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Auf ein Wort – Im Gespräch mit Dr. Martin Beyer

Füssen.    Im Februar 2009 wurde aus den CSU-Ortsverbänden Füssen, Hopfen am See und Weißensee ein gemeinsamer Ortsverband. Zum Vorsitzenden wählten die Mitglieder Dr. Martin Beyer. Ein Mann, der für seine Rhetorik und Motivationfähigkeit bekannt ist. Mit Beyer weht nun ein frischer Wind bei den Christsozialen. Arbeitsgruppen wurden gebildet, um die hochgesteckten Ziele zu realisieren. Seitdem sind 15 Monate vergangen. Vom politischen Verdruss, weder in seiner Partei noch als Stadtrat, dem er seit September 2009 angehört, ist bei dem Mediziner nichts zu spüren. Im Gegenteil, die kommunale Politik scheint dem 53-jährigen richtig Spaß zu machen. Füssen aktuell traf sich mit dem Kommunalpolitiker zu einem Interview.

Wenn Sie Ihre Parteiarbeit der letzten 15 Monate betrachten, zu welchem Zwischenresümee kommen Sie? Bestätigt hat sich die Vorstellung, dass es eine sehr interessante Aufgabe ist. Interessant deshalb, weil die Unterschiedlichkeit der Positionen und Meinungen in dieser Volkspartei, aber auch die Gemeinsamkeiten, die die Mitglieder mit dieser Partei verbinden, gravierend sind.

Gravierend inwiefern?
Es gibt viele Themen, die diese Stadt betreffen und somit auch unterschiedliche Meinungen. Eine praktische Umsetzung bedeutet daher, viel Geduld haben zu müssen. Meine Aufgabe als Vorsitzender ist es, diese Verschiedenartigkeit an Menschen und Meinungen zusammen zu führen und zusammen zu halten. Alleine der Generationswechsel in unserer Partei ist ein großer Schritt auf dem Weg, den sie in Füssen zu gehen hat.

Ihre Partei hat sich viele Ziele gesetzt. Unter anderem Wirtschaft und Kinder-Betreuungsplätze. Konnte bislang etwas davon umgesetzt werden? Der Ansatz zur Umsetzung von verschiedenen Gedanken war ja der, dass wir Themen in Arbeitsgruppen gebündelt haben, um beispielsweise die spezifischen Besonderheiten der einzelnen Ortsteile weiter zu berücksichtigen. Ein erstes Ergebnis war die Gründung der Lechsterne; der Neubau der Kindertagesstätte und des Kinderhortes sind auf dem Weg gebracht. Solche großen Projekte sind nicht gleich umsetzbar. Man braucht einen langen politischen Atem. Alle Aufgaben, die wir uns vorgenommen haben, befinden sich in einem steten Prozess.

Als neuer Stadtrat haben Sie sich einarbeiten müssen. Haben Sie alle Informationen dafür bekommen? Am Anfang war ich, um es etwas gelinde auszudrücken, schon überrascht, wie der Informationsfluss gestaltet war. Mittlerweile hat sich das durch die Kooperation aller Beteiligten, Stadträte, Bürgermeister und Verwaltung massiv verbessert.

Dennoch gibt es Gruppierungen, die diesen Informationsfluss immer noch nicht ausreichend finden. Was sagen Sie dazu? Die Leistungen der Verwaltung haben mich in den ersten Monaten meiner Stadtratstätigkeit zum Teil so positiv berührt, dass ich diese Kritik zwar verstehe, mit ihr aber schlichtweg anders umgehen möchte.

Das Ansiedeln von Gewerbe läuft sehr zäh in Füssen, sehen Sie das auch so?
Ja, deswegen wollen wir auch ein Wirtschaftsreferat. Parallel hierzu darf nicht unter den Tisch fallen, dass wir unseren Tourismus in Hinblick auf Qualität des Angebotes und Qualität der Umsetzung ganz im Sinne unseres Tourismuschefs Fredlmeier ausbauen. Was er machen möchte, ist unsere Chance, das ist hervorragend.

Ein Thema sind zur Zeit die öffentlichen Toiletten in Füssen. Entwickelt sich das zu einem Problem? Das ist ein Grundsatzproblem in Füssen, das wir nicht intensiv genug beachtet haben. Allerdings muss man da mal auch dem Bürgermeister ein Kompliment machen. Er hat sich diesem Thema nicht verweigert. So hat er beispielsweise in Hopfen am See diese Problematik durch den Bau des neuen Tourismuspavillons zumindest teilweise gelöst.

Es scheint so, als ob CSU und SPD gut zusammenarbeiten?
Die Kommunikation zwischen den Parteien ist auf einem guten Weg. Kommunikationsbereitschaft unter den Parteien bleibt für mich das wichtigste Mittel, um in Füssen voran zu kommen.
 
Um es lapidar auszudrücken: Im Stadtrat herrscht Friede, Freude, Eierkuchen? Bei weitem nicht. Die Auseinandersetzungen sind zum Teil heftig. Und dennoch kommen deutliche Mehrheitsentscheidungen zustande. Der Stil der Auseinandersetzungen ist sicherlich hier und da verbesserungswürdig.

Man arbeitet also mit dem Bürgermeister und nicht gegen ihn? Selbstverständlich. Es ist die Zeit, miteinander zu arbeiten. Man arbeitet nicht für die Person Paul Iacob, sondern für die Stadt Füssen und somit für uns alle.

Nach den Umfragewerten hat die CSU in den letzten Jahren sehr viel an Stimmen verloren. Woran liegt das ihrer Meinung nach? Die Problematik liegt meines Erachtens an einem Mangel an offener und respektvoller Kommunikation unter den Generationen, also am klassischen Generationsproblem. Das ist aber ein Thema aller großen Parteien, nicht nur das der CSU alleine.
 
Was kann man dagegen tun?
Gemeinsames Erleben, Gestalten und Kommunizieren ist hierfür sehr wichtig. Wir benötigen ein offenes Ohr für die Wertevorstellungen der nachrückenden Generation, allerdings müssten diese auch benennbar sein, damit eine Diskussion auf Augenhöhe stattfinden kann.

Auch Füssen ist nicht verschont von Jugendkriminalität und Jugendarmut. Was kann die Stadt Füssen dagegen tun?
Primär Prävention betreiben. Das heißt, die Sozialarbeit insbesondere an den Grundschulen zu fördern oder andererseits zum Beispiel für eine Ferienbetreuung in den Kindergärten zu sorgen.

Das hilft aber trotzdem nicht, sie vor Kriminalität und Armut zu schützen? Hierfür sind unbedingt Angebote in der Stadt Füssen notwendig, die den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht werden. Und auf diesem Feld tun wir uns immer noch schwer. Abhilfe erhoffen wir uns natürlich auch aus einem Kinder- und Jugendbeirat, in dem primär die Kinder und Jugendlichen zu Wort kommen müssen.

Das Interview führte Sabina Riegger

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