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Heilkräuter der Provence – Teil 2

Beim letzten Mal habe ich Ihnen ja schon von meiner schönen Provence-Reise berichtet und versprochen, Ihnen im diesem Zusammenhang noch mehr Kräuter vorzustellen, was ich nun hiermit gerne tue. Beginnen möchte ich mit der Zistrose (Cistus incanus). Zur Familie der Zistrosengewächse gehörend, hat sie mit unseren normalen Rosen nichts gemeinsan außer der Namensvergleichbarkeit und den ähnlich aussehenden weißen oder rosa-violetten „Knitter-Blüten“. Die sog. „graubehaarte Zistrose“ ist ein uraltes Heilmittel aus der Pflanzenwelt. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde bereits mit dem Harz der Zistrose = Labdanum behandelt, z.B. zur Zahnpflege, für desinfizierende Pflaster oder aufgelöst als Waschungen oder Sitzbäder und angeblich sogar gegen die Pest. Interessant war auch die Gewinnung: Ziegen wurden durch die Büsche getrieben und anschließend das im Fell hängen gebliebene Harz ausgekämmt.

Aber auch der Kräutertee wurde schon im nahen Osten, dem nördlichen Afrika und im Mittelmeer-Raum gerne zu sich genommen. 1999 wurde sie zur „Pflanze des Jahres“ gekürt. Sie zählt zu den Polyphenol-haltigsten essbaren Pflanzen Europas. Polyphenole zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und werden manchmal auch als „Phytamine“ bezeichnet und haben ein ganz hohes antioxidatives, also zellschützendes Potential. So mal salopp als Beispiel: Cistus-Tee, der inzwischen nicht nur in seinem Hauptanbaugebiet Griechenland sehr beliebt ist, ist drei Mal so gesund wie Grüntee, schützt das Herz 4 Mal so gut wie Rotwein und hat eine 20-fach stärkere antioxidative Kraft als frisch gepresster Zitronensaft. Das ergab eine Studie des Lefo-Instituts in Ahrensburg (Schleswig-Holstein). Denn in diesem Kraut ist eine ganz besondere Kombination von Antioxidantien enthalten: so kann schon 1 Schnapsgläschen des konzentrierten Tees die benötigte Tagesdosis an Vitamin C decken. Im Chalkidiki, einer Region in Nordgriechenland, trinken die Menschen diesen Tee noch häufiger und regelmäßiger als in der Provence, so dass es dort extrem viele über 100-jährige gibt.

Aber Zistrosentee kann noch viel mehr: in der Universität Lübeck wurde nachgewiesen, dass ein intensiver Sud den Körper hervorragend von Schwermetallen und Giften reinigen kann. Man denke hierbei an Zigarettenrauch, Zahnfüllungen und Umweltverschmutzung. In einer Studie tranken Raucher 4 Wochen 2 Mal 50 ml des Suds. Danach war der Cadmium-Gehalt im Körper schon deutlich niedriger. Auch bei Zahnsanierungen wird empfohlen, täglich 1 Liter Tee zu trinken.

Als nächstes kommen wir zu dem Lieferanten eines unserer Lieblingsnahrungsmittel aus dem Mittelmeerraum, der Olive, dem Oliven- oder Ölbaum (Olea europea). Die Nutzung dieses besonderen Baumes, der erst nach vielen Jahrzehnten seinen vollen Ertrag bringt, den aber dafür über Jahrhunderte, war schon seit der Antike ganz ungemein vielfältig. Die Oliven als Nahrungsmittel, das Öl ebenso, dieses natürlich auch zur Heilung, Kosmetik, Opfergabe oder Brennstoff. Das Holz lässt sich wunderbar zu Gebrauchsgegenständen verarbeiten.

Worauf ich jetzt aber im Speziellen eingehen möchte, sind die Olivenblätter, da diese die wertvollste naturheilkundliche Wirkung haben. Am besten sind hier die im Februar geernteten, ganz jungen Blätter. Sie haben den höchsten Gehalt an dem sog. Oleuropein, einem Secoiridoidglykosid, das sehr bitter schmeckt und dem u.a. eine leicht Blutdrucksenkende, Herzrhythmusstabilisierende und Herzkranzgefäßerweiternde Wirkung zugeschrieben wird. Außerdem senken wässrige Abkochungen aus den frischen Blättern erwiesenerweise den Blutzuckerspiegel, alkoholische Auszüge können bei kurmäßiger Anwendung über mindestens 2 Wochen die Blutfettwerte nach unten korrigieren. Zur Senkung eines leicht erhöhtem Blutdrucks dauert es etwas länger. Aber so nach einer ca. 8 Wochen langen Einnahme eines Extraktes wurde eine Senkung sowohl des systolischen als auch des diastolischen Wertes festgestellt. Aber das ist noch lange nicht alles: Olivenblätter können fiebersenkend wirken, zur Bekämpfung von Kopfläusen angewendet werden und als antibaktierielles Gurgelmittel bei Infektionen des Hals- und Rachenraumes zum Einsatz kommen.

Eine weitere, wirklich sehr erstaunliche Wirkung der Olivenblätter ist, dass sie tatsächlich die DNA vor Schädigungen durch Röntgenstrahlen schützen können. Hierbei werden die Produkte direkt vor oder nach der Bestrahlung eingenommen. Offensichtlich werden die in den Blättern enthaltenen Antioxidantien ionisierte Strahlungspartikel so abgeschwächt, dass sie dem Organismus nicht mehr so gefährlich werden können. Sogar in der Frauenheilkunde finden die Olivenblätter ihre Anwendung: als Sitzbad bei wiederkehrenden Blasenentzündungen und Scheidenpilz-Infektionen wirken sie hervorragend antibakteriell und antimykotisch.
Wir wollen aber vor lauter Begeisterung über die Blätter das wunderbare Olivenöl nicht vergessen! In Versuchsreihen zeigte sich, dass ein hoher Verbrauch von Olivenöl als Ersatz für andere tierische und pflanzliche Fette im Speiseplan den oberen Blutdruckwert sehr gut reduzieren kann und außerdem mit einer deutlichen Blutfett- und Blutzuckersenkung einher geht. Zudem regt das Olivenöl die Verdauung sehr gut an, schützt die Magenschleimhaut und reduziert überschüssige Magensäure.

Übrigens: Oliven vom Baum naschen geht nicht, da sind sie quasi ungenießbar. Man muss erst die Bitterstoffe durch ein Bad in Natronlauge, Salzlake oder durch Milchsäuregärung entfernen. Erst dann kann man sie in Öl, Kräutersud oder trocken einlegen.

Bleiben Sie fit und gesund,

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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