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Probleme erkennen

Die Supervision

Den täglichen Herausforderungen gelassen begegnen, ein Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben zu finden und in einem guten Betriebsklima seine beruflichen Ziele verwirklichen… Dies ist der Wunsch vieler Menschen. Doch leider findet man diesen Idealzustand nur selten vor. Stress, Kommunikationsprobleme, oder Konflikte sind nur einige Faktoren, die zu  wachsender Unzufriedenheit, zu Erkrankungen, oder im schlimmsten Falle zur Kündigung führen. Doch wie findet man wieder aus diesen belastenden Situationen heraus? Silvia Preißler ist Supervisorin.  Sie unterstützt und begleitet Teams und einzelne Personen dabei, ihre Probleme zu erkennen, neue Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten und Lösungen zu finden.

Was bedeutet der Begriff „Supervision“ und von wem wird sie genutzt?
Supervision bedeutet, „sich einen Überblick zu verschaffen“. Es geht darum, Schwierigkeiten, die sich aus der Zusammenarbeit mit Kollegen, Vorgesetzten oder Klienten ergeben, zu erkennen und zu lösen. Insbesondere nutzen Menschen, die im pädagogischen, medizinischen, oder therapeutischen Bereich arbeiten, diese Form der Beratung. Auch Führungskräfte in der freien Wirtschaft nehmen dieses Angebot, dort unter dem Begriff  „Coaching“, immer öfter wahr.

Welche Ziele verfolgt „Supervision“?
Supervision dient dem Ziel, die eigene Arbeit zu verbessern und den beruflichen Anforderungen von heute gerecht zu werden. Dabei steht immer das Anliegen der Ratsuchenden im Vordergrund. Die Lösung von Konflikten, die eigene berufliche Rolle, oder das Reflektieren der eigenen Haltung, sowie der eigenen Gefühle können, um nur einige Beispiele zu nennen, thematisiert und bearbeitet werden.

Wer sind Ihre Auftraggeber?
Meine Supervisions-Aufträge erhalte ich überwiegend aus dem pädagogischen und medizinischen Bereich. Dies sind Kindertagesstätten, Schulen und Kliniken. Da ich aber auch als Erziehungsberaterin tätig bin, wenden sich auch Eltern, die sich für die Erziehung ihrer Kinder Unterstützung oder neue Impulse wünschen, an mich. Für Krippen und Kindertagesstätten biete ich darüber hinaus noch Weiterbildungen zu aktuellen Themen an.

Wie sieht Ihre Arbeitsweise aus?
Als externer Berater bin ich unparteiisch und neutral. Dies ermöglicht es mir, das Geschehen ohne eine Wertung vorzunehmen, aus der Distanz zu betrachten. Das Verhalten von Mitgliedern eines Teams oder einer Familie beeinflusst sich wechselseitig. Verändert sich der eine Mensch, hat dies Auswirkungen auf den anderen.Für die Entstehung von Problemen bedeutet dies, dass es nicht nur einen „Schuldigen“ , sondern immer mehrere „Beteiligte“ gibt. Im Umkehrschluss heißt das:Jeder Mensch kann also auch zur Lösung eines Problems beitragen. An diesem Punkt knüpfe ich in meiner Beratung an. Der gegenseitige Austausch, sowie die individuellen Fähigkeiten, Stärken und Sichtweisen der Teilnehmer helfen dabei, Handlungsschritte zu entwickeln und neue Wege zu gehen. Das „Wir-Gefühl“ im Team wächst dadurch.

Was ist dabei Ihre Aufgabe?
Als Supervisorin bin ich in erster Linie Zuhörer und Gesprächspartner und habe Verantwortung für den Verlauf der Beratung, nicht jedoch für die Inhalte  und Ergebnisse. Ich leite den Prozess, indem ich das Gruppengeschehen beobachte, die Inhalte strukturiere, Zusammenhänge herstelle und die Zuhörer zur Beteiligung aktiviere. Dabei unterstütze ich die Menschen ihre Probleme zu lösen, die für sie persönlich richtigen Entscheidungen zu treffen und ihre Ziele zu erreichen. Der Weg, der zur Lösung eines Problems führt, kann für jeden Ratsuchenden unterschiedlich sein.Deshalb ist es wichtig, dass der Klient eine eigenständige Lösung seines Anliegens herbeiführt. Ich verstehe mich nicht als „Rechthaber“, der den „richtigen“ Weg vorgibt, sondern als Wegbegleiter, der „Hilfe zur Selbsthilfe“ gibt.

