Menschen

Leistung lebt durch Persönlichkeit

Albert Aulinger, der neue Verwalter des Wittelsbacher Ausgleichsfond in Hohenschwangau

Er ist nicht der Einzige, für den Sport nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern ein – nennen wir es mal philosophischer – Lebensbegeleiter ist. Teamgeist, Niederlagen, aber auch Freude, Trauer und Wut lernte Albert Aulinger während seiner aktiven Sportzeit kennen. Jetzt ist alles ein wenig ruhiger, allerdings nur im sportlichen Bereich. Irgendwann wird es ihn wieder packen und dann wird er sich erneut bei einem Marathon anmelden. So wie vor zwei Jahren, als er den New York Marathon lief.

Die Welt erkunden, um sie vielleicht mit anderen Augen zu sehen oder doch Urlaub zu machen ist für den Franken, der aus Marktredwitz kommt, so unwichtig wie sonst noch was. Es klingt gar nicht überheblich, wenn er sagt: „Die Welt hatte ich bei mir zu Gast. Politiker, Schauspieler, Menschen, die ich sonst so nicht getroffen hätte“. Aulinger ist Hotelier, pardon, er war Hotelier. Zuletzt im Hotel Admira in Weiden mit dem Gourmet-Restaurant „Thun“. Heiner Lauterbach, Katharina Witt, Henry Maske, Volker Brandt, Sonja Kirchberger … die Liste ist lang und noch viel länger, wenn man die Prominenz damals aus den Zeiten „Raphaels“ in München dazu zählt, als er dort Vizedirektor war. Whitney Houston, Tina Turner, Michael Jackson.  „Die wurden als Herr Müller oder Herr Meier eingecheckt”, sagte er einmal in einem Interview.

Albert Aulinger ist bodenständig geblieben. Verschwiegenheit ist oberstes Gebot und der Respekt vor Menschen. Egal was sie beruflich machen. 30 Jahre Unternehmensberatung haben ihn geprägt. „Es hat mir Spaß gemacht, neben meinem Beruf Unternehmen eine Hilfestellung zu leisten“, sagt er knapp. „Wenn man weiß, dass es im Leben schöne und weniger schöne Dinge gibt, dann hat man das Leben begriffen. Beides gehört dazu.“

Der 56-Jährige hat es lernen müssen, beide Seiten im Leben zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Als sein Vater starb war er 15 Jahre alt. „Ich hätte es gerne gehabt, bei Problemen meinen Vater zu Rate zu ziehen. Das konnte ich nicht und das prägt einen.“ Wenn man sagt, dass man mit Schweinen aufgewachsen ist, dann hört sich das im ersten Moment sehr negativ an. Nicht so bei Albert Aulinger. Sein Vater war Schweinehändler und da gab es auf dem großen Bauernhof viel zu tun. „Zusammenhalt, Respekt und Achtung untereinander – so hat er uns auf das Leben vorbereitet.“ Später, als er älter wurde, hat er dann einiges begriffen, wie zum Beispiel dass Leistung durch Persönlichkeit lebt, dass es im Leben immer um die Selbstachtung geht und dass der Kunde kein König ist, sondern Partner. Anders würde es nicht zu seinem Lebensmotto passen.

Für den neuen Verwalter des Wittelsbacher Ausgleichfonds in Hohenschwangau ist jeder Mensch einmalig. Seine letzten Mitarbeiter wussten das. Die Neuen haben es mittlerweile angenehm erfahren. 280 Mitarbeiter leitet er nun in Hohenschwangau, ein mittelständisches Unternehmen, das viel Energie in Anspruch nimmt. Aulinger hat sie. Auch die Grundeinstellung nur das zu machen, was er mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Eine konservative Meinung, möchte man meinen. „Nein, das ist Leistung, die durch Persönlichkeit lebt“, erklärt der Familienvater.
In Hohenschwangau will er Altes bewahren und neue Werte schaffen. Mit seinen neuen Ideen hat er bereits begonnen. Er will seinen Gästen Qualität bieten, Wartezeiten minimieren, eine gute Küche auftischen. Wer Albert Aulinger kennt, weiß, dass er das mit seiner ruhigen und sozialen Art umsetzen wird, weil er, wie er es nennt, nur eines der vielen Zahnräder im Getriebe ist, die das Ganze zum Bewegen bringen.

Nur wenige Menschen  geben offen zu, dass sie gläubig sind und gewisse Werte leben. Glaube ist angreifbar, weil man es nicht messen, festhalten oder sehen kann. Einen Glauben hat man oder auch nicht. Albert Aulinger hat ihn. Seine Religion ist einfach und schwer zu gleich: Die zehn Gebote. „Das einzuhalten ist ziemlich schwer. Aber ich versuche es jeden Tag“, sagt er ernst. So nah an der bayerischen Geschichte zu sein, ist für den Franken etwas ganz besonderes. Und es hört sich auch gar nicht kitschig an, wenn der Wagner Fan und Liebhaber klassischer Musik, von der majestätischen Landschaft erzählt. Er schwärmt. Aber wer tut das nicht? Es ist eben Hohenschwangau, der Ort der Königschlösser.

Text: Sabina Riegger · Bild: privat

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