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Im Gespräch mit der SPD

Die „Roten“ feiern ihren 110. Geburtstag

Am 20. September 1903 wurde im damaligen Gasthof “Mineralbad” neben den Hanfwerken in Füssen, etwa dort, wo heute der Fabrikschornstein aufragt, der “Sozialdemokratische Verein” Füssen gegründet. Die erste Vorstandschaft bestand aus dem 1. Vorsitzenden Franz Hackenmayer, Schuhwarenhändler, dem 2. Vorsitzenden Johann Reng, Heizer und den Kassierern Rudolf Wohlwend, Schreiner und Hilarius Linder, Arbeiter. Laut Satzung wollte der Verein für politische und wirtschaftliche Aufklärung und insbesondere bei Wahlen die Kandidaten der SPD unterstützen.

Jetzt feiert die SPD Füssen ihren 110. Geburtstag. Füssen aktuell sprach mit der Vorstandschaft der Partei, was sich in den letzten Jahren bewegt hat und welche Ziele sie sich für die Zukunft gesetzt haben:

110 Jahre SPD Füssen – auf welchen Teil Ihrer Geschichte blicken Sie mit Stolz zurück?
Allein schon die Tatsache, dass es die SPD seit 110 Jahren als Partei im Füssener Land gibt, ist ein Grund, stolz zu sein. Es ist etwas Besonderes, Mitglied einer Partei zu sein, die sich zu allen Zeiten den Ideen der Demokratie, der sozialen Gerechtigkeit und der Gleichberechtigung verschrieben hat. Für diese Ideale einzustehen, war in Zeiten des Königtums ein strafbarer Akt und zu Zeiten des Nationalsozialismus sogar mit Konzentrationslager und Tod bedroht. Dass die SozialdemokratInnen bereits 1919 die absolute Mehrheit im Stadtrat in Füssen erhielten, ist ebenso bedeutsam wie die Tatsache, dass bereits 1929 die Bürgerschaft von Füssen durch die SPD mit einer Unterschriftenaktion an der Kommunalpolitik beteiligt wurde. Besonders stolz können wir sein, dass nach dem 2. Weltkrieg bis heute 28 Jahre lang  SPD-Bürgermeister die Geschicke der Stadt bestimmten.

Was macht die SPD in Füssen aus?
Die SPD Füssen steht für politische Diskussion und Meinungsbildung, für Aufklärung und konkretes Handeln. Ihre Mitglieder und MandatsträgerInnen setzen sich auf allen Ebenen für das Allgemeinwohl ein und verteidigen dieses gegen die Phalanx derer, die in den Parlamenten nur ihren eigenen Vorteil erreichen wollen. Die SPD-Fraktion hat den Vorsitz im Gleichstellungsbeirat, im SeniorInnenbeirat und im Migrationsbeirat der Stadt Füssen übernommen. Ebenso wird der Jugendbeirat von uns betreut. Wir stellen mit Paul Iacob zurzeit den Bürgermeister und Dr. Paul Wengert ist unser Landtagsabgeordneter.

Die SPD stellt sich als eine soziale Partei dar. Welche wichtigen sozialen Projekte wurden in den letzten zehn Jahren realisiert, die für Füssen auch heute noch von Relevanz sind?
Jung und Alt standen und stehen im Mittelpunkt dieser letzten 10 Jahre. Ob Hausaufgabenhilfe, Schulen und deren Ausbau, Mittagsbetreuung, erweitere Mittagsbetreuung, Ganztagsbetreuung, Hort, Kindergarten, Krippenausbau, Spielplätze, Jugendhaus, Ferienbetreuung, Sozialpädagogik an den Schulen: alle diese Maßnahmen wurden und werden von der SPD – oft genug gegen den Widerstand konservativer Kreise – eingefordert und unterstützt. Alle diese Dinge dienen der Verbesserung der Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Zugleich helfen sie entscheidend mit, wenn es gilt, Familie und Beruf zu vereinbaren. Das SeniorInnenkonzept für Füssen ist ein Signal für die gesamte Kommune, den älteren Mitmenschen Lebensqualität und Sicherheit gerade auch im Alter zu bieten. Dazu gehören z.B. ausreichende Wohn- und Betreuungsplätze in verschiedensten Einrichtungen genauso wie die Barrierefreiheit im Stadtgebiet.

Fünf Mitglieder im Stadtrat, einen Bürgermeister und einen Landtagsabgeordneten stellt ihre Partei zurzeit. Wie sind die Aussichten für das kommende Wahljahr?

Wir haben kompetente und engagierte Mitglieder und MandatsträgerInnen. Unsere Inhalte und Ziele sind attraktiv und sozial gerecht. Darum können wir auch bei den kommenden Wahlen in Füssen zulegen. Wir wollen auch nach der kommenden Kommunalwahl einen sozialdemokratischen Bürgermeister Paul Iacob, der von einer verstärkten SPD Fraktion im Stadtrat unterstützt wird. Und wir wollen mit Dr. Paul Wengert (Stimmkreis Marktoberdorf) und Ilona Deckwerth (Stimmkreis Kempten/Oberallgäu) künftig zwei Allgäuer Landtagsabgeordnete haben, die aus unserem Ortsverein stammen.

„Mehr wir, weniger ich“ – wäre das nicht ein guter Wahlslogan für die SPD Füssen? Übrigens ist dies ein Zitat von Peer Steinbrück.
Der Bürgermeister und die SPD sind darauf bedacht, die Bürgerinnen und Bürger selbst an Projekten zu beteiligen. Dazu gibt es einen monatlichen Stammtisch, Stadtteilgespräche oder wie vor kurzem eine Aktion zur  Reinigung des Mitterseebades, an der sich überraschend viele Menschen beteiligt haben.

Jede Partei spricht über Ihre Erfolge. Keiner redet über die Misserfolge. Was waren die größten politischen Fehlleistungen der Füssener SPD?
Eine Fehlleistung liegt sicher in der Vergangenheit, als die Lobby der ehemaligen Hanfwerke den Stadtrat und auch die SPD überzeugte, keine weiteren Betriebe in Füssen zuzulassen. Darunter leiden wir noch heute.

Ehrlichkeit währt am längsten –auch für Parteien?
Wir versprechen in Füssen vor der Wahl nur Dinge, die auch realistisch umgesetzt werden können. Ein Vergleich mit unserem Wahlprogramm von 2009 zeigt, dass wir das auch tun, was wir versprochen haben!

Füssen hat einige Baustellen, die behoben werden müssen. Welche aus Ihrer Sicht hat Priorität und warum?
Einige große Baustellen sind inzwischen abgearbeitet oder ein gutes Stück vorangetrieben worden, siehe Hallenbadgrundstück, Bürgerspital oder Theresienhof. Nun ist es wichtig, die Verkehrssituation in der Innenstadt zu regeln. Die SPD will nicht allein den motorisierten Verkehr zu Lasten der RadfahrerInnen und FußgängerInnen beschleunigen. Andere für die SPD Füssen wichtige Projekte sind der Bau des neuen Bahnhofs, der soziale Wohnungsbau, die weitere Entwicklung der Kindertagesstätten und eine altersgerechte Stadt für alle.

Sie haben die Möglichkeit einen potenziellen Interessenten für Ihre Partei mit einem Satz gewinnen zu können. Was würden Sie sagen?
Die SPD ist modern und zukunftsorientiert und setzt sich mit Leidenschaft für Demokratie und das Gemeinwohl ein.

 

Text: Sabina Riegger · Bilder: privat

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