älteste Ferienstraße Deutschlands gefangen hatte. Ein paar Jährchen später ist Wünschenmeyer so heute nicht mehr „nur“ Reiseleiter, sondern Leiter des Geschäftsstellensitzes der Arbeitsgemeinschaft „Romantische Straße“ in Dinkelsbühl. Daher freut er sich auch jetzt schon auf den 21. Juni des kommenden Jahres, wenn in Dinkelsbühl der 70. Geburtstag dieser weltbekannten süddeutschen Urlaubsroute „mit einem zentralen Festakt“ groß gefeiert wird.

An diesem runden Jubiläum sieht man dann, dass die Zeit an dem 413 Kilometer (Luftlinie) langen Reiseweg eben nicht stehen geblieben ist, auch wenn Wünschenmeyer diesen Aspekt als eines der Hauptkriterien für den ganz besonderen Charme hervorhebt, den die „Romantische Straße“ auf Touristen überall in der Welt ausstrahlt. So kannten in den 1990er-Jahren einer Erhebung zufolge beispielsweise 93 Prozent der reisefähigen Japaner die Straße zumindest dem Namen nach, während sie auch in Brasilien zu den Top-Attraktionen für Deutschland-Urlauber zählt. Kein Wunder, dass es in diesen beiden Ländern denn auch jeweils eine einheimische Variante gibt, die sich an dem deutschen Vorbild orientiert. Darüber hinaus wurde 2009 auch ein südkoreanischer Ableger eröffnet.

Von Würzburg im Norden über Tauberbischofsheim, Nördlingen, Donauwörth und Landsberg am Lech bis nach Füssen ganz im Süden Deutschlands, verbindet die „Romantische Straße“ insgesamt 29 mehr oder weniger große Orte. Diese können die Reisenden auf unterschiedlichen Streckenverläufen entweder mit dem Auto (460 Kilometer) beziehungsweise dem Fahrrad oder zu Fuß (jeweils knapp 500 Kilometer) besuchen und so wenigstens ein bisschen das „Good old Germany“ kennenlernen, wie es sich laut Wünschenmeyer vor allem die US-Amerikaner früher einmal vorgestellt haben. Mit der Gründung 1950 habe man das Ziel verfolgt, „Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg als Urlaubsland wieder attraktiv zu machen, wobei die Bundesrepublik als ein in die europäische Geschichte eingebettetes Land mit entsprechender Ausstattung an Bau- und Kunstdenkmälern dargestellt werden sollte“, erklärt Wünschenmeyer.

Etwas ganz Besonderes ist die Straße, die unter dem Namen „Deutscher Reiseweg Nr. 1“ bereits seit 1900 existierte, da sie mit Baden-Württemberg und Bayern gleich zwei Bundesländer in ihrer Streckenführung mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten mit einbezieht. Beginnend mit der Würzburger Residenz, serviert die „Romantische Straße“ ihren Besuchern zudem unter anderem mit den mittelalterlichen Stadtbildern von Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl, der Fuggerei in Augsburg, der Wieskirche und dem von König Ludwig II. erbauten Schloss Neuschwanstein jede Menge Augenschmaus. An ihrem Endpunkt am Franziskanerkloster von St. Stephan in Füssen kann man indes auch heute noch manchmal das Gefühl haben, dass die Zeit, wenn sie schon nicht richtig stehen geblieben ist, doch wenigstens ein bisschen langsamer vergeht.

Text·Foto: Alexander Berndt

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