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Slowakischer Kinofilm „Made in Schwangau“

Heilig Abend im Dorf der Königsschlösser

Darüber dürften sich doch einige Einheimische und Gäste im Dorf der Königsschlösser gewundert haben. Das Vereinshaus der Schwangauer Musikkapelle zeigte sich an einem Abend in dieser Woche hochweihnachtlich geschmückt, obwohl das Fest schon längst vorüber ist. Der Grund dafür sind die Dreharbeiten einer slowakischen Filmproduktion, die derzeit in der Gemeinde Schwangau durchgeführt werden. Für diesen Dreh hat sich die Produktionsfirma Artileria aus Bratislava gleich mehrere sogenannte „Hot Spots“ ausgesucht.

Neben den Einstellungen im Kröb, etwa zwischen dem Musikvereinsheim und dem Komplex des Hotel König Ludwig, wurde vor allem im Ortsteil Hohenschwangau gedreht. „Dieser Ort passt einfach perfekt für diese Produktion, erklärt Tomas Mikyta, Produktionsassistent in Bayern. „Und natürlich ist auch das Schloss Neuschwanstein in der Slowakei sehr bekannt. Es ist ein tolles und sehr bekanntes Motiv und es symbolisiert Deutschland und vor allem Bayern, damit der Zuschauer auch sofort merkt, wo wir sind. Es ist eine Art Sozialdrama. Ganz grob geht es um eine Familie aus Bratislava. Der Vater, ein slowakischer Zimmermann, arbeitet im Ausland und kann seine Familie am Heiligen Abend noch nicht sehen. Er ist bei einem Arbeitskollegen eingeladen und kann erst am nächsten Tag nach Hause fahren. Währenddessen muss sich seine Frau ganz alleine um die pubertierenden Kinder kümmern, wodurch einige Probleme entstehen.“

Auch Deutsche Schauspieler mit dabei

Der Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Marko Škop, der mit einem 28-köpfigen Filmteam ins Allgäu gereist ist, ist sowohl in seinem Heimatland, als auch international längst kein Unbekannter mehr. Die Medienstiftung Leipzig zeichnete ihn für den Film „Other Worlds“ bereits 2006 mit der „Talent-Taube“ aus. Mit dem Spielfilm „Eva Nová“ sorgte er beim Züricher Filmfestival 2015 für Aufsehen. Und auch Hauptdarsteller Milan Ondrík ist in der Slowakei ein beliebtes Gesicht auf der Leinwand. Er spielte in erfolgreichen Filmen wie „Tigers in the City“ oder „Unos“. Hohe Popularität bekam er durch seine Hauptrolle in der bekannten slowakischen Serie „Panélák“. Für die Produktion, die in diesen Tagen in Schwangau entsteht, hat sich das Team aber auch noch zusätzliche Verstärkung von deutschen Schauspielern geholt. Neben Andreas Nickl, den man aus der SOKO Kitzbühel, dem Großstadtrevier oder dem Tatort kennt, ist auch Volksschauspieler und „Rosenheim Cop“ Dieter Fischer mit dabei.

Die Oscars im Visier

„Hier entsteht ein Kinofilm, der aber vorerst nur an ausgesuchte Festivals verschickt wird“, so Thomas Mikyta. „Wir hoffen darauf, dass wir mit diesem Film sogar ein paar Preise gewinnen können.“ Fest steht bereits jetzt, dass der Film unter anderem beim Filmfestival in Toronto wie auch bei der Berlinale gezeigt wird. Genauso soll der Streifen aber auch direkt an die Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles geschickt werden, um dort als „Bester ausländischer Film“ in das Rennen um die Oscars zu gehen. Insgesamt dauert der Dreh rund vier Monate, die Hauptarbeit liegt dabei an Orten in der Slowakei, ein Teil des Films spielt hier im Allgäu.

Text: Lars Peter Schwarz · Bilder: Artileria

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