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„Ich habe immer Lampenfieber“ m Gespräch mit der Kabarettistin Monika Gruber

Ihre Eltern sahen sie unter der Brücke schlafen und waren enttäuscht, dass sie ihren Job als Fremsprachenkorrespondentin aufgab, um das zu werden, was sie jetzt ist – Kabarettistin und Schauspielerin. Monika Gruber gehört zu den Senkrechtstartern in ihrer Branche. Keiner ihrer Kollegen kann so schnell reden und solche Grimassen ziehen wie sie. Füssen aktuell traf sich mit der Frohnatur, die auch oft über den Sinn und Unsinn des Lebens nachdenkt. Wenn man so viel unterwegs ist wie Sie, hat man da noch Zeit für ein Privatleben? Doch schon, man muss es sich zwar erkämpfen aber dieser Ausgleich ist ganz wichtig, um seine Kräfte und Ideen zu sammeln oder um mal nichts zu reden. Man muss sich Zeit für Familie und Freunde einfach schaffen. Ich muss zu vielen Dingen mal nein sagen, auch wenn sie interessant sind, weil sonst hätte ich keine Freizeit mehr.

Wie äußert sich die viele Arbeit bei Ihnen?
Ich werde dann ungeduldig, nicht nur mit mir, das bin ich sowieso. Aber ich lasse es dann an anderen aus und das will ich eigentlich gar nicht. Ich bin nämlich ein friedliebender Zeitgenosse und wenn ich gestresst bin und diese Phase nicht abreißt, was manchmal auch passieren kann, dann bin ich grantig und das ist ein Zustand, der mir an mir nicht gefällt.

Wie oft sind Sie unterwegs im Jahr?
Ich hatte früher etwa 140 Auftritte, letztes Jahr waren es 120 Auftritte,  was auch noch sehr viel ist. Heuer habe ich 80 Auftritte. Das geht. Dabei sind aber nicht die Auftritte im Fernsehen eingerechnet. Das heißt ich bin ziemlich viel unterwegs. Es kommen aber auch viele andere Arbeiten hinzu wie neue Projektentwicklungen.

Welche Projekte sind das, die Sie als Kabarettistin machen? Ich bin nicht nur Kabarettistin, sondern auch Schauspielerin. Vor zwei Jahren haben Günther Grünwald und ich eine Geschichte entwickelt, die heißt „Normal ist des net“. Sie wird zwischen den Weihnachtstagen und Neujahr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt. Das sind satirische Geschichten. Wir haben uns dafür Kollegen geholt wie Herbert & Schnipsi, Helmut Schleich, Michi Alttinger, aber auch Schauspielkollegen wie Sepp Thalmaier, Hans Schuller. Wir hoffen, dass es den Leuten gefällt.

Schreiben Sie ihre Programme selber?
Ja, alles

Bei Schauspielern gibt es einen Regisseur, der Anweisungen gibt. Wie ist das bei Kabarettisten?
Sie haben Recht. Schauspieler arbeiten mit Regisseuren zusammen, die ihnen dann sagen wie sie stehen müssen oder wie sie sich zu bewegen haben. Ich habe bis jetzt keinen Coach gehabt. Eine Zusammenarbeit schließe ich aber nicht aus. Vielleicht hole ich mir auch mal einen Co-Autor.

Haben Sie noch Lampenfieber, wenn Sie auftreten?
Ich habe immer Lampenfieber.

Wirklich immer? Ja ehrlich. Es ist manchmal stärker und manchmal schwächer. Wenn ich Sommerpause hatte, und das Programm zum Beispiel drei Monate lang nicht gespielt habe, dann ist das nicht nur Lampenfieber, dann ist es panische Angst.

Vor was haben Sie panische Angst?
Angst vor einem Blackout oder dass ich den Text vergesse, dass das Publikum nicht gut ist oder nicht lacht oder nicht versteht, was man da macht.

Gab es schon mal einen Auftritt wo sie sagen, das vergesse ich nie? Ja, ganz viele. Aber man erinnert sich aus unterschiedlichen Gründen daran. Heuer hatte ich im Winter einen Auftritt in Hof und da ist ein Mann kurz nachdem ich angefangen hatte, bewusstlos geworden. Er war nicht ansprechbar, er hatte eine Magenblutung. Der ganze Sessel um ihn herum war voller Blut, weil er brechen musste. Ich habe das nicht gesehen, weil ich vorne auf der Bühne war. Mein Manager kam dann zu mir mit blutverschmierten Händen und sagte: Es ist ein Notfall und Du musst sofort von der Bühne. Dann kam auch schon der Notarzt, der uns versicherte, dass der Mann außer Lebensgefahr ist. So etwas vergisst man natürlich nie. Ich habe dann zwei Tage später mit dem Mann telefoniert, da ging es ihm schon wieder gut. Für mich war es aber ein super Schreck.

Überall wo Sie auftreten haben Sie volles Haus. Haben Sie sich ihren Erfolg so vorgestellt?
Nein, meine Familie hat mich schon unter der Brücke liegen gesehen.  Wenn so viele Leute kommen bloß wegen mir, dann ist das schon toll. Aber es gibt auch Tage, an denen man mit sich hadert und denkt, bin ich gut, kann ich das noch weiter machen oder wie lange kann ich es noch machen. Merken die Leute, dass ich ständig Angst habe oder kann ich das verbergen… Ich meine, zweifeln tut jeder, das ist normal. Ich bin dankbar, dass ich diesen Beruf machen kann und es macht mir wahnsinnig Spaß.

Finden Sie, dass ihr Beruf viel fordert?
Es ist ein Beruf, wo man sich viel mit sich selber beschäftigt. Manchmal ist das mühsam, weil man über sich und über das Leben oder vielmehr über den Sinn des Lebens nachdenkt. Was will man, wo will man hin. Es ist gut, wenn man dann eine Ablenkung hat, um nicht so viel nachzudenken.

Was würden Sie beruflich noch erreichen wollen?
Ich würde gerne einen Film drehen, vielleicht mit Helmut Dietl, wenn er mal Notiz von mir nehmen würde oder einen Film mit Josef Vilsmeier.

Vielen Dank für das Gespräch

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