Wie häufig wird Supervision in den von Ihnen genannten Arbeitsbereichen genutzt?
Supervision wird im Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen mittlerweile als Standard betrachtet. Arbeitgeber werben in ihren Stellenanzeigen oft damit, dass ihre Mitarbeiter  die Möglichkeit zur Supervision erhalten. Trotzdem wird diese Form der Beratung in der Praxis häufig noch nicht genutzt.

Worauf führen Sie dies zurück?
Dafür kann es viele Gründe geben: Mangelnde finanzielle Mittel, wenig Zeit, Angst vor dem Unbekannten, oder fehlende Informationen darüber, was Supervision leisten und bewirken kann. Auch befürchten manche Menschen, dass es zu Konflikten kommen könnte, oder ihre persönlichen Grenzen überschritten werden. Weit verbreitet ist auch die Angst, dass über sie Kontrolle ausgeübt wird.

Wie kann man diese Befürchtungen entkräften?
Probleme und Konflikte sind Bestandteil unseres Lebens. Sie zu lösen ist oft unangenehm und anstrengend, für eine gute Zusammenarbeit und das Erreichen der gemeinsamen Ziele aber notwenig und lohnt sich deshalb immer. Supervision kann dazu beitragen, einen besseren Umgang mit Konflikten zu finden. So zeigen Forschungsergebnisse, dass 2/3 der befragten Nutzer Konflikte nicht mehr so persönlich nahmen und sich in Problemsituationen konstruktiver verhielten. Als Supervisorin, das ist mir sehr wichtig, übe ich keine Aufsicht oder Kontrolle aus.Die Gesprächsinhalte werden vertraulich behandelt und unterliegen der Schweigepflicht. Die persönlichen Grenzen der Teilnehmer werden immer respektiert. Jeder sagt nur das, was er sagen möchte.

Wie lange dauert eine Supervision?
Dies ist sehr verschieden und richtet sich nach der jeweiligen Problem- und Auftragslage. Oft setzen sich die Menschen leider erst in einer akuten Problemsituation mit mir in Verbindung. Sie fühlen sich sehr belastet, stehen unter Erfolgsdruck und suchen nach möglichst schnellen Lösungen. Da sich Probleme allerdings oft über Wochen oder Monate entwickelt haben, braucht auch ihre Lösung Zeit.  Schnelle und voreilige Entscheidungen verhindern oft einen langfristigen Erfolg. Eine Sitzung dauert 1,5 – 2 Stunden. In der Regel finden die Treffen im Abstand von 4-8 Wochen statt.

Warum üben Sie ausgerechnet diesen Beruf aus?
Bereits als Kind war ich davon fasziniert, dass Menschen in der Lage sind, schwierige Situationen durch intensive Gespräche zu bewältigen und Wege aus Krisen oder Problemen finden. Ich glaube, dass alle Menschen über Fähigkeiten verfügen, die ihnen oft nicht bewusst sind. Diese gemeinsam zu entdecken und für die Lösung der Probleme zu nutzen, ist für mich immer wieder ein spannender und anregender Prozess.

Wie sieht ihr beruflicher Werdegang aus?
Als ausgebildete Erzieherin und Diplom-Sozialpädagogin habe ich viele Jahre soziale Einrichtungen geleitet. Die Probleme und Herausforderungen der Fachkräfte sind mir also sehr vertraut. Bereits zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn habe ich mein Wissen an Mitarbeiter weiter gegeben und Kindertagesstätten in ihrer pädagogischen Arbeit begleitet. Seit dieser Zeit habe ich selbst immer wieder Supervision genutzt, meine berufliche Situation unter die Lupe genommen und neue Handlungsmöglichkeiten entwickelt.

Dadurch öffneten sich für mich oft neue Wege, um meine Arbeit positiv und kreativ gestalten zu können. Durch Fortbildungen habe ich mich dann zur Erziehungsberaterin der Individualpsychologie, zur Supervisorin und zur Fachpädagogin für systemisches Management weiter qualifiziert und meine Fähigkeiten erweitert. Später war ich für den Aufbau und/oder die Umstrukturierung von Kindertagesstätten,  einer Kurzzeitpflege und eines Internates für behinderte Kinder- und Jugendliche und einer Kinderkrippe verantwortlich. In dieser Zeit habe ich immer öfter Träger und Teams beraten, die vor einer ähnlichen Herausforderung standen. Parallel dazu bekam ich vor vier Jahren die ersten Aufträge als Supervisorin.

Diese Aufgabe erfüllt mich heute sehr. Ich freue mich, wenn ich durch meine langjährige Berufserfahrung und meine Beratungskompetenz Impulse geben und zur Lösung von Problemen beitragen kann.

Text: Silvia Preissler ·
Bild: Sabina Rieger (1), Silvia Preissler (1)

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