Politik

Andreas Bauer: Ein Landratskandidat stellt sich vor

Helmishofen ist seine Heimat, München und Berlin sein Netzwerk: Der CSU-Politiker aus Helmishofen will Verwaltung neu denken – pragmatisch, digital, bürgernah. Warum er gerade jetzt kandidiert, wie er Bürokratie bekämpfen will und welche Werte ihm wichtiger sind als jede Karriere.

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Sie leben in Helmishofen im Markt Kaltental, sind seit 1999 CSU-Mitglied und haben in München in einer Unternehmensberatung und jetzt in Kaufbeuren Führungserfahrung gesammelt. Was bedeutet Ihnen das Ostallgäu persönlich – und warum wollen Sie ausgerechnet jetzt Landrat werden?

„Helmishofen ist für meine Frau und mich zu unserer Heimat geworden. Wir schätzen den starken dörflichen Zusammenhalt sehr und sind dankbar, Teil dieser Dorfgemeinschaft zu sein. Das gilt genauso für das gesamte Ostallgäu, in dem wir uns sehr wohl fühlen. Für mich ist es selbstverständlich, sich vor Ort einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und persönlich mit anzupacken. Meine Kandidatur als Landrat entspringt genau diesem Gedanken: Verantwortung zu übernehmen und unseren Landkreis aktiv mitzugestalten. 

Mich motiviert die Möglichkeit, an entscheidender Stelle Weichen zu stellen und Entwicklungen voranzubringen. Durch meinen beruflichen Werdegang bringe ich das notwendige Rüstzeug für die Leitung und Weiterentwicklung des Landratsamtes mit. Der direkte Kontakt und Austausch mit Menschen bereitet mir große Freude.

Eine transparente Kommunikation auf Augenhöhe ist mir dabei besonders wichtig. Bei mir ist das offene Wort Grundlage dafür, Vertrauen aufzubauen. Gleichzeitig weiß ich, wie entscheidend ein starkes Netzwerk nach München, Berlin und Brüssel ist. Das bringe ich mit. Ich verbinde Bodenständigkeit vor Ort mit dem Blick für die überregionalen Zusammenhänge.“

In einem Interview sagten Sie: ‚Das Landratsamt soll sich mehr als Dienstleister denn als Behörde verstehen.‘ Das klingt gut – aber was heißt das konkret? Wenn ein mittelständisches Unternehmen eine Baugenehmigung braucht oder ein Handwerksbetrieb einen Azubi aus dem Ausland einstellen will: Wie sorgen Sie dafür, dass das schneller und unbürokratischer geht? Was muss sich ändern – in der Haltung, in den Abläufen, in der Digitalisierung?

„Bürokratie entsteht durch die Gesetze und vor allem durch die sehr vielen Ausführungsbestimmungen, die auf Landes- oder Bundesebene gemacht werden. Ausschlaggebend für die Menschen ist jedoch, wie sie den Umgang damit vor Ort erleben; was es für sie und ihr jeweiliges Vorhaben konkret bedeutet. Manches ist erst mal gut gedacht gewesen, funktioniert aber nicht im Alltag. Und da macht es einen entscheidenden Unterschied, ob eine Verwaltung pragmatisch und lösungsorientiert denkt und agiert, und ob sie bürgerfreundliche Prozesse im Amt hat. 

Eine Verwaltung hat immer Gestaltungsspielraum und ich erwarte, dass dieser zugunsten der Menschen und deren Projekte genutzt wird. Dafür ist die Haltung der Menschen in den Ämtern ganz entscheidend. Als Landrat will ich ganz bewusst an der Kultur des Landratsamtes arbeiten – anstelle des Ziels der absoluten Rechtssicherheit muss die Macher-Mentalität im Mittelpunkt stehen. Dies entspricht meiner inneren Haltung und daher habe ich auch den Slogan „Anpacken! Machen.“ für meinen Wahlkampf bewusst ausgewählt. 

Die Digitalisierung sehe ich als DIE Chance, Verwaltung und Verwaltungsprozesse neu zu denken und deutlich schlanker, transparenter und dienstleistungsorientierter zu gestalten. Wenn der Dienstleistungsgedanke gemeinsam mit der Macher-Mentalität und brauchbaren digitalen Prozessen im Landratsamt zusammenkommen, wird der Aufwand für den beispielhaften Bauantrag oder die Arbeitserlaubnis für den Azubi aus dem Ausland deutlich niedriger sein.

