Menschen

117 Tage rund um die Welt

Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff

„Die tägliche Erfahrung lehrt, dass Diejenigen, welche viel reisen, an Urteilskraft gewinnen; dass die Gewohnheit – fremde Völker, Sitten und Gebräuche zu beobachten, den Kreis ihrer Ideen erweitert und sie von manchen Vorurteilen befreit.“ François Pierre Guillaume Guizot

 

Eine Weltreise macht nicht jeder, oder zumindest kann es sich nicht jeder leisten. Es ist die Zeit, die man haben muss, und letztendlich auch das Geld. Außer man hat einen Job, der es einem ermöglicht sowohl die Welt zu sehen als auch etwas Geld zu verdienen. Oder sagen wir es mal anders. Es ist eine perfekte Vorstellung auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten und sich ein wenig die Welt anzusehen. Anton Stöger, gebürtig aus Rieden am Forggensee, hat die Möglichkeit genutzt und sich auf einem Kreuzfahrtschiff anheuern lassen.

Auf elf Stockwerken waren die 1.200 Passagiere und über 400 Crew-Mitglieder verteilt. Anton Stöger und seine Band waren Teil der Crew. Sechs Tage die Woche spielten die Musiker auf den verschiedenen Decks und zu verschiedenen Anlässen. „Von Jazz bis Rock und Pop und Tanzmusik stand alles auf unserer Repertoire-Liste“, erzählt der Musiker, der mit seinen Bandmitgliedern über 500 Titel einstudierte. Nur für diesen Zweck wurde die Band gegründet, neun Monate vor Beginn der Reise. „Es war wichtig, Leute für die Band zusammen zu bekommen, die den Druck auf dem Schiff standhalten, gute Musiker und sympathisch sind.“ Gemeinsam wurde geprobt und der Riedener bereitete die Band für das Kreuzfahrtschiff vor. Für Stöger, der zuletzt fünf Jahre in Hamburg lebte, war das die vierte Reise mit einem Kreuzfahrtschiff. „Man muss es mögen und sich bewusst sein, dass man sich nicht zurückziehen und Ruhe haben kann. Man begegnet immer jemanden“, so der Allgäuer.

Wer auf Privatsphäre hofft, hat auf einem Kreuzfahrtschiff schlechte Karten, außer man hat eine Einzelkabine mit Fenster, dann sieht die Sache ganz anders aus. Das hatte Anton Stöger nicht. Seine Kabine war acht Quadratmeter groß, er hatte einen Mitbewohner und das alles ohne Fenster. Diese Enge halten nicht Viele aus. „Manche Beziehungen sind auf dieser Reise zerbrochen. Einige trennten sich sogar während der Weltreise vom Partner. Es menschelt sehr“, erzählt der 34-Jährige. So eine lange Zeit auf einem Schiff zu verbringen ist nicht ohne. 117 Tage war er unterwegs, hat 20 Länder bereist, 150 Auftritte gehabt und vier Kontinente gesehen.

Wenn der Schlagzeuger Ruhe brauchte, stand er früh auf und machte seine Yoga-Übungen. „Da ist man mit sich selbst und kann prima abschalten.“ Denn jeden Tag vor Publikum zu spielen erforderte von den Bandmitgliedern viel Disziplin. Anton Stöger war Bandleader und hatte den Rang eines Offiziers auf dem Kreuzfahrtschiff. Er war dafür verantwortlich, dass alles reibungslos ablief und es seiner Band gut geht.

War Landgang angesagt, so hatte man ein paar Stunden Zeit, sich die Insel oder die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anzuschauen. „Es war grandios, als wir in Rio de Janeiro einfuhren. Diese große Statue, das war sehr beeindruckend. Manchmal konnte man das Wasser nicht vom Himmel unterscheiden, so ähnlich waren die Farben vom Himmel und Meer.“ Anton Stöger hat viel erlebt und gesehen. Ein Potpourri an Menschen, Landschaften und Erlebnissen. Regelmäßig teilte er seine Bilder auf Instagram, so konnten Familie und Freunde mitverfolgen wo er sich gerade befindet und wie es dort aussieht. Nach 117 Tagen ist er wieder zurück. „Ich war abgearbeitet. Nach 24/7 Dauerbespaßung, Sightseeingstress und permanenter Reizüberflutung kam ich ziemlich urlaubsreif zurück.“ Erst vor Kurzem war Anton Stöger wieder auf einem Kreuzfahrtschiff, allerdings als Gast – und das war erholsam.

Textaufzeichnung: Sabina Riegger · Fotos Anton Stöger

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