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Die Schwangauer Weihnachtskrippe von Albert Sepp

Sie ist etwas wahrhaft Einmaliges, die Weihnachtskrippe von Albert Sepp aus Waltenhofen. In mühevoller Handarbeit hat er die Krippe vor vielen Jahren bis ins Detail gebaut.

Das alte Schwangauer Bauernhaus ist naturgetreu den alten Häusern im Dorfkern nachgebildet, mit der klassischen „Schupfe“, wie sie heute nur noch an wenigen alten Häusern im Ort zu sehen ist. Die „Schupfe“ ist eine Art überdachte, an den Seiten offene Veranda, die direkt in einem vorderen Eck des Hauses integriert ist. „Wieviele Stunden Arbeit das gewesen sind, weiß ich heute gar nicht mehr so genau“, überlegt Albert Sepp. „Ich glaube, ich habe einen ganzen Sommer daran gefeilt, es war die Erste, die ich vor etwa 20 Jahren selber gebaut habe.“
Insgesamt besitzt er rund 25 verschiedene Krippen aus aller Welt, die Schwangauer sowie eine Orientalische Krippe sind dabei die Größten. Beide Krippen stehen ausgebreitet auf einer Fläche von gut zwei bis drei Quadratmetern, jeweils mit zahlreichen Figuren und Tieren, ganzjährig in einem extra Krippen-Zimmer im Keller. So finden sich in der einheimischen Version Hunde, Katzen, Ziegen, Schafe und Kühe, in der Krippe aus dem Morgenland dagegen auch Esel und Kamele. Die imposanten Bauten der Orientalischen Krippe, die über Türme, Kuppelgebäude und klassische Säulen verfügt, hat Albert Sepp aus Hartschaum hergestellt und bemalt. Die übergroßen und eindrucksvollen Figuren, die in edle Gewänder gekleidet sind, stammen aus Italien.

„Für die Schwangauer Krippe habe ich den Stall, in dem das Christuskind auf die Welt gekommen ist, neben das Bauernhaus gebaut“, erklärt der Bastler. „Aber beide Gebäude verfügen über Schindel-Dächer. Die Schindeln stammen sogar vom Dach der ehemaligen Wagenremise unterhalb von Schloss Hohenschwangau.“ Komplettiert wird der Schauplatz durch den Bauer, die Bäuerin, Knechte, Bäume sowie historische Gerätschaften und kleine Wägen. Die passenden Hintergrundbilder für die größeren Krippen, so wie das Gemälde mit Tegelberg und Säuling für das Schwangauer Ortsbild, lässt Sepp bei dem Hopferauer Krippenbauer und Hintergrundmaler Alfred Fleckenstein anfertigen. Neben den vielen Krippen hat Albert Sepp aber auch andere bedeutende Szenen der biblischen Geschichte dreidimensional dargestellt. Während man in einem Bild die Herbergssuche sieht, zeigt sich in einem anderen die Flucht Josefs zusammen mit Maria und dem Kind nach Ägypten.

Albert Sepp besitzt 25 Krippen aus aller Welt. Die Schwangauer sowie die Orientalische Krippe sind dabei die Größten.

Die heutigen Weihnachtskrippen gehen bereits auf das Frühchristentum zurück, damals nur mit dem Jesuskind mit den zwei Tieren Ochs und Esel. Die Figur der Maria kam erst im Mittelalter dazu, der hl. Josef sogar noch später. Die Form der Krippe, wie wir sie heute kennen, geht auf den heiligen Franz von Assisi zurück. Dieser stellte am 24. Dezember des Jahres 1223 in Greccio eine Krippe mit einem lebendigen Ochsen und einem Esel auf und legte Heu hinein. Ab dem 16. Jahrhundert fand die Weihnachtskrippe durch die Jesuiten dann eine europaweite Verbreitung. Im Laufe der Zeit wurden die Krippenfiguren immer kleiner und die Heilige Familie durch Engel, Hirten und die Weisen aus dem Morgenland ergänzt.

Bis heute hat sich der Brauch der Weihnachtskrippen nahezu rund um den Globus verbreitet. Auch einige der Krippen von Albert Sepp stammen aus fernen Ländern der Erde. Von ihren vielen Reisen hat ihm Tochter Barbara Exemplare aus Equador, Bolivien, Chile, Südafrika oder sogar Panama und Coasta Rica mitgebracht. Zudem verfügt er so über eine eine seltene Krippe aus Südafrika, die mit kleinen Holzfiguren in einer ausgehöhlten und bemalten Flaschenfrucht ihren Platz gefunden hat.

Nicht alle der 25 Krippen werden jedes Jahr aufgebaut, meist aber stehen fünf bis acht verschiedene im Haus verteilt, so Sepp. „Schade ist allerdings, dass der Brauch des „Krippa-Luaga“ bei uns nicht so verbreitet ist. In Tirol ist es eine echte Tradition, dass man in der Weihnachtszeit Nachbarn oder Bekannte im Ort besucht, um sich die jeweilige Krippe anzuschauen“, lacht der ehemalige Vorstand des Gebirgstrachten- und Erhaltungsverein „D‘Schwanstoaner“ Schwangau.

Text · Bilder: Lars Peter Schwarz

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