BrauchtumLeben

Fackelschwimmen

Neujahrsgruß aus dem kühlen Nass

Bei Minusgraden ins Eiswasser: Das Fackelschwimmen zu Neujahr findet dieses Jahr bereits zum 28. Mal statt und hat sich mittlerweile zum Aushängeschild der Lechstadt etabliert.

Eingefleischte können ein neues Jahr schon gar nicht mehr anders beginnen, Außenstehende klappern bereits bei den nüchternen Zahlen mit den Zähnen. Bei bis zu -15 Grad Außen- und knapp 5 Grad Wassertemperatur stürzen sich jeden Neujahrstag Schwimmer in den Lech. Nein, lebensmüde sind sie pünktlich zu Beginn des neuen Jahres nicht, sondern in der Mehrheit Lebensretter, die den Füssener Bürgern damit ein gutes neues Jahr wünschen wollen. Maxi Achatz, technischer Leiter der Wasserwacht Füssen, fragt dafür jedes Jahr mehrere Vereine an, u. a. bis zu 15 Wasserwachten aus dem Ostallgäu, fünf Tauchclubs oder auch die Schwimmvereine im Umkreis. So kommen bis zu 100 Leute zusammen. Mit dem Schwimmen im kalten Wasser stellen die Wasserretter unter Beweis, dass ihre Einsatzbereitschaft auch im Winter gegeben ist. „Oft war es aber so, dass das Wasser wärmer war als die Luft. So haben die Zuschauer mehr gefroren als wir im Wasser“, stellt Rudi Achatz klar, Chef der Füssener Wasserwacht. Die Wartezeit lässt sicher aber gemütlich mit Punsch und Wienerle an den Ständen des Fördervereins der Wasserwacht verkürzen.

Bis zu 100 Lebensretter trotzen jedes Jahr der Kälte.

Bis zu 3000 Schaulustige verfolgen das Spektakel jedes Jahr am Flussufer nahe der Theresienbrücke unterhalb des Klosters St. Mang. Bei Anbruch der Dämmerung lassen sich die wagemutigen Fackelschwimmer von Bad Faulenbach aus im winterlich kalten Lech bis zu Füssener Altstadt treiben. Sobald die erste Fackel an der Lechbiegung zu sehen ist, werden die Rettungsschwimmer traditionell von den Böllerschützen mit schweren Handböllern und der Kanone angekündigt. Zusammen mit einer überdimensionalen „2018“ und einem Meer aus brennenden Fackeln rufen die Schwimmer „ein gutes neues Jahr“ auf der Höhe der Brücke. Sind alle wohlbehalten wieder auf dem Trockenen, gibt es zum Abschluss ein gesponsertes Brillantfeuerwerk über dem Lech.

Doch wie kam es zu diesem imposanten Schauspiel? „Der damalige technische Leiter, Jürgen Geisenfelder, hatte ein Fackelschwimmen in einer anderen Art schon mal wo gesehen und griff die Idee auf. Er wollte der Kälte trotzen und einen Neujahrsgruß der etwas anderen Art ins Leben rufen. Mittlerweile ist es schon Tradition geworden.“, erzählt Rudi Achatz. In der Tat ist diese Art von Fackelschwimmen einzigartig, nirgends sonst im Allgäu wird so ins neue Jahr gestartet. Jürgen Geisenfelder ist bis heute treuer Mitschwimmer und damit der älteste im eiskalten Lech, mit 71 Jahren.

Wer das eindrucksvolle Schauspiel miterleben möchte, sollte sich am 01.01. rechtzeitig einen guten Platz am Lechufer oder auf der Theresienbrücke sichern. Ab 16 Uhr gibt es Bewirtung und gegen 17.30 Uhr schwimmen die Fackeln vorbei.

Text: Julia Siemons · Bild: Hubert Riegger

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