Dort, wo der Einsatz von KI uns die Arbeit erleichtert, sollten wir sie nutzen, um effektiver zu werden. Dennoch denke ich, dass in den allermeisten Fällen das letzte Wort beim Menschen belassen werden muss. Grundsätzlich gilt: Niemand soll ausgebremst werden – im Gegenteil: wer investieren und Arbeitsplätze schaffen will, soll volle Rückendeckung erfahren.“

Das Ostallgäu lebt vom Tourismus – Neuschwanstein, die Seen, das Alpenvorland. Aber viele Einheimische klagen über Overtourism, Verkehr, steigende Mieten. Wie wollen Sie den Tourismus stärken, ohne dass die Lebensqualität der Menschen hier leidet? Und: Soll das Ostallgäu noch mehr Touristen anziehen – oder eher auf Qualität statt Quantität setzen?

„Machen wir uns bewusst: Der Tourismus hat wesentlich zum Wohlstand beigetragen und er ist insbesondere im südlichen Ostallgäu ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wir leben da, wo andere Urlaub machen – das ist ein Privileg. Und wir verdienen Geld damit – zum Wohle von uns allen. 

Ich bin sehr dafür, dass wir den Tourismus im Ostallgäu weiterentwickeln; dass wir uns als Qualitätsstandort noch besser vermarkten. Dabei gilt es, für alle Gäste, ob mit großem oder kleinem Geldbeutel, Angebote zu schaffen. Dafür sollten wir aber verstärkt zusammenarbeiten und das Potential, das wir bereits jetzt schon haben, deutlich besser vermarkten.

Aber wir müssen eben auch sehen, dass Wachstum im Tourismus dazu führt, dass Belastungen für die Menschen entstehen, die hier dauerhaft wohnen. Und das müssen wir im Auge behalten. Wir müssen gemeinsam für uns alle denken – für die Wirtschaftskraft der Touristen, die uns Wohlstand ermöglichen und für die Einheimischen, die selbst die hohe Lebensqualität haben müssen, die wir nach außen hin bewerben.“

Das Ostallgäu hat viel Potenzial bei erneuerbaren Energien. Aber es gibt auch Widerstand gegen Windräder und Freiflächen-Photovoltaik. Wie wollen Sie die Energiewende vor Ort voranbringen – und dabei die Menschen mitnehmen? Wo stehen für Sie Windräder im Ostallgäu – und wo nicht?

„Die Erneuerbaren Energien sind eine echte Chance für das Ostallgäu, um sich insbesondere in Kombination mit Speichermöglichkeiten autarker vom Stromnetz aufzustellen. Angesichts der immer unsicherer werdenden Welt müssen wir da leider wieder verstärkt darauf schauen. Vor diesem Hintergrund bin ich ein großer Freund von vielen dezentralen Projekten vor Ort in der Region. Wir können aus den ‚Erneuerbaren‘ genügend Energie erzeugen; dabei sind das Stromnetz und die Speicherung des hier vor Ort erzeugten Stroms das Nadelöhr, um Dunkelphasen und Windflauten aufzufangen.

Was die Windkraft angeht, setze ich auf zwei Dinge: zum einen auf die Wirtschaftlichkeit und zum anderen auf die Beteiligung der Bürgerschaft vor Ort. Nur dort, wo die Menschen Windkraft auch wollen – und finanziell beteiligt werden – soll sie noch zusätzlich kommen. Wichtig ist bei solchen Projekten, die die Menschen direkt betreffen, immer eine transparente, integrative und frühzeitige Kommunikation.“

Sie sind verheiratet, leben in einer kleinen Gemeinde, sind seit 25 Jahren in der CSU aktiv. Was gibt Ihnen persönlich Halt? Was ist Ihnen wichtiger als Karriere? Und: Gibt es Prinzipien, bei denen Sie keine Kompromisse eingehen – auch nicht aus politischem Kalkül?

„Rückhalt finde ich bei meiner Frau und in unserem Freundeskreis. In unserer Gemeinde ist eigentlich immer etwas los – irgendwo wird immer jemand gebraucht, der ‚mal kurz‘ mit anpackt. Das erdet ungemein und hält mich ganz klar am Boden der Tatsachen. (lacht)

Das Arbeiten mit Holz ist für mich ein wichtiger Ausgleich. Dabei komme ich zur Ruhe und tanke Kraft. Genauso wichtig sind mir gute, ehrliche Gespräche mit Menschen. Genau darin zeigen sich auch die Werte, die mir wichtig sind: Offenheit, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Sie prägen, wie ich lebe, wie ich arbeite und wie ich mit anderen umgehe.

Klar und kompromisslos werde ich dort, wo diese Haltung infrage gestellt wird – nämlich dann, wenn unser freiheitliches System und unsere Demokratie angegriffen oder unterlaufen werden. Da ist für mich absolut ‚Schluss mit lustig‘; dafür habe ich null Toleranz.

Text: Sabina Riegger · Foto: Ralf Lienert

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