LokalesWirtschaft

„Dolce Vita“ auf Allgäuerisch

Eine bayerisch-italienische Geschichte

 Füssen.    „Dolce Vita“ auf allgäuerisch, so könnte man Füssen beschreiben. Ein bisschen mediterran, traditionell und mit viel Leben erfüllt. So mancher Füssener Familienname hat italienische Wurzeln. Der Großvater oder Ur-Großvater kam in die schöne Lechstadt, um hier seinen neuen Lebensmittelpunkt zu schaffen. Die meisten waren Handwerker und kamen aus dem nördlichen Italien. Stefano Ceschin lebt seit 1994 in Füssen, er ist der Tradition seines Vaters gefolgt, der bereits einige Eisdielen verstreut in Deutschland hatte. Doch keine war der Heimat und dem südlichen Flair so nahe wie Füssen. Stefano Ceschin ist Speiseeishersteller und bildet sich in Seminaren regelmäßig fort.

Cremig, fruchtig, süß und kalt sieht das leckere Eis von Stefano Ceschin aus. Er produziert in der Saison täglich 35 verschiedene Eissorten. 20 davon werden zu jeder Saison ausgetauscht. Vor 20 Jahren war Stefano Ceschin das erste Mal in Füssen. „Ich besuchte als Student die Schlösser und schaute mir dann Füssen an. Füssen ist schön, die Stadt hat Charme“, schwärmte er schon damals. Der Wunsch in Füssen zu wohnen erfüllte sich fünf Jahre später.

Mittlerweile ist Füssen mindestens neun Monate im Jahr der Arbeits- und Lebensmittelpunkt des Nord-Italieners.  Stefano Ceschin vergleicht Füssen mit seinem Heimatort Conegliano. Er gehört zur Provinz Treviso in der norditalienischen Region Venetien. „In Füssen wird mehr Brauchtum gelebt. Bei uns ist das leider nicht mehr so. Die jungen Leute interessieren sich kaum für das Traditionelle. In Conegliano hatten wir auch Trachtengruppen, aber das war vor 20 Jahren“. Ceschin erzählt von der Hektik der Italiener und das viele Arbeiten. In Italien ist Samstag ein regulärer Arbeitstag. „Das Dolce Vita ist nicht so wie es viele sehen wollen“, erklärt der 40-jährige.

Besondere Verbundenheit
Gerade Italiener aus dem Norden fühlen sich dem Allgäu verbunden. „Es ist die Mentalität, die Landschaft, die Nähe, die verbindet“, so Ceschin. Vieles hätten sie gemeinsam, erklärt der Familienvater. „Ein Norditaliener braucht seine Zeit bis er mit jemanden richtig Freundschaft schließt.Man schaut sich die Dinge auch erst einmal aus der Ferne an, bevor man mitreden will.“ Diese Feststellung scheint auch auf die Allgäuer zuzutreffen. Auch sie beobachten das Geschehen erst einmal aus der Weite.

Dass die bayerisch-italienische Landesausstelung ab 21. Mai in Füssen stattfindet, darauf ist Stefano Ceschin stolz. „Bereits vor 2.000 Jahren hat die Via Claudia Augusta Italien mit Bayern verbunden und die Römer ins Allgäu gebracht. Fast dieselbe Route benutze ich noch heute, wenn ich nach Füssen fahre.“ Dass er die Landesausstellung besuchen wird ist für den Eiscafé-Chef eine klare Sache. „Auf einige Exponate freue ich mich jetzt schon. Die Landesausstellung ist nicht nur eine Bereicherung für die Stadt.“ So wie Stefano Ceschin interessieren sich viele Italiener für die bayerische Geschichte. „Sie sind fasziniert von der Historie dieser Region“, erzählt er. Von italienischen Gästen werde er regelmäßig nach bestimmten Touren und Tipps gefragt. „Dann empfehle ich zum Beispiel die  Rundwanderwege um die Seen.“

Zeit um sich die Region anzuschauen hat Familienvater Ceschin nicht immer. „Wenn ich in Füssen bin, dann sind es arbeitsreiche Tage, die wenig Freiraum für Freizeit lassen.“ Saxophon spielen oder mal ein Konzert besuchen sind für den Italiener in den Sommermonaten ein Luxus. „Zeit für Freizeit, neue Ideen und Kultur habe ich in den Herbst- und Wintermonaten. Dann gehe ich auf Messen, schaue mir Sehenswürdigkeiten an und unternehme viel. Es ist die Zeit des Kräfte sammelns“, erzählt er.
Trotz wenig Freizeit macht Stefano seine Arbeit mit viel Freude. „Sie ist interessant, weil ich jeden Tag neuen Menschen begegne.“ 
Für Ceschin ist Füssen eine Kulturstadt mit dem Anspruch, sich auch international nennen zu dürfen. „Füssen hat ein ganz besonderes Flair. Sie ist nicht nur eine historische Stadt mit alten Mauern. Sie hat das gewisse Etwas.“ Diese Meinung teilen wohl viele Gäste die nach Füssen kommen. Denn gerade in den Sommermonaten wird die Stadt nicht nur bunter an Menschen, sondern auch an Sprachen. Das weiß auch Ceschin, der Eis in italienischer, französischer, und englischer Sprache verkauft.
Speziell zur Landesausstellung wird Stefano Ceschin eine besondere Eiskreation herstellen. Welchen Namen das Eis tragen und wonach es schmecken wird, wollte er noch nicht verraten. Ob es wohl eine bayerisch-italienische Mischung sein wird? Probieren kann man diese leckere Überraschung im schönen Garten des Eiscafés, der von der Stadtmauer umrahmt wird.

Text/Bild: rie

Verwandte Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
Nacht der Musik 2024