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Gut organisiert und multitaskingfähig

Alexandra Holzkämper: Alleinerziehend zu sein ist keine Endstation

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es in Deutschland 2012 knapp 2,7 Millionen alleinerziehende Eltern, darunter 2,3 Millionen Mütter. 1,6 Millionen der Alleinerziehenden haben dabei ein Kind unter 18 Jahren. Alleinerziehende haben es nicht leicht. Sie müssen flexibel und zugleich super strukturiert den Alltag meistern. Sie müssen alle Aufgaben übernehmen, die Paare auf zwei Personen aufteilen können: Geld verdienen, Kinder betreuen, den Haushalt schmeißen. Und wer keine regelmäßige Unterstützung erhält, muss äußerst multitaskingfähig sein oder andere Lösungen für die Dreifachbelastung finden.

Alexandra Holzkämper ist vor einigen Jahren wegen der Arbeit ihres Mannes nach Füssen gezogen. Nun lebt sie mit den drei Kindern alleine. „Im Grunde genommen war ich immer schon alleinerziehend“, erzählt Alexandra Holzkämper. Während ihr Ex-Mann die ganze Woche als LKW-Fahrer international unterwegs war, kümmerte sie sich um Kinder, Haushalt, Behördengänge, Einkäufe, alles was so in einer Familie an Arbeit anfällt. Heute macht sie das immer noch. Und dennoch ist da ein großer Unterschied. Sie sind keine Familie mehr und sie trägt die Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Kinder in dem Augenblick alleine, auch wenn es gesetzlich anders geregelt ist.

Alexandra Holzkämper ist damit nicht allein. Viele Alleinerziehende teilen das gleiche Los. Sobald die Kinder nur bei einem Partner leben, ist die Verantwortung anders aufgeteilt. Sie hat das Glück, eine 17-jährige Tochter zu haben, die sie sehr gut unterstützt.

Vor über einem halben Jahr hat sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege angefangen. Noch zweieinhalb Jahre hat sie vor sich.  Wieder die Schulbank zu drücken war für Alexandra Holzkämper kein Leichtes. „Ich musste mich umstellen und das war am Anfang schon hart.“ Sie ist froh, dass ihre Mitschüler das genauso empfunden haben und das, obwohl sie zwischen 17 und 25 Jahre alt sind. Den Altersunterschied zwischen ihr und den Mitschülern sieht sie ganz entspannt. „Ich gehe locker auf die Menschen zu. Wir haben ein gutes und freundschaftliches Verhältnis in der Klasse.“ Für die 47-Jährige ist die Ausbildung eine Herausforderung. Nach der Trennung von ihrem Mann lernte sie Altenpflegehelferin. „Ich war schon immer eine Powerfrau. Arbeit ist für mich positiv. Ich arbeite gerne. In der Pflege ist es gefragt, etwas älter zu sein, weil man mit den Pflegeempfängern anders umgehen kann, da man schon eine gewisse Lebenserfahrung hat. Ab 50 wird man ungern in anderen Jobs genommen. In der Pflege ist das anders.“

Anfangs konnten die Kinder gar nicht verstehen, warum sie eine Ausbildung macht. Heute sind sie stolz auf sie. „Sie sagen mir jetzt ihre Noten und ich ihnen meine. Und ich sage auch ganz ehrlich, wenn ich eine schlechte Note bekommen habe. Ich musste das Lernen wirklich wieder lernen. Vor allem, wenn man den ganzen Tag gearbeitet hat, um dann am Abend ab 20 Uhr, wenn die Kinder im Bett liegen, freiwillig zu lernen.“ Und wie haben die Eltern und Freunde darauf reagiert? „Meine Freunde motivieren mich. Sie sagen, Alex, mach weiter, du schaffst das schon. Und meine Eltern sind begeistert. Sie ziehen den Hut vor mir und das macht mich stark. Dann will man zeigen, dass man es schafft, vor allem bin ich aber ein positiver Mensch. Klar muss ich organisieren. Das fängt schon mit der Urlaubsplanung an, die nicht während der normalen Ferienzeit genommen werden darf. Aber da hilft mir die Schule sehr, dafür bin ich dankbar.“ Eine weitere Unterstützung für Alexandra Holzkämper ist der Hort. Hier haben die Kinder die Möglichkeit, nach der Schule hinzugehen, mit anderen Kindern gemeinsam Mittag zu essen, Hausaufgaben zu machen und zu spielen. Ohne diese Einrichtung wäre es für viele Alleinerziehende nicht möglich, einer geregelten Arbeit nachzugehen.

Nur kein schlechtes Gewissen
Arbeiten trotz Kinder? Viele Mütter haben sich lange ein schlechtes Gewissen einreden lassen. Sie galten als Rabenmütter, ob nun alleinerziehend oder nicht. Alexandra Holzkämper lässt sich in dieser Hinsicht kein schlechtes Gewissen einreden. „Warum denn auch? Ich bin für meine Kinder da. Sie waren bislang immer an erster Stelle, und jetzt sind wir alle an erster Stelle. Ich muss auch in die Zukunft vorrausschauen – das heißt, auch den finanziellen Hintergrund sichern, und ohne einen sicheren Job und Einkommen wird das nicht möglich sein.“ Angst, es nicht zu schaffen, hat die Mutter dreier Kinder nicht. Sie hat einen verständnisvollen und guten Arbeitgeber. Bei der Ambulanten Intensivpflege Becker fühlt sich die Auzubildende sehr wohl. So wie für Alexandra Holzkämper bedeutet Alleinerziehend zu sein nicht die Endstation vom Leben. „Man kann alles alleine schaffen. Klar kommt man an seine Grenzen, aber dann muss man auch den Mut haben und seinen Stolz überwinden und um Hilfe bitten, wenn man sie braucht.“ Irgendwann will sie aber auch wieder eine „normale“ Familie haben.

Text · Bild: Sabina Riegger

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