Kolumne

Sachenaufheberin

Ich stehe vor meiner Kommode. Sie ist weiß, ein Ikea Klassiker. Nur in schöner- ich habe sie aufgepimpt. Aber es gibt ein Problem mit meiner Kommode: den Inhalt. Die hauchdünnen Pressholzböden machen bald schlapp. Die Schubladen sind zu voll. Ich habe versucht, Ordnung zu schaffen und den drei Schubladen ein schlankes, neues Feng-Shui Leben einzuhauchen.

Aber mit Feng- Shui ist da nichts. Die Kommode lebt eher das Leben einer Studenten-WG. Einer WG mit Rennrad im Flur, blinkenden Lichterketten und Küchenpartys. Und daran bin ich schuld. Ich bin eine Sachenaufheberin.

Eigentlich lebe ich in zwei Welten. Zu 50 Prozent in einem Leben mit sortierten Bücherregalen und spießigen Microfaser-Staubfang-Tüchern und die anderen 50 Prozent in einer Welt, die aus Nagellack, Ladekabeln, Postkarten, Reiseführern, Ohrringen und anderem Frauen-Kram besteht.

Die vergangenen 15 Jahre meines Lebens stecken in dieser Kommode. Und das sieht man. Meine Kommode sollte wie Superwoman sein. In Wahrheit ist sie aber ein durchgeknalltes It-Girl mit Dauerwelle. Ich bin neidisch auf Superwoman.

Deswegen muss jetzt Schluss sein. Schluss mit dem WG-Leben, Schluss mit Retro. Ich miste aus.

Und dafür habe ich mir extra ein Buch gekauft: den Minimalismus- Guide. Ich bin bei Kapitel: Einfach weg! Meine Aufgabe jetzt: jedes einzelne Teil sortieren.

Es gibt drei Möglichkeiten:
Stapel eins: Kann weg.
Stapel zwei: Behalten.
Stapel drei: Verschenken.

Ich bin gnadenlos bei der Sache: Teil raus, Anschauen, Zuordnen. Zack, zack.

Irgendwie mag ich meinen neuen, gnadenlosen Eifer. Ich halte das letzte Teil in den Händen. Vor mir liegen drei Stapel. Ein bisschen fühle ich mich wie Uma Thurman in Kill Bill- zielstrebig, furchtlos, stark. Uff, ein tolles Gefühl. Aber zurück zur Arbeit. Da warten drei Stapel auf mich.

Zu verschenken habe ich eine wunderbare Postkarte. Darauf steht: „ Dreck reinigt den Magen, Unordnung die Seele!“

Und weg. Das war immerhin Sinn und Zweck der Sache.

Der Rest liegt auf Stapel zwei. Ich schätze, so ist das bei einer Sachenaufheberin.

Also dann,
Feng- Ciao.

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