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60 Jahre Forggensee

Tiefgreifende Einblicke & Geschichten

Einmalige Ein- und Ausblicke auf den Forggensee

Wunderbare Einblicke bietet der abgestaute Forggensee an. Grund für die neuen Einblicke auf den Seegrund:  Der Forggensee wurde um fünf Meter mehr abgestaut, als es normalerweise im Winter üblich ist, weil Teile des Kraftwerks bei Roßhaupten nach 60 Betriebsjahren inspiziert werden. Ein Glück für die vielen Forggensee-Wanderer. Sie bekommen die  alte Tiefental-Brücke sowie die Fundamente des Lechstegs in Deutenhausen ganz zu sehen.

Dieses Jahr wird der Forggensee zum 60. Mal aufgestaut. Der fünftgrößte bayerische See mit einer Länge von 12 Kilometer und einer Breite von bis zu drei Kilometer wurde nach einer der beiden überfluteten Ortschaften Forggen benannt. Dort, wo heute Einheimische und Urlauber im Sommer mit dem Forggenseeschiff, Segelbooten oder Surfbrettern über den See gleiten, waren einmal zahlreiche Menschen zuhause.

Die Weiler Deutenhausen, Forggen, Teile von Brunnen bei Schwangau und das untere Weidach in Füssen fielen der Aufstauung zum Opfer. Ob man von Glück oder Pech sprechen kann, hängt vom Blickwinkel ab und von den betroffenen Menschen. Mit dem Forggensee ist ein neues Rekreationsgebiet entstanden, das den Tourismus ankurbelt und nicht zuletzt auch die Wirtschaft.

In Deutenhausen, das nahe an Dietringen lag, aber zum Gemeindegebiet Schwangau gehörte, gab es etwa sechs Höfe, einen Fuhrunternehmer und eine Brücke über den Lech, die später gesprengt wurde. Um in die Schule zu kommen, mussten die Kinder einen einstündigen Fußmarsch zurücklegen. Die Ortschaft Forggen gehörte ebenfalls zu Schwangau und lag in der Nähe von Brunnen, wo die Pöllath in den heutigen Forggensee mündet. Auch dort gab es Höfe und eine Mühle. Die Ruinen kann man heute noch sehen, wenn der See abgelassen ist. Die Gemeinde Schwangau verlor durch die Überflutung von Deutenhausen, Forggen und einen Teil von Brunnen, 1071 Hektar, das etwa ein Viertel des damaligen Gemeindegebietes betrug. Durch Ersatzzahlungen der BAWAG (Bayerische Wasserkraft) konnten die gemeindliche Wasserversorgung, ein Teil der Ortskanalisation, die Grundschule und das Rathaus finanziert werden.

Es gab wunderschöne, ebene Wiesen, die nur einmal im Jahr gemäht wurden und den überall rot blühenden Almrausch. Die Ach wurde in der Nähe der Achmühle zu einer richtigen Badeanstalt  aufgestaut, um dort im Sommer zu schwimmen. Das ging solange gut, bis dort das Abwasser der Kaserne landete. Die Menschen lebten in zum Teil jahrhundertealten Höfen in Familienbesitz und mussten diese für den Bau des Forggensee verlassen. Ihnen wurde dafür ein Angebot zur Entschädigung gemacht in Form eines Grundstücks oder Hauses. Nicht jeder war mit dem ihm angebotenen Handel und der Vorgehensweise der BAWAG  einverstanden. Es folgten zum Teil jahrzehntelange Prozesse. Manchen Einwohnern kam das Angebot aber auch entgegen und es herrschte bei Außenstehenden die Meinung, sie hätten „einen guten Schnitt gemacht“, das heißt, sie wurden großzügig entschädigt. So zum Beispiel einige der „unteren Weidächler“, die in einer erst Mitte der dreißiger Jahre unter der nationalsozialistischen Regierung erbauten und später erweiterten Siedlung mit staatlichen Fördermittel für kinderreiche Familien wohnten. Auch sie mussten ihre anderthalbstöckigen Häuser verlassen, die einfach gebaut und schlecht isoliert waren. Die Häuser waren an keiner Kanalisation angeschlossen und im Winter gab es Probleme mit der Wasserversorgung. Auch dort gab es vereinzelt Hochwasser im Frühjahr  nach der Schneeschmelze beziehungsweise nach starken Regenfällen. Eine ehemalige Anwohnerin direkt am Lech erzählt: „ … so dass das Wasser zum einen Fenster hereinkam und zum anderen wieder hinausfloss“. Die Bewohner bekamen neue Häuser in der Keltensteinstraße und im Oberen Weidach von der BAWAG bezahlt. Einige der Steinhäuser wurden Stück für Stück demontiert und in der Nähe von Marktoberdorf und bis Memmingen wieder aufgebaut.

Die Forggenseeschifffahrt

Kaufmännischer Leiter der Forggenseeschifffahrt Helmut Schauer
Kaufmännischer Leiter der Forggenseeschifffahrt Helmut Schauer

Eine feste Infrastruktur im Bereich des Tourismus ist die Forggenseeschifffahrt. Ohne den See gäbe es den Eigenbetrieb der Stadt Füssen nicht. Helmut Schauer, kaufmännischer Leiter der Forggenseeschifffahrt, bestätigte das zunehmende Wachstum der Fahrgäste.

Wie kam man auf die Idee, die Schifffahrt zu gründen?
Am 01.03.1957 wurde mit einstimmigem Beschluss des Füssener Stadtrates der Schifffahrtsbetrieb durch die Stadt Füssen von der Füssener Schifffahrtsgesellschaft Sturm KG aus München übernommen. Die Übernahme wurde damals vorerst als „Versuch“ auf drei Jahre von 1957 bis 1959 befristet. Die damaligen Beweggründe lagen zweifellos im Interesse des Fremdenverkehrs.

Wann lief das erste Forggenseeschiff aus?
Nach unseren Kenntnissen 1955. An welchem Tag genau ist uns leider nicht bekannt. Die „Sturm AG“ hat die Schifffahrt zwei Sommer (1955 und 1956) mit dem Motorschiff „Füssen“ Baujahr 1954 für 65 Personen und dem Motorschiff „Roßhaupten“ Baujahr 1954 für 35 Personen betrieben. Die Anzahl der beförderten Passagiere von 1955 und 1956 (durch Sturm AG) ist uns nicht bekannt. Die Beförderungsleistung im Jahr 1957 wurde mit 20.000 Personen angegeben. Genaue Aufzeichnungen fehlen hierzu leider.

Welches Jahr war das Beförderungsstärkste Jahr, seit dem es die Forggenseeschifffahrt gibt?
Das war 2013. Wir haben 94 311 Fahrgäste gehabt. Überhaupt haben wir die letzten drei Jahre eine Steigerung von 15 bis 20 Prozent.

Worauf führen Sie das zurück?
Auf die professionelle Vermarktung von Füssen Tourismus & Marketing sowie der Forggenseeschifffahrt. Des Weiteren ist dieser positive Trend auch auf die Einführung der Königscard zurück zu führen.

Denken Sie eventuell an den Einsatz eines dritten Schiffes?
Nein. Ein drittes kommt nicht in Frage, weil die Notwendigkeit auch nicht da ist, auch nicht von der Größe des Sees. Mit den beiden Schiffen sind die Linien sehr gut abgedeckt.

Text: Sabina Riegger · Bilder: privat

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