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Aloe Vera – eine wahrhaftig vielfältige Pflanze

Die Aloe Vera (Echte Aloe), auch Wüstenlilie oder Curacao-Aloe genannt, ist ursprünglich beheimatet in Teilen Mexikos, Brasilien, Kuba, Afrika und den Kanaren – heiße Länder, in denen oft monatelang kein Regen fällt. Daher musste die Pflanze, deren Bezeichnung Aloe aus dem Arabischen stammt und übersetzt „bitter“ aufgrund ihres Geschmackes bedeutet, spezielle Strategien entwickeln, um zu überleben. Genau diese, wie die Bildung eigener Nährstoffe und das Befüllen von Feuchtigkeitsspeichern in ihren Blättern, machen die Aloe Vera für uns so besonders und wertvoll.

Bereits seit tausenden von Jahren ist die „Pflanze der Unsterblichkeit“, wie sie bei den Pharaonen betitelt wurde, ein bewährtes Heil- und Schönheitsmittel.

Im alten Ägypten wurde sie unter anderem bei Haut- und Brandverletzungen eingesetzt, bei den Griechen heißt es, dass Alexander der Große einst seine entzündete Pfeilwunde mit Aloe Vera-Öl behandeln ließ, woraufhin sie schnell abheilte. Auch die Römer machten sich dieses Wissen zunutze, was heute noch in den Schriften des Arztes und Naturforschers nachzulesen ist.

In der traditionellen indischen Heilkunst Ayurveda gilt die Aloe Vera seit jeher als Verjüngungsmittel und im Islam ist sie nicht nur eine Heilpflanze, sondern auch ein Glückssymbol. Und selbst Christoph Columbus führte die Aloe Vera stets bei seinen Entdeckungsreisen mit an Bord!
Bei uns wurde sie bereits seit den 60er Jahren aufgrund ihrer pflegenden und feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften im Kosmetikbereich verwendet, aber inzwischen wird die Aloe Vera in vielfältigerer Weise eingesetzt, wie uns die nachfolgenden Rezepturen zeigen werden.

Welche Inhaltstoffe sind nun für die hervorragende Wirkung der Aloe Vera verantwortlich?
Rund 160 verschiedene Inhaltsstoffe hat man bis heute analysiert, darunter Vitamine, Enzyme, Mineralstoffe, Aminosäuren und Zuckerarten wie das Acemannan, das der Mensch bis zur Pubertät sogar selbst bildet und das als antiviral, antibakteriell und als wirksam gegen Pilze gilt. Außerdem enthält die Aloe Vera Inhaltsstoffe, die auch im menschlichen Bindegewebe und Knorpel vorkommen und noch viele mehr. Diese außerordentliche Wirkstoffvielfalt macht deutlich, wie wertvoll diese Pflanze für uns sein kann!

Inzwischen gibt es unzählige Aloe Vera-Produkte auf dem Markt, unter anderem in Form von innerlich einzunehmenden Trink-Gelen oder Pulverkapseln, die aus dem Wasserspeichergewebe der Blätter gewonnen werden (im Unterschied zu abführenden Tabletten mit Aloe-Extrakt – der dafür verantwortliche Wirkstoff Aloin befindet sich in dem gelben Saft unter der Blattrinde) oder äußerlich anzuwendenden kosmetischen Heil- und Pflegeprodukten.

Natürlich kann man sich auch seine eigene Aloe Vera-Pflanze zulegen, die man im Sommer als Kübelpflanze auf der Terrasse oder im Winter auf der Fensterbank halten kann und die bei richtiger Pflege selbst für Anfänger leicht zu handhaben ist. Auch wenn man einmal das Gießen vergisst, nimmt sie es dank ihrem großen Wasserreservoir nicht gleich übel. Will man die Blätter für die Gewinnung von Gel abschneiden, müssen die äußersten gewählt werden. Mit einem scharfen Messer bodennah abtrennen und den gelben Saft an der Schnittstelle herauslaufen lassen, um die abführende Wirkung zu vermeiden. Dann ein so großes Stück des Blattes abschneiden, wie man es für die aktuelle Anwendung braucht und die Schale abtrennen. Das restliche Blatt kann man in einer Plastiktüte einige Tage lang im Kühlschrank aufbewahren.

Hier einige Aloe Vera-Rezepturen für den Alltag:

Akne, Pickel
Das Gesicht täglich mit purem Aloe Vera einreiben, das lässt die Entzündungen schneller abklingen und beugt Narbenbildung vor. Behandlungsdauer mindestens drei Monate.

Augenpflege
Die Augenlider, ebenso die Augenfältchen und Tränensäcke leicht kreisend mit Frischblattsaft einreiben. Bei Entzündungen: Gel 1:1 mit Wasser mischen und als Augenkompresse auflegen.

Blähungen
Aloe Vera-Trinkkuren können die Beschwerden deutlich verbessern.

Haarprobleme
Um das Haarwachstum zu fördern, Aloe Vera-Gel regelmäßig in die Kopfhaut einmassieren. Bei Haarausfall noch 2 Wochen nach dem Verschwinden der Symptome fortsetzen. Außerdem zusätzlich täglich Aloe Vera–Frischblattsaft trinken.
Als Haarpackung: 1 Tasse Aloe Vera – Frischblattsaft, 1 Eigelb und 1 EL Olivenöl mit Mixer vermengen, einmassieren und eine halbe Stunde einwirken lassen. Hilft auch gut gegen Schuppen.

Gesichtspackung
½ Avocado, 1 Eigelb, 1 EL Honig mit einem 5 cm langem Blattstück und etwas Wasser zusammenmixen.

Hämorrhoiden
Öfter, aber speziell nach dem Stuhlgang, mit Aloe Vera – Frischblattsaft einreiben. Auch nach dem Verschwinden der Symptome noch etwas fortsetzen. Zusätzlich morgens ¼ l Frischblattsaft trinken, um die Verdauung zu regulieren, evtl. mit einem ganz kleinen Schalenanteil (zuviel Schale führt zu Durchfall!!!). Bei Bedarf morgens und abends ein Stück Aloe Vera ohne Schale in den After einführen.

Hautpflege
Aloe Vera spendet der Haut Feuchtigkeit, wirkt zusammenziehend und stimulierend. Nach der Reinigung Gesicht oder Körper mit Frischblattsaft oder Gel einreiben. Die Aloe wird erstaunlich schnell von der Haut aufgenommen. Pflegen Sie besonders die Fältchen und die Augenpartie. Auch ideal nach der Rasur. Je nach Bedarf mehrmals täglich wiederholen.

Magenprobleme
Als Trink-Kur mindestens 2 Monate morgens nüchtern und vor den Mahlzeiten verteilt ¼ bis ½ l Frischblattsaft zu sich zu nehmen.

Massage
Aloe Vera pur oder gemischt mit Oliven-, Mandel- oder Jojobaöl und ätherischen Ölen pflegt und glättet die Haut.

Müde und schmerzende Füße
Ein Fußbad mit warmen Wasser und ½ l Frischblattsaft schafft Linderung. Nach dem Abtrocknen den Rest des Saftes in die Füße einreiben.

Mundhöhlenentzündungen
Den Mund mehrmals mit dem Frischblattsaft spülen oder eine getränkte Watte auf die Stelle legen. Auch gut unterstützend bei Pilzinfektionen des Mundes oder bei der Parodontose.

Pilzinfektionen (Fuß-, Nagelpilz, etc.)
Mehrmals täglich mit einem Stück Gel einreiben. Hilft am besten, wenn sofort nach dem Befall mit der Behandlung begonnen wird, kann aber generell auch bei hartnäckigen Fällen versucht werden.

Schrammen und Kratzer
Am besten während der ersten 24 Stunden die betroffenen Stellen mit Aloe Vera – Stücken oder Gel einreiben. Das beschleunigt die Heilung.

Sonnenbrand
So rasch als möglich mit dem Gel oder Blattstücken einreiben, um die Zellen vor Überhitzung zu schützen und das, so oft es geht. Das gilt natürlich auch für Verbrennungen aller Art, sofern die nicht in die Hände eines Arztes gehören.

Stärkungsmittel
Täglich vor dem Frühstück ¼ l Frischblattsaft trinken oder ein kleines Blattstück kauen.

Venenbeschwerden
Den Frischblattsaft oder das Gel auf die schmerzenden Stellen auftragen.

Wundenheilmittel
Ein Blattstück abschneiden, die grüne Schale entfernen und die offene Wunde damit betupfen. Auf Sterilität und Desinfektion achten.

Text: Simone Wagner, Stadt-Apotheke Füssen